Typisierungssets gibt’s jetzt im Bürgerbüro

von Redaktion

Bei Leukämie ist eine Stammzellenspende oft die einzige Heilungschance. Um mehr Menschen für eine Registrierung zu gewinnen, bietet das Bürgerbüro in Wasserburg ab sofort Typisierungssets an. Mit nur einem Abstrich kann so möglicherweise ein Leben gerettet werden. Ein Verein unterstützt die Idee.

Wasserburg – Milena General ist bei der Stadt tätig und hatte die Idee, die Typisierungssets künftig standardmäßig für alle Menschen in und um Wasserburg im Bürgerbüro anzubieten. Im Einwohnermeldeamt werden die Leute bereits auf einen Organspendeausweis angesprochen und beraten. Da sind Typisierungssets eine gute Ergänzung.

Unterstützung für Verein
„24h gegen Krebs“

Die Neuerung im Bürgerbüro, die von Milena General in die Wege geleitet wurde, passt zur Intuition des Vereins „24h gegen Krebs“. Initiatorin Milena General ist die Stieftochter von Florian Grüner, der den Verein vor rund einem Jahr ins Leben gerufen hat, und steht selbst als Mitglied in engem Kontakt mit dem Verein. Mittlerweile gibt es 17 aktive und 38 Fördermitglieder. Der Verein ist rasant gewachsen und verfügt über ein enormes Netzwerk.

Der gemeinnützige Verein engagiert sich mit Benefizaktionen, Aufklärungsarbeit und Projekten für Krebsbetroffene und kümmert sich federführend um zahlreiche Typisierungsaktionen im Landkreis. Die nächste Veranstaltung wird als „Ruder-Challenge“ in Brannenburg und Bad Tölz am Samstag, 7. März, über die Bühne gehen.

Außerdem gibt es die Bürgermeister-Challenges auf Initiative des Pruttinger Gemeindeoberhaupts Johannes Thusbaß, unter anderem, um die an Leukämie erkrankte Anne Willkommen aus Kolbermoor, ebenfalls Vereinsmitglied, zu unterstützen.

Im Gemeindegebiet Prutting fand im vergangenen Jahr auch die „24h-Wanderung gegen Krebs“ statt. Langfristig plant Florian Grüner, diese Aktion wieder wie beim allerersten Mal in seiner Heimatstadt Wasserburg zu organisieren.

Grüner würde sich wünschen, dass über die Typisierungsaktion im Bürgerbüro auch andere Gemeinden in der Region aufmerksam werden und so ähnliche Angebote geschaffen werden, um Menschen zur Typisierung zu bewegen.

„Je jünger, desto besser die Spenderqualitäten, und umso wichtiger ist der Spender für die Datenbank“, betont er. „Für die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) dürfen nur Menschen bis 45 typisiert werden, für die DKMS bis 55, und ab 60 Jahren fällt man ohnehin durchs Raster. Daher ist es für uns von Bedeutung, die Jüngeren zu erreichen.“ Registrieren können sich gesunde Menschen ab 18 Jahren.

Maßgebend für alle, die schon typisiert sind: Sie leisten einen bedeutenden Beitrag, wenn sie ihre Kontaktdaten regelmäßig überprüfen, aktualisieren und korrekt bei der jeweiligen Datenbank hinterlegen. So kann der- oder diejenige im Falle des Falles schnell gefunden werden.

Eine Registrierung verpflichtet übrigens zu nichts. Selbst, wenn man später als Spender infrage kommt, kann man jederzeit ohne Nachteile ablehnen.

Bei Leukämie und weiteren Erkrankungen des blutbildenden Systems ist eine Stammzellenspende oft die einzige Heilungschance. Entscheidend ist dabei eine passende Gewebemerkmal-Übereinstimmung, es muss sozusagen der „genetische Zwilling“ gefunden werden.

Die Chance, Stammzellenspender zu werden, liegt gerade mal bei einem Prozent. Deshalb ist es bedeutsam, eine hohe Anzahl von Knochenmark- und Stammzellenspendern zu registrieren. Alle Daten – auch, wenn eine Typisierung über einen anderen Anbieter gemacht wurde – werden in einer weltweiten Spenderdatei zusammengeführt.

Falls es zu einem Treffer kommt, wird zu 80 bis 90 Prozent eine periphere Blutstammzellenspende (Blutwäsche) vorgenommen. Das erfolgt ähnlich einer normalen Blutspende, nur etwas aufwendiger und länger. In den restlichen zehn bis 20 Prozent der Fälle erfolgt eine Entnahme aus dem Beckenkamm (Hüfte) unter Vollnarkose. Wichtig: Es handelt sich dabei um eine OP am Knochenmark und nicht am Rückenmark. Der oft verbreitete Irrglaube, Komplikationen wie eine Querschnittslähmung davontragen zu können, ist vollkommen unbegründet.

Typisierung
im Bürgerbüro: So geht‘s!

Für Bürgermeister Michael Kölbl ist die Aktion ein Gewinn: „Es ist wirklich ganz einfach für Sie: Kommen Sie zu uns ins Bürgerbüro, holen Sie sich das Set. Ein Wangenabstrich genügt, und schon können Sie Leben retten.“

Am Empfang erhalten die Bürger das Typisierungsset und bekommen das Vorgehen kurz erklärt. Es folgt die Registrierung persönlicher Daten über einen QR-Code. Der Wangenabstrich wird entweder am Empfang oder in einem separaten Raum durchgeführt. Anschließend wird das Set verpackt und an die Mitarbeiter im Bürgerbüro übergeben. Die Stadt Wasserburg verschickt die Sets gesammelt an AKB. Wer nicht persönlich kommen kann, hat die Möglichkeit, sich ein Set auf der AKB-Website zu bestellen und sich von zu Hause aus zu registrieren.

Das Bürgerbüro befindet sich im Rathaus und ist über den Eingang in der Herrengasse erreichbar. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr, Montag- und Dienstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr und am Donnerstagnachmittag bis 17 Uhr.

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