Haag – Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl läutet in Haag eine neue Ära ein. Die Aufbruchsstimmung, die in den vergangenen Wochen die Bürger sogar auf die Straßen brachte, entlud sich in einer deutlichen Mehrheit für Dr. Florian Haas. Dieser erhob das Motto „Gemeinsam“ zum „Leitstern“ für die nächsten sechs Jahre.
Den Paukenschlag brachte das erste Ergebnis 20 Minuten nach Auszählungsbeginn: 63,7 Prozent für Haas, 36,3 Prozent für Sissi Schätz. Um 19.10 Uhr stand dann das Endergebnis mit 65,4 Prozent für Haas und 34,6 Prozent für Schätz fest. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,8 Prozent.
„Eine Veränderung war notwendig“
Die Zahl der Bürger, die in der alten Turnhalle am Marktplatz die Auszählung verfolgten, war überschaubar. Angenehme Wärme und Siegesstimmung füllten dagegen den „Hofgarten“, den Hausherr Ludwig Schletter der CSU, PWG, den Grünen und FWG als Domizil für eine Wahlparty zur Verfügung stellte. „Nach zwölf Jahren war eine Veränderung nötig“, so Schletter.
Für die Gemeinde sei es gut, dass einmal wieder andere Schwerpunkte gesetzt würden. Der Weg sei nun endlich auch frei für die Öffnung des „Hofgartens“, zeigte er sich überzeugt.
CSU-Chef Stefan Högenauer sprach von einem „überwältigenden Ergebnis“, das sehr deutlich zeige, dass die Haager einen Neuanfang wollen würden. Jetzt zähle, der Blick nach vorne. Glücklich sei er persönlich, so Högenauer, dass die Wähler „erreicht“ worden seien. Die CSU werde Dr. Florian Haas bei allen anstehenden Aufgaben unterstützen. Fraktionssprecher Klaus Breitreiner stellte fest: „Eine Mehrheit von fast zwei Dritteln belegt, dass wir mit dem Kandidaten und den Inhalten richtig lagen.“
CSU-Senior Horst Berchtold sah seine Meinung bestätigt, dass die Gemeinde „nicht mit dem Gesetzbuch unter dem Arm“ regiert werden solle, sondern „in offener Kommunikation mit dem Bürger“.
Hermann Jäger von der PWG bemerkte: „Wir sind wirklich von der Deutlichkeit dieses Ergebnisses überrascht.“ Fest stehe nun aber auch, dass es sehr viel zu tun gebe. „Wir freuen uns“, so Christine Sax von den Grünen. Nun heiße es: „Wir wollen diese Stimmung in die nächsten sechs Jahre mitnehmen.“ Egon Barlag von den Freien Wählern dankte Haas, dass er das Risiko auf sich genommen habe, ohne eigene Partei im Rücken zu kandidieren. Nun sei das anzupacken, „was bisher liegen geblieben ist“.
Ein erstes Resümee fasste schließlich Wahlsieger Haas mit Blick auf die Haager Bürger: „Mich freut die viel höhere Wahlbeteiligung als beim letzten Mal. Das zeigt, wir konnten die Leute erreichen und wieder stärker für Haag interessieren.“ Das hohe Wahlergebnis stufte er aber auch als Verpflichtung ein. Ab Tag eins gelte es, das „zum Nutzen von Haag“ umzusetzen, „was wir im Wahlkampf gesagt haben“. Und abschließend: „Ich freue mich auf die Aufgabe.“
Sissi Schätz übermittelte auf Nachfrage am Montagnachmittag eine erste Stellungnahme: „Ich bin über das Ergebnis der Bürgermeisterwahl natürlich sehr enttäuscht. Gleichzeitig respektiere ich selbstverständlich die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler. Mein besonderer Dank gilt allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die mich im Wahlkampf so engagiert begleitet haben. Die große Unterstützung, die ich in den vergangenen Wochen erfahren durfte, bedeutet mir sehr viel – mehr hätte ich mir wirklich nicht wünschen können.“
Sissi Schätz als
faire Verliererin
Auch das Ergebnis bei der Gemeinderatswahl zeige, „dass unsere Arbeit und unsere Themen weiterhin Rückhalt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern haben. Das freut mich trotz der persönlichen Enttäuschung sehr. Ich durfte viele Jahre Verantwortung für unsere Gemeinde übernehmen und mich mit voller Kraft für ihre Entwicklung einsetzen. Für diese Zeit und die vielen Begegnungen mit den Menschen bin ich sehr dankbar“, so die scheidende Bürgermeisterin. „Der neu gewählten Führung wünsche ich für die kommenden Aufgaben alles Gute und stets Entscheidungen im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde.“ Als SPD- und Fraktionsvorsitzende liege es ihr am Herzen, zu ergänzen: „Ich hätte mir gewünscht, dass auch unsere jungen Kandidatinnen und Kandidaten in den Gemeinderat eingezogen wären. Gerade junge Menschen bringen wichtige Perspektiven und neue Ideen in die Kommunalpolitik ein.“
Pfarrer Pawel Idkowiak spendierte zur Wahlfeier eine Flasche Wodka und stieß auf den neuen Bürgermeister und die Zusammenarbeit mit der Kirche an. Dann verfolgten die Gäste einer außerordentlichen Wahlparty die weiteren Ergebnisse aus Kommune und Landkreis.