Fast 100 Jahre Gemeindedienst gehen zu Ende

von Redaktion

Mit der Verabschiedung von Helmut Stadler, Hilde Warmedinger und Simon Strell endet in Amerang eine Ära

Amerang – Zusammengerechnet brachten es Hilde Warmedinger, Simon Strell und Helmut Stadler auf beinahe ein Jahrhundert im Dienst der Gemeinde. In einer Feierstunde wurden die drei Verwaltungsmitarbeiter nun in den Ruhestand verabschiedet.

„Fangen wir mit der an, die am längsten dabei war“, sagte Bürgermeister Konrad Linner in seiner launigen Würdigung für Hilde Warmedinger. Eigentlich habe sie mit Kindern arbeiten wollen. Doch dann habe das Arbeitsamt ihr ein anderes Angebot gemacht. „Und weil Hilde Pragmatikerin ist und das Ganze auch noch im Heimatdorf stattfand, fing sie 1979 als Aushilfe bei der Gemeinde an. Bald wechselte sie ins Steueramt und dort blieb sie 46 Jahre lang.“ Ein Schlüsselposten für jede Kommune, schließlich sei durch ihre Bescheide der „bescheidene Wohlstand“ der Gemeinde gesichert worden, merkte Linner augenzwinkernd an. Drei Bürgermeister habe sie ausgehalten.

„Hilde war
immer da“

Souverän, ohne Aufhebens um die eigene Person, habe sie nicht einfach nur ihren Job gemacht. Sie sei Teil der Mannschaft gewesen. „Wenn in der Kasse Not an der Frau war – Hilde war da. Wenn vor Wahlen wieder einmal Briefwahlunterlagen einzutüten waren – Hilde war da. Und immer galt ihr Motto: Mitdenken ist erlaubt.“ Sachlich und ruhig sei sie auch bei fordernden Persönlichkeiten und bei Herausforderungen wie der Grundsteuerreform geblieben. Sie habe ausgeharrt, bis die Reform weitgehend umgesetzt gewesen sei. Es sei Gold wert gewesen, dass Hilde fast jedes Haus und seine Besitzer kenne. Nicht selten habe man aus ihrem Büro gehört: „Des kon doch ned stimma!“, so der Bürgermeister. Und neben ihrer Kompetenz würden ganz besonders ihre selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen fehlen, mit denen sie jedes Jahr die stressige Vorweihnachtszeit versüßt habe.

Simon Strell hat sich nach eigenem Bekunden die Entscheidung, sich als Bauhofvorarbeiter zu bewerben, nicht leicht gemacht. Genauso ernsthaft habe er, laut Konrad Linner, seither jede Aufgabe angegangen. Die Wahl sei damals auf ihn gefallen, weil er als junger Kommandant der Feuerwehr schon bewiesen hatte, dass er organisieren kann. Und vor allem: Dass er einen Haufen Mannsbilder zu einer Mannschaft formen konnte. Mit gutem Beispiel voran, verstehe er, zu überzeugen. Aus den „drei Zwiedern vom Bauhof“ sei so schnell eine schlagkräftige Truppe geworden, lobte der Bürgermeister. Dass es im Bauhof so gut laufe, sei maßgeblich Simmerls Verdienst. Arbeiten seien schnell, engagiert und mit großer Sorgfalt umgesetzt worden.

Die Anforderungen seien dabei stetig gestiegen: Dokumentationspflichten, Vorschriften, Anspruchshaltungen. Dazu Ideen aus dem Gemeinderat – man denke nur an den Bikepark und vieles mehr. Alles müsse nämlich auch gepflegt und erhalten werden. „Simmerl war immer offen für Ideen vom Vordenker Alfred Oberbauer oder vom Ökodenker Helmut Stadler. Ortsbegrünung, Blühwiesen, Ökoflächen – andernorts Thema für Förderprogramme und Schulungen. Unser Bauhof kann das längst“, stellte Linner zufrieden fest. Strells Leitlinie sei einmal treffend überschrieben mit: „Schöner Wohnen in Amerang“. Ganz in den Ruhestand verabschiedet sich der langjährige Bauhofchef jedoch nicht. Der Wertstoffhof wird sein Austragsstüberl.

Gemeindeentwicklungs-Nerd, Planungsfetischist, hyperaktiver Verwaltungsoptimierer – alles liebevoll gemeint – Helmut Stadler hinterlässt in Amerang Spuren, die bleiben. „Höchste fachliche Qualifikation traf auf enormes Engagement“, bescheinigte Bürgermeister Konrad Linner seinem langjährigen Geschäftsleiter, der zu Beginn seiner Amtszeit auch noch Bauamtsleiter und Kämmerer in Personalunion war. Sein Anspruch: Ein Geschäftsleiter muss alles wissen, alles können, für alles zuständig sein – und wirtschaftlich denken. Stadlers Gedächtnis war legendär, seine Excel-Tabellen ebenso, ist aus Verwaltungskreisen zu hören. „Eine Erschließungsbeitragsberechnung mit zehn verknüpften Tabellen? Für ihn Alltag. Für andere, erklärungsbedürftig“, stellte Linner schmunzelnd fest.

Gemeinde
vielfältig geprägt

Vom Ökokonto über Gewerbe- und Industriegebiet bis hin zum Rathaus in heutiger Form – vieles trägt die Handschrift Stadlers. Ebenso die Professionalität der Verwaltung und die Qualität der Gremiumsarbeit. „Die Entwicklung von einer der am stärksten verschuldeten Gemeinden im Landkreis hin zu unserem ‚bescheidenen Wohlstand‘ ist kein Zufall. Wir haben nicht nur gespart – wir haben investiert. Und das braucht eine aktive, mutige Verwaltung“, hob der Bürgermeister hervor. „Helmut, herzlichen Dank für 20 Jahre große Verdienste um unsere Gemeinde.“ Mit Hilde Warmedinger, Simon Strell und Helmut Stadler gingen fast 100 Jahre Gemeindedienst zu Ende. Drei Persönlichkeiten, drei Handschriften – und eine beeindruckende gemeinsame Leistung.“

Artikel 1 von 11