Beinahe-Zusammenstoß zweier Regionalzüge

von Redaktion

Stellwerke im betreffenden Abschnitt stammen aus dem Jahr 1899

Mühldorf/Weidenbach/München – Am Freitagvormittag (20. Februar) gegen 9 Uhr kam es auf der Bahnstrecke Mühldorf–München im Bereich Weidenbach zu einem brenzligen Zwischenfall. Wie innsalzach.de berichtete, befanden sich zwei Regionalbahnen der DB mit der Zugnummer RB40 gleichzeitig in einem Streckenabschnitt, der nur für einen Zug freigegeben war. Andere Medien berichteten, dass Bahnmitarbeiter gerade noch einen Frontalzusammenstoß der beiden Züge verhindern konnten.

Ganz so dramatisch war die Lage nicht. Was sich am Freitag auf der eingleisigen Strecke tatsächlich abgespielt hat, hätte für Fahrgäste und Deutsche Bahn aber weit weniger glimpflich ausgehen können. Wie ein Fahrgast berichtete, sollen die Züge nach der eingeleiteten Notbremsung nur 50 Meter voneinander entfernt zum Stehen gekommen sein.

Züge fuhren auf
dem Gleis hintereinander

Eine Sprecherin der Bahn schildert das Geschehen auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen. Demnach sei an jenem Freitagmorgen gegen 9 Uhr ein Zug der Südostbayernbahn – RB40 Mühldorf (Oberbayern) nach München Ost – im Bereich Weidenbach versehentlich in einen Gleisabschnitt geleitet worden, der von einem anderen Zug besetzt war. „Die Züge sind hintereinander hergefahren, es gab somit kein Risiko eines Fontalzusammenstoßes“, versichert die Sprecherin. „Es kam zu keinerlei Sach- oder Personenschäden.“

Die Folge dieses Fehlers seien zeitweise Verspätungen und Zugausfälle auf der Strecke zwischen München und Mühldorf bis etwa 12.30 Uhr gewesen. „Die Bundespolizei untersucht den Vorfall“, so die Pressesprecherin aus München weiter. Die Bahn unterstütze die Ermittlungen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir darüber hinaus keine Angaben machen können, da die Untersuchungen noch laufen.“ Im Raum stehe der Straftatbestand einer Gefährdung des Bahnverkehrs, erklärte eine Sprecherin der Bundespolizei in Freilassing: „Gegen wen sich die Ermittlungen konkret richten, dazu können wir noch keine Aussage treffen.“

Technisches oder
menschliches Versagen?

Deshalb bleibt die Frage, ob es sich bei dem Fehler um technisches oder menschliches Versagen gehandelt hat, von der Bahn unbeantwortet.

So ging es nach dem unfreiwilligen Not-Stopp auf freier Strecke für die Fahrgäste weiter: „Der zuerst gefahrene Zug wurde um 10.50 Uhr in den Bahnhof Schwindegg gefahren und die Reisenden konnten aussteigen und mit dem Bus weiterfahren“, berichtet die Sprecherin.

Keine Evakuierung auf
freier Strecke

Auch beim zweiten Zug sei keine Evakuierung erforderlich gewesen. Dieser Zug wurde ebenfalls in den Bahnhof Schwindegg gefahren und die Reisenden sind mit dem Bus weitertransportiert worden. „Es gab also keine Evakuierung eines Zuges auf der freien Strecke oder ohne Bahnsteig.“

Die Frage, ob ein überaltertes Stellwerk, es stammt noch aus der Prinzregentenzeit, Ursache des Vorfalls war, ließ die Pressestelle offen. Gibt aber eine interessante Information:: „Die Stellwerke im betreffenden Abschnitt stammen von 1899 und werden Ende dieses Jahres ersetzt.“

Die Bahnstrecke München – Mühldorf gilt als die am stärksten befahrene eingleisige Strecke Deutschlands. Sie soll modernisiert und zweigleisig ausgebaut werden, doch das Projekt verzögert sich seit Jahren.

Erst Anfang Februar sorgten neue Nachrichten über den Ausbau der Bahnstrecke zwischen München und Mühldorf (ABS 38) für Verunsicherung bei den Anliegern. Das Projekt ABS 38 stehe auf der Kippe, hieß es. Angeblich gebe es bei der ABS 38 eine Finanzierungslücke. Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl hat sich deshalb mit einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Verantwortliche des Projekts ABS 38 gewandt. Er lud den Kanzler ein, sich persönlich in Mühldorf am Inn ein Bild von der Bedeutung des Projekts zu machen.

In einer Pressemitteilung des Landkreises Mühldorf hieß es dazu, dass auf Einladung von Landrat Max Heimerl ein Treffen zum Projekt ABS 38 stattgefunden habe.

Bei diesem Treffen berichtete ABS 38-Projektleiter Alexander Pawlik, dass sich das Gesamtvorhaben ABS 38 im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans befinde und folglich hohe Priorität habe.

Eine Voraussetzung für
Finanzierung fehlt noch

Noch stehe der erste Planfeststellungsbeschluss aus, er werde im ersten Halbjahr 2026 erwartet. Erst dann seien die rechtlichen Voraussetzungen für den Baubeginn sowie eine abgeschlossene Finanzierungsvereinbarung zwischen Bahn und Bund gegeben.

Landrat Heimerl erklärte, es sei absolut normal, wenn erst in den kommenden Monaten die Finanzierungsvereinbarung für den Abschnitt von Dorfen bis Thann-Matzbach abgeschlossen werde. Die Aufregung sei überflüssig.

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