Kiebitze bremsen nicht mehr

von Redaktion

Elektrifizierung der Bahnstrecke Ebersberg-Wasserburg kommt

Wasserburg/Edling/Forsting/Ebersberg – Ist die Lebenszeit der Dieselloks zwischen Ebersberg und Wasserburg nun endlich gezählt? Eine Nachricht vom bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter lässt Hoffnung schöpfen. Wie dieser in einer Pressemitteilung verkünden lässt, haben der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn einen Realisierungs- und Finanzierungsvertrag für die Elektrifizierung zwischen Ebersberg und Wasserburg unterzeichnet. Damit, so Bernreiter, geht der Ausbau der Schieneninfrastruktur deutlich voran.

Projekt hat sich
immer wieder verzögert

Wie Pendler in der Region wissen, ist die Strecke des sogenannten Filzenexpress nur bis zur Haltestelle „Grafing Bahnhof“ elektrisch ausgebaut, danach fahren noch alte Dieselloks bis Wasserburg. Diese loszuwerden ist schon lange geplant, das Projekt hat sich aber immer wieder verzögert. So hatte 2021 die damalige bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer angekündigt, dass der Ausbau bis 2026 abgeschlossen sein soll. Daraus wurde aber nichts. Grund hierfür waren die Kiebitze. Im Staudhamer Feld waren mehrere Brutstätten dieser stark geschützten Vögel gefunden worden. Lange wurde nach Ausgleichsflächen für die Tiere gesucht, was sich aber aufgrund der stark genutzten landwirtschaftlichen Felder als schwierig herausstellte. Schließlich beschloss die Bahn, eine neue Kartierung der Kiebitze anzustreben. Im Jahr 2025 wurde diese schließlich vorgestellt, wobei sich herausgestellt hat, dass keine Brutstätten der Kiebitze im Staudhamer Feld mehr festzustellen sind. Eine weitere Ausgleichsfläche zur Höhenfreilegung der B304 für die Brücke in Reitmehring konnte laut Bahn nach langer Suche erworben werden. Damit, erklärt nun das bayerische Verkehrsministerium, könne das Planfeststellungsverfahren beginnen.

Sobald dieses abgeschlossen sei und Baurecht vorliege, könne die Deutsche Bahn mit dem Ausbau beginnen, denn die Finanzierung sei gesichert. Mehr als sieben Millionen Euro will der Freistaat investieren, die übrigen Kosten trägt der Bund. Wie hoch die Gesamtkosten sind, darüber will das bayerische Verkehrsministerium allerdings keine Aussage treffen. „Derzeit liegen uns noch keine aussagekräftigen Summen vor“, heißt es dort auf Rückfrage. Im Jahr 2021 sprach das Ministerium von 32,2 Millionen Euro Gesamtkosten.

Die Bahn selbst erklärt auf Anfrage, dass sie mit dem Ausbau der Strecke in den Jahren 2028 und 2029 plane. Die elektrifizierte Strecke soll dann zum Fahrplanwechsel 2029/2030 in Betrieb genommen werden, so zumindest der Plan. Dieser sei aber noch abhängig vom Planfeststellungsverfahren und der europaweiten Ausschreibung der Bauleistungen.

Laut bayerischem Verkehrsministerium ist neben der Elektrifizierung auch geplant, einen neuen Bahnhalt in Ebersberg Süd auszubauen. Außerdem soll die Strecke beschleunigt und sowohl zwischen Grafing Bahnhof und Grafing Stadt als auch zwischen Ebersberg Süd und Ebersberg zweigleisig ausgebaut werden.

Die Elektrifizierung dient als Vorbereitung auf die geplante S-Bahn, die eines Tages bis nach Wasserburg gehen soll. Deren Einrichtung ist allerdings abhängig von der Fertigstellung der zweiten Stammstrecke in München. Deren Ende ist ebenfalls verzögert. Aktuell wird hier nicht mit einer Einweihung vor 2037 gerechnet.

Bernd Meerstein, Vorsitzender der Ortsgruppe Pro Bahn, begrüßt die Elektrifizierung. Dadurch seien die Züge nachhaltiger und vor allem schneller, insbesondere beim Ausfahren aus den Haltestellen. Das sei nicht nur vorteilhaft für die Pendler, auch Haltestellen, die weniger frequentiert seien – beim Filzenexpress beispielsweise Tulling – seien dadurch besser geschützt. „Sie drohen nicht wegzufallen, weil der Halt nicht so viel Zeit kostet“, erklärt Meerstein.

Ein kleiner Wermutstropfen ist aber trotz aller Freude dabei: Denn die Elektrifizierung gilt nur bis Reitmehring, die Altstadtbahn bis nach Wasserburg ist weiterhin ausgeschlossen. Meerstein hofft allerdings, dass der Ausbau und die neuen Loks vielleicht auch hier noch einmal einen Schub geben können. „Mit der Elektrifizierung könnten auch hier weitere Haltestellen in der Nähe des Meggle-Geländes oder auch unter der Innhöhe eingeplant werden. Das geht mit Dieselloks nicht“, so Meerstein.

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