Wasserburg – Stadtknechte und Schiffsleut gaben sich die Ehre, mit der Wasserburger Schäfflertanzgruppe gemeinsam den letzten Tanz im Schäfflerjahr 2026 anzutreten. Stilvoll führten sie den Zug über die Innbrücke mit Fackeln an. Der Auftritt vor dem historischen Rathaus: wie gewohnt souverän und wohl bei dem ein oder anderen sicherlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Oberkasperl Wiggerl Neumaier sprach mit fester, aber witterungs- und auftrittsbedingt leicht angekratzter Stimme. Er fand lobende Worte für die Stimmung, die den Schäfflern die letzten sechs Wochen entgegengebracht wurde.
Ohne Stadtkapelle
„nur halb so viel wert“
„Mir läuft‘s wie beim Schüttelfrost eiskalt den Buckel runter, wenn ich daran denke“, erklärte er sichtlich bewegt.
Der Dank der Schäffler galt nicht nur all jenen, die mit der Gruppe zusammen feierten, sondern freilich auch der Stadt und ihren Mitarbeitern, dem Bauhof-Team sowie der Feuerwehr. Ein gesonderter Dank ging an die Stadtkapelle, denn ohne die wären die Schäffler laut eigener Aussage „nur halb so viel wert“.
Max Holbl, sage und schreibe seit 70 Jahren der Wasserburger Schäfflertanzgruppe treu, folgte der alten Tradition und ließ seinen Worten „Ich zerbrech‘ den Reifen nun entzwei, vorbei ist unsere Tanzerei“ kräftige Taten folgen.
Vortänzer Wolf Poerztler unterstrich im Gespräch mit der Redaktion am Aschermittwoch, dass der letzte Auftritt sehr emotional über die Bühne ging: „Es war eine wunderschöne Saison mit einer Wahnsinns-Gruppe von Jung bis Alt und ein unglaublicher Zusammenhalt. Unser Chef-Organisator Heini Asböck hatte das alles wunderbar im Griff. Jeder Auftritt war schön, aber der Ausmarsch ist noch mal etwas Besonderes. So viele Menschen standen auf den Straßen und begleiteten unseren letzten Tanz. Ein unbeschreibliches Gefühl.“
Die Schäfflertanzgruppe freut sich immer über Zuspruch aus der Bevölkerung, wenn sie Freude und Frohsinn verbreitet: „Heuer lief es unbändig harmonisch und wir haben verstärkt gespürt, dass wir das Richtige tun: nämlich die Menschen auf die Straßen holen und für lächelnde Gesichter sorgen. Im Gespräch mit einem Zuschauer wurde diese Magie deutlich. Er sagte, in sieben Jahren ändere sich so viel, doch die Schäffler blieben immer die Konstante – das bringt unsere Tradition auf den Punkt“, freut sich Wolf.
Am Dreikönigstag, 6. Januar, fiel der Startschuss für die Schäffler, bei klirrend niedrigen Temperaturen: 111 Auftritte liegen nun hinter ihnen. Die Tänzer sorgten stets mit ihren lockeren Tanzschritten für Faszination – einige tanzen schon seit Jahrzehnten in der Gemeinschaft, so wie Franz Göpfert.
Der Nachwuchs kam auch nicht zu kurz: So standen die Wagerlkinder dem Oberkasperl bei, während die Fassl-Schlager das alte Handwerk präsentierten. Die Kasperl unterhielten humorvoll und keck die Zuschauer – unter ihnen auch einige Damen wie Gabi Ertl aus Prutting. Die Reifenschwinger führten akrobatische Kunststücke vor, ohne dabei das kleine Schnapsglas zu verlieren. Und die feschen Marketenderinnen übernahmen die Aufgabe, dass die wohlige Wärme, die mit den Schäfflerauftritten einherging, bei den Zuschauern auch stets von innen aufstieg.
Alle an der Tanzgruppe Beteiligten folgten abschließend der Vorstellungsrunde des Oberkasperls aufs Fass in der Mitte und holten sich ihren verdienten Applaus für ihren jeweiligen Einsatz in den vergangenen Wochen ab. Trainiert wurde eifrig mehrere Wochen vor dem offiziellen Start der Saison. Jetzt heißt es also schweren Herzens: Buchsbaumkränze niederlegen, bis sie in sieben Jahren wieder zum Leben erweckt werden. Die Schäffler hoffen natürlich, alle im Jahr 2033 gesund und munter wieder anzutreffen.
Bürgermeister Michael Kölbl hatte zum Schluss passende Worte in petto: „Wir mögen Euch, wir brauchen Euch, wir freuen uns auf Euch in sieben Jahren.“
Regen und
Schneeflocken
Und wie auf Kommando öffnete der Himmel seine Pforten und ließ mit dem instrumentalen Zapfenstreich „Il Silenzio“ erst heftige Regentropfen auf die Menge niederprasseln, ehe der Regen in Schnee überging und dicke Flocken über die Innstadt wirbelten. Doch ein „echter Schäffler“ lässt sich freilich nicht unterkriegen, und so wurde bis in den späten Abend im „Queens“ feucht-fröhlich weitergefeiert und gemäß der Tradition natürlich auch der Hemdkragen heruntergerissen.