Kreistag neu gemischt

von Redaktion

CSU zufrieden – Unabhängige enttäuscht – Mehrheiten ohne AfD

Mühldorf – Bei Redaktionsschluss am vergangenen Montag stand das Endergebnis der Kreistagswahl 2026 im Landkreis Mühldorf noch nicht fest. Zu diesem Zeitpunkt fehlte noch die Auszählung eines einzigen Stimmbezirks aus der Verwaltungsgemeinschaft Polling. Aber 225 von 226 Gebieten hatten bereits geliefert.

Als Sieger mit den meisten Wählerstimmen ging wie schon bei den vergangenen Wahlen die CSU durchs Ziel, mit 39,5 Prozent der Stimmen und 24 Sitzen im künftigen Kreistag. Immerhin ein Sitz mehr als seit 2020. Fraktionsvorsitzender Josef Grundner wollte über dieses Ergebnis nicht jubeln, zeigte sich aber mit der mäßigen Steigerung doch zufrieden: „Gerade in Anbetracht, dass mit der Jungen Liste noch eine neue Gruppierung dazugekommen ist.“

„Das große Ganze
im Blick haben“

Das gute Abschneiden der AfD gibt ihm zu denken: „Die Kommunalwahl ist nicht die richtige Plattform, um einen Denkzettel für die Bundespolitik zu verteilen.“ Im Sinne der Bürger werde seine CSU-Fraktion im Kreistag weiter auf Zusammenarbeit setzen. „Nur miteinand geht’s weiter“, betont Grundner. „Wir müssen das große Ganze im Blick haben und uns an der Mehrheit ausrichten.“

Ganz neu im Kreistag wird die Junge Liste Mühldorf vertreten sein, die mit 3,7 Prozent der Stimmen zwei Sitze im Kreistag erobert hat.

Eine Fraktion hat sich
fast verdoppelt

Enorm dazugewonnen hat die AfD. Sie konnte ihr Ergebnis von 2020 fast verdoppeln, von 7,9 auf jetzt 15,5 Prozent. Ebenso die Anzahl ihrer Sitze: Statt mit fünf Personen sitzt die AfD künftig mit neun Kreisräten im Kreistag. Der Fraktionsvorsitzende Oliver Multusch zeigt sich zufrieden über das „sehr gute Ergebnis“. „Damit haben wir gerade für den Kreistag nicht unmittelbar gerechnet“, stellt er fest. Er habe mit acht Sitzen spekuliert. Das Ergebnis sei kein Grund, „besonders stolz zu sein“, so Multusch. „Es ist eine Gesamtleistung von uns allen.“

Was die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen im Kreistag angeht, halte er es mit seiner AfD, wie schon bei der Wahl 2020 angekündigt: „Alles, was vernünftig und sinnvoll ist, tragen wir mit. Falls wir mit etwas nicht einverstanden sind, werden wir es kundtun.“ Es gehe um das Beste für die Leute und nicht um Fundamentalopposition. „Wir sitzen alle im selben Boot.“

Am stärksten hat bei diesen Kreistagswahlen die UWG verloren. Sie muss drei ihrer bisher neun Sitze abgeben, ist von 15,2 Prozent im Jahr 2020 auf jetzt 10,4 Prozent gefallen. Markus Saller, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, räumt gegenüber den OVB- Heimatzeitungen ein: „Ich kann die Enttäuschung über dieses Ergebnis nicht verhehlen! Das Minus von 4,8 Prozent tut wahnsinnig weh.“ Erste Erklärung für den Absturz sei die dramatische Halbierung der Waldkraiburger UWG bei der Stadtratswahl.

„Stabile bürgerliche
Mehrheit“ ist möglich

Sallers zweite Erklärung ist, dass die Wähler – darunter viele neu Zugezogene – auf dem Stimmzettel wohl verzweifelt nach den Freien Wählern im Landkreis gesucht hätten. Er kämpfe seit 14 Jahren vergeblich gegen diese Aufspaltung in UWG und WGW und hoffe, dass die Unabhängigen künftig unter einer gemeinsamen Marke als FW antreten werden. „Das hätte es uns leichter gemacht.“ Besonders erschreckt habe ihn der Erfolg der AfD, für die anscheinend viele enttäuschte Wähler ihr Kreuz gemacht haben. Wie er vorrechnet, verfüge aber die bürgerliche Mitte mit CSU, UWG und WGW noch über eine „stabile bürgerliche Mehrheit“ im Kreistag: „Wir können weiterhin ohne die AfD Mehrheiten bilden.“

Ebenfalls zu den Verlierern der Wahl gehören die Grünen, die zwei ihrer bisher acht Sitze räumen müssen. Zehn Prozent der Stimmen konnten sie holen, ein Minus von 2,9 Prozent. „Wir haben alles gegeben, haben engagiert gearbeitet“, äußert sich Lena Koch zum mauen Ergebnis. „Ich kann nicht beurteilen, woran es liegt.“

„Keine gute Entscheidung
der Wähler“

Sie könne nur mutmaßen: „Möglich, dass die Wähler ihre Enttäuschung über die Bundes-Ampel auf die Landkreis-Grünen heruntergebrochen haben.“ Die vielen Stimmen für die AfD nennt sie ein „schreckliches Zeichen“ und „keine gute Entscheidung der Wähler“.

Die Linke verteidigt ihre 1,5 Prozent und ihren einen Sitz. Zwar 0,5 Prozent der Stimmen verloren, aber ihre fünf Sitze behalten hat die SPD. Die ÖDP verliert 0,9 Prozent, behauptet aber ihre zwei Kreistagssitze. Die WGW verliert einen Sitz, von fünf auf vier; die FDP halbiert sich von zwei auf einen Sitz.

Und wie bewertet der mit 61,3 Prozent wiedergewählte Landrat Max Heimerl (CSU) den Ausgang der Kreistagswahl? „Als Demokrat ist jedes Ergebnis der Wahlen zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen“, so Heimerl auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Ich gehe davon aus, dass wir den sachorientierten Weg der vergangenen Jahre im Kreistag fortsetzen können und uns um die Themen kümmern, die uns durch die Landkreisordnung vorgegeben sind und die für die Entwicklung unseres Landkreises wichtig sind.“

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