Wasserburg – Seit knapp sechs Jahren ist Bruno Bibinger Stadtpfarrer in Wasserburg. Bald tritt er eine neue Stelle im Tölzer Land an (wir berichteten). Dort wird der 43-Jährige im August Leiter des Pfarrverbands Gaißach, Reichersbeuern und Sachsenkam. Bei einem Besuch habe er sich sofort wohlgefühlt, erzählte er unserer Zeitung.
Auf die Frage, wie gut er seinen neuen Wirkungskreis kennt, antwortet Bibinger: „Ein bisschen.“ Im 1.300-Einwohner-Ort Sachsenkam wird auch seine künftige Wohnung sein. Sein Versprechen ist es, für einen reibungslosen Übergang vom Aufgabenbereich in Wasserburg zur neuen Tätigkeit zu sorgen. Eine zwischenzeitliche Doppelbetreuung will er nicht ausschließen.
Der Wunsch nach
einer Veränderung
Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Bibinger die Hintergründe seiner Entscheidung, die im vergangenen Herbst gereift seien. Vor Wasserburg war er im Dachauer Land, in Neumarkt-St. Veit und in Tuntenhausen im Dienst der Kirche. Was hat nun für ihn den Ausschlag gegeben, woanders neu anzufangen und eine neue Herausforderung zu suchen? Dem Eindruck, genug von Wasserburg zu haben, widerspricht er. „Ich möchte aber wieder aufs Land“, versichert er.
Ist der Wechsel ein Karriereschritt, wie man in der säkularen Terminologie sagen würde? „Nein, es ist eine Veränderung“, so sieht er das. Ihn reizt die Vorstellung, dass die Kirche auf dem Land präsenter als in der Stadt sei. Den genauen Tag seiner Entscheidung könne er nicht nennen, aber als er vertretungsweise in Rott tätig war, habe er gemerkt, wie heimisch er sich auf dem Land fühlt: „Da hab‘ ich gespürt, was mir am Herzen liegt.“ Und dies habe er auch den Kirchenoberen kommuniziert. Im Übrigen sei es doch so, dass es auf dem Land nicht automatisch ruhig sei, auch in einem Dorf könne es sehr geschäftig zugehen.
Mit welchem Gefühl wird er nun Wasserburg verlassen? Bei dieser Frage lässt er seine Verbundenheit mit der Stadt erkennen. „Wir haben eine sehr, sehr gute Gemeinschaft“, betont er. Als positive Entwicklung nennt er den „wachsenden Kirchenbesuch“ und lobt die Treue vieler Gottesdienstteilnehmer. „Das ist ja hier fantastisch.“
Im selben Atemzug preist er das gute Verhältnis zu den Nachbargemeinden, darunter Schnaitsee, Eiselfing, Pfaffing, Rott und Griesstätt. „Das ist toll.“ Von Anfang an habe er freilich immer gesagt, „dass ich einmal wechseln werde“.
In Wasserburg schulterte Bibinger gleich zu Anfang seiner Amtszeit eine Mammutaufgabe: Die Renovierung der Jakobskirche, ein Projekt in zweistelliger Millionenhöhe. Für die Wiederherstellung der Buntglasfenster richtete er im Pfarrhofkeller eine eigene Werkstatt ein. Die verzierten Scheiben aus dem 19. Jahrhundert sollten ja nicht langen Transporten ausgesetzt werden. Zum Abschluss der Arbeiten kam im Jahr 2024 Reinhard Kardinal Marx zu Besuch. Bibinger erinnert sich an einen „wunderschönen Festakt“ mit ihm. „Der Kardinal hat sich sehr gefreut.“
Die Kirche als
Ort der Begegnung
Gefordert wurde Bibinger auch durch Nachbarschaftshilfe während der Corona-Pandemie. Des Öfteren sprang er für Kollegen ein, um kirchliche Dienste aufrechtzuerhalten: „Selbstverständlich hilft man aus, wenn Not am Mann ist.“ Ohnehin habe für ihn stets gegolten, die Kirche als Ort der Begegnung zu stärken.
Große, mit seinem Namen verbundene Feste bleiben in Erinnerung, die er stets mit beispielhafter Würde zelebrierte. Ein besonderer Tag war etwa die feierliche Glockenweihe in der Jakobskirche im Sommer 2023. Auch die Jahrestage der Schlacht am Magdalenenberg bereicherte Bibinger durch eindrucksvolle, von tiefem Wissen geprägte Ansprachen.
Die vielen persönlichen Begegnungen in Wasserburg werden ihm ebenfalls unvergessen bleiben, so auch bewegende Besuche bei Sterbenden im Romed-Klinikum. Am Herzen liegt ihm, allen zu danken, die ihm in den vergangenen Jahren zur Seite standen. „Was kann ich schon allein machen?“, fragt er. Und gibt die prompte Antwort: „Gar nichts.“