Wasserburg – Ob Föhn, Kaffeemaschine oder Radio: Gar nicht so selten gehen diese und andere Geräte des täglichen Gebrauchs kaputt. Man selbst ist mit der Reparatur meistens überfordert oder scheut die Kosten für den kommerziellen Kundendienst.
Aber es gibt eine gute Möglichkeit, der streikenden Technik neues Leben einzuhauchen, niederschwellig und kostenlos. Und die heißt Repaircafé; laut Statistiken haben sich inzwischen rund 1.750 in Deutschland angesiedelt – auch eines in Wasserburg.
Nachhaltigkeit und
Gemeinschaft im Fokus
Nina Lau ist seit Mai 2025 als Nachfolgerin von Maria Hessdörfer Leiterin des Mehrgenerationenhauses und damit auch der Servicestation am Willy-Ernst-Ring, wo sich Ehrenamtliche einmal im Monat, jeweils samstags, um defekte Dinge kümmern. 2018 wurde diese Einrichtung gegründet, die unter der Trägerschaft des Kinderschutzbundes Rosenheim steht. Das Mehrgenerationenhaus ist mit seinen vielen Programmen ein wichtiger Pfeiler des sozialen Angebots in Wasserburg.
Auch Erinnerungen
kommen zurück
Das Repaircafé habe, so sagt Lau, einen besonderen Auftrag: Es sorge dafür, dass Menschen zusammenkommen und fördere die Nachhaltigkeit. Es gehe um einen Beitrag im Kampf gegen das Wegwerfen. Und die 44-Jährige hat auch gleich ein schönes Beispiel für die Sinnhaftigkeit der Einrichtung parat: Einmal habe ein Kunde ein altes Tonbandgerät gebracht, das in den 80er-Jahren in einem Schwesternwohnheim für Stimmung gesorgt habe und wieder zum Leben erweckt werden sollte.
„Ich finde es einfach toll, wenn diese alten Erinnerungen durch unsere Hilfe zurückkommen“, sagt Lau.
Auch um defekte Uhrenradios, Kaffeemaschinen, Wasserkocher, CD-Spieler, Haartrockner, Uhren, Motorsägen, Staubsauger und sonstiges Gerät kümmert sich das sechsköpfige Reparaturteam. „Ich finde, es läuft sehr gut, ich mach’s gern“, freut sich Lau. „Man bekommt so viel Dankbarkeit zurück, das macht die Arbeit so schön.“ In der Regel kommen am Öffnungstag jeweils rund zwei Dutzend Leute in der Hoffnung, dass ihnen geholfen wird. Manchmal haben sie Glück – und wenn nicht, können sie zumindest Kaffee, Tee und Kuchen genießen und sich mit den anderen Besuchern austauschen. Beim Empfang der Besucher steht Lau die frühere Leiterin der Awo Wasserburg, Anne von Loewenfeld, zur Seite. Lau ist immer auf der Suche nach personeller Verstärkung, zurzeit fehlt ihr vor allem ein Experte für Fahrräder.
Reparateur Paul Geiger beschäftigt sich an diesem Samstag mit einer Heckenschere einer Dame aus Edling, deren Motor nicht mehr will, offenbar ist Wasser eingedrungen. Ein Problem, das schnell beseitigt werden kann.
Wegwerfen kommt
nicht infrage
Auch eine Schreibtischlampe mit Wackelkontakt wird wiederhergestellt – zur Freude von Helmut Henseler aus Amerang. „Nein, wegschmeißen kommt für mich nicht infrage“, sagt er, der sich selbst als „unpraktisch“ bezeichnet.
Nicht weiterhelfen kann dagegen der Elektronik-Spezialist Jürgen Burkhart im Fall eines funktionsuntüchtigen Verstärkers der Firma Grundig, ein uraltes Gerät, für das es keine Unterlagen mehr gibt.
Besitzer Hans Deuschl aus Haag gibt dennoch eine Spende. Die Gewissheit, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, ist es ihm wert.
Gartenzwerg
verliert Kopf
Burkhart gehört seit Anbeginn zum Stamm der Reparateure beim Repaircafé. Auf seinem Arbeitstisch lag schon so manche Kuriosität: Einmal habe eine Dame einen Gartenzwerg gebracht, dessen Kopf abgebrochen war. Flugs wurde er mit speziellem Klebstoff wieder fixiert.
Und auch ein lädierter Teddybär fand Hilfe im Repaircafé: „Die Augen haben nicht mehr funktioniert“, erinnert er sich. Es sei die Frau von Bürgermeister Michael Kölbl gewesen, die zufällig im Repaircafé vorbeikam und Hand anlegte.