Wahlkrimi zwischen SPD und Grünen

von Redaktion

Wenig Bewegung im Stadtrat – Linke legt zu – Acht fehlende Stimmen kosten Grüne Sitz

Wasserburg – Die großen Veränderungen bleiben in Wasserburg am Tag der Kommunalwahl aus – bis auf natürlich die, die ohnehin schon klar war: Das Ende der Ära Michael Kölbl. Mit 72,8 Prozent der Stimmen entschieden sich die Wasserburger eindeutig für Bastian Wernthaler, Kandidat der Grünen, CSU, Bürgerforum und SPD, als Nachfolger.

Beim Stadtrat selbst ist aber in diesem Jahr wenig Bewegung drin. Gewinner der Wahl, neben Wernthaler: Die Linke. Mit 7,7 Prozent der Stimmen, einem Plus von 3,1 Prozent im Vergleich zu 2020, konnte die Partei gleich zwei Sitze für den Stadtrat einfahren. Sophia Jokisch und Milan Matijevic, der auch als Bürgermeister kandidiert hatte, werden die Linken nun im Stadtrat vertreten.

Die Freude ist entsprechend groß. Vorsitzende Jokisch spricht von Euphorie bei den Linken. „Ich denke, wir haben einen kurzen, aber wirksamen Wahlkampf hingelegt“, so Jokisch. Zwar gebe es einige Stadtteile, die die Linken gerne besser erreicht hätten. „Gerade dort, wo viele im sozialen Bereich tätig sind, hätten wir uns mehr erwartet“, so Jokisch. Insgesamt hätten sich „die Ergebnisse aber deutlich verbessert.“ 2020 hatten die Linken noch einen Sitz für sich gewinnen können. Christian Peiker war allerdings unter der Legislaturperiode zur SPD gewechselt. Mit dieser Partei hat es für Peiker allerdings nicht gereicht, er landete auf Platz fünf und ist damit erster Nachrücker bei den Sozialdemokratien.

SPD trotz
Verlusten zufrieden

Diese waren ohnehin die Verlierer des Abends. Ein Minus von 8,8 Prozent verzeichnete die SPD und konnte damit nur noch vier Sitze für sich gewinnen. 2020 waren es noch fünf, wobei einer auf Bürgermeister Michael Kölbl entfiel. Zählt man Peiker hinzu, hatte die SPD zwischenzeitlich allerdings sogar sechs Sitze im Stadtrat. Mit den vier Plätzen zeigt sich Ortsvorsitzende Friederike Kayser-Büker aber trotzdem zufrieden. „Die Stimmung ist gut“, sagt sie, trotz der Verluste. Es sei klar gewesen, dass durch die Ankündigung Kölbls, nicht mehr antreten zu wollen, mit einem Stimmenverlust zu rechnen sei. Das Ziel sei daher gewesen, mit vier Sitzen in den Stadtrat einzuziehen, „und das haben wir erreicht“, so Kayser-Büker. Enttäuscht sei sie allerdings von der niedrigen Wahlbeteiligung von nur 54,7 Prozent. „Ich denke, da müssen wir uns noch einmal zusammensetzen und analysieren, woran das liegt.“ Vertreten wird die SPD mit Werner Gartner, Irene Blüml, Wolfgang Janeczka und Dr. Martin Heindl von altbekannten Gesichtern.

Umso bitterer ist dieses Ergebnis für die Grünen, denn lange Zeit bis kurz nach 23 Uhr sah es so aus, als könnten sie diesen vierten Sitz für sich beanspruchen. „Aber dann kam der Schwung an Briefwahlunterlagen, und da waren wir leider raus“, sagt eine etwas enttäuschte Vorsitzende Steffi König. Am Ende war die Entscheidung hauchdünn, nur acht Stimmen liegen zwischen SPD (Gesamtzahl: 17.036, 15,1 Prozent) und Grüne (17.028, 15,1 Prozent). Am Ende waren es aber diese acht Stimmen, die dafür sorgten, dass die Grünen einen Sitz verlieren. Statt vier sind es in der kommenden Periode damit nur noch drei Sitze. Als „enttäuschend“ bezeichnet dies König.

Dennoch sei genügend Grund zur Freude da, zum einen, weil die Wahl für Bürgermeisterkandidat Wernthaler so deutlich ausgegangen sei „und wir sind sehr froh, dass wir unseren Fraktionsstatus behalten konnten“. Besetzt werden die Sitze von den erfahrenen Stadträten Christian Stadler, Steffi König und Monika Barthold-Rieger. Eine wahre Aufholjagd lieferte sich zudem Hannes Kreissl. Er schaffte es von Listenplatz 18 auf Rang vier und damit auf den ersten Nachrücker-Platz zu springen.

Bürgerforum
als Gewinner des Abends

Weiterer Gewinner des Abends, neben Linken und Wernthaler, war das Bürgerforum. Mit 15,4 Prozent, einem Plus von drei Prozentpunkten, konnte die Partei nach der CSU (25,1 Prozent) die meisten Stimmen für sich gewinnen und erhält damit einen Sitz mehr. Vertreten wird das Bürgerforum damit wie bisher von Edith Stürmlinger, Norbert Buortesch und Markus Dresp, neu hinzugekommen ist Lisa Stürmlinger als Vorsitzende. Mit ihrem Einzug habe sie selbst nicht gerechnet, gab Lisa Stürmlinger auf Anfrage zu. Das Ziel des Bürgerforums sei es gewesen, wieder drei Sitze zu erhalten. „Wir sind ganz euphorisch, dass es jetzt noch mehr wurden.“

Im Wahlkampf habe man „auf die Jungen“ gesetzt und das habe sich ausgezahlt. „Ich denke, man konnte auch einfach merken, dass wir Spaß an der Sache haben.“ Damit ist die Familie Stürmlinger nun mit drei Personen im Stadtrat vertreten – Bastian Wernthaler ist mit einer geborenen Stürmlinger verheiratet. Spekulationen über mögliche Reibereien oder Ähnliches erteilt Lisa Stürmlinger aber eine Absage. „Ich denke, wir bekommen das als Familie hin.“

CSU, Wasserburger Block und Freie Wähler

Wenig Veränderung gibt es unterdessen bei der CSU. Diese ist wie bislang mit sechs Sitzen vertreten und damit stärkste Kraft im Stadtrat. Einziehen werden Georg Machl, Heike Maas, Wolfgang Schmid und Jakob Schedel, der erst vor ein paar Wochen für den plötzlich verstorbenen Markus Bauer nachgerückt ist. Neu dabei sind Willy Atzenberger und Simone Huber.

Auch die Freien Wähler Reithmehring-Wasserburg sind wie bisher mit zwei Personen vertreten. Josef Baumann wurde wiedergewählt, mit Ursula Budenhofer-Winkler wechselt der Stadtratsplatz aber familienintern von männlicher in weibliche Hand. Hermann Budenhofer landete auf dem ersten Nachrücker-Platz.

Auch der Wasserburger Block konnte wieder zwei Sitze für sich gewinnen. Armin Sinzinger ist wieder dabei, der zweite Sitz wandert von Markus Pöhmerer an Sepp Christandl. Bei der ÖDP bleibt, mit einem Sitz besetzt von Christian Flemisch, alles wie gehabt.

Wie die Fraktionsaufteilung des Stadtrates allerdings aussehen wird, wird sich noch zeigen. Trotz des doch sehr gleichgebliebenen Ergebnisses ist aus den politischen Kreisen zu hören, dass einiges in Bewegung ist.

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