Großer Andrang bei der Tafel

von Redaktion

Einkauf für 750 Kunden nur noch alle 14 Tage möglich – Bedarf bei Produkten mit langen Haltbarkeitsfristen

Wasserburg – Es ist eine segensreiche Adresse: In der Brunhuberstraße 24 arbeiten tüchtige Männer und Frauen, bei denen sich Bedürftige gratis mit Lebensmitteln eindecken können. Zuverlässig und in großer Auswahl. Nein, als ein Einkaufsparadies kann man die Tafel Wasserburg nicht bezeichnen, aber es gibt im Wesentlichen alles, was man so im Haushalt braucht fürs tägliche Leben. Geöffnet hat der Laden einmal in der Woche, jeweils Dienstagvormittag. Eine ausgeklügelte Organisation hilft dabei, die Ware effektiv zu verteilen.

Bei schönem Wetter wird ein Stand nach draußen verlegt, der unter anderem Kosmetikartikel anbietet. In zwei Räumen im Inneren des Ladens gibt es Milchprodukte, Gemüse, Obst und Wurstwaren. Fleisch ist diesmal leider nicht verfügbar.

Vor dem Laden warten Dutzende Kunden geduldig auf Einlass – mit Kärtchen in der Hand, die den Zugang regeln. „Anders geht es nicht, sonst hätten wir Mord und Totschlag“, sagt Barbara Pömsl, eine der drei Leiterinnen der Tafel. Um 13 Uhr schließt der Laden. Die beiden anderen Leiterinnen, Sabine Hufschmid-Glas und Renate Steinbichler, beginnen mit dem Aufräumen und besprechen Organisatorisches des Betriebs mit immerhin 40 Mitarbeitern.

Zwei Drittel davon sind Frauen, eine Zahl, die für den Betrieb gut ausreicht. Die Männer, die mit Transportern die rund 20 Spenderadressen ansteuern, müssen kräftig anpacken. Zum Kreis der Gönner gehören unter anderem Supermärkte, Gärtner, natürlich auch die beiden Wasserburger Großbetriebe Bauer und Meggle.

Eine Garantie dafür, dass die gewünschte Ware in der gewünschten Menge zur Verfügung steht, gibt es freilich nicht. „Hauptsächlich fehlen uns Produkte mit langen Haltbarkeitsfristen“, sagt Steinbichler. Also Nudeln, Reis, H-Milch, Müsli, Zucker und Öl – Lebensmittel also, die in den Supermärkten länger in den Regalen bleiben können. Auch bei Milch gibt es mitunter Engpässe.

Wie gut, dass die Tafel auf Geldspenden zurückgreifen kann, um manchen Mangel auszugleichen. „Wir sind ein Versorger, der bei Gelegenheit dank der Spender auch mal großzügig verteilen kann“, sagt die Tafel-Verantwortliche. Dass ein Kunde im Einzelfall nicht zahlen kann, ja, das komme hin und wieder vor. Und dann drückt man eben ein Auge zu.

Zum Kundenstamm gehören unter anderem Personen, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, sowie Bezieher von Arbeitslosengeld und Grundsicherung. Die Leitung der Tafel spricht von Rentnern, alleinstehenden Frauen, alleinerziehenden Müttern, chronisch Kranken und Migranten – und „ganz vielen“ Ukrainern. Die Bedürftigkeit wird anhand von entsprechenden behördlichen Nachweisen geprüft.

Im Quartal sind es 750 Personen, die in der Tafel einkaufen, mit weiter steigender Tendenz. Manche Kunden haben Großfamilien zu versorgen, mit vielen Kindern, so hört man. Im Notfall werden die Kisten von der Tafel gefüllt und zu den Kunden gebracht. Eingekauft werden darf seit einiger Zeit allerdings nur alle 14 Tage, der Ansturm ist zuletzt zu groß geworden, zu schnell haben sich die Regale geleert.

In der einen Woche ist die Gruppe mit roten Karten dran, in der anderen berechtigt die blaue Karte zum Einkauf. Die Disziplin sei im Großen und Ganzen gut, sagen die Leiterinnen. Aber eine gewisse Autorität müsse sein.

Träger der Tafel ist die Diakonie Rosenheim, die Einkommensgrenzen festsetzt, den Strom für den Laden übernimmt oder auch den Sprit für die Transportautos. Die Beschäftigten arbeiten aber alle ehrenamtlich und mit großem Engagement. Sie versichern: „Wir machen’s richtig gern.“ Und immer wieder erleben sie bei ihrer Tätigkeit „unglaubliche Dankbarkeit“. Gar nicht so selten fließen Tränen der Scham – und der Rührung. Weithofer

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