Noch einmal ist der Kreistag des Landkreises Mühldorf um eine neue Gruppierung bunter geworden. Statt neun sind in den nächsten sechs Jahren zehn Parteien und Gruppierungen vertreten – ein Rekord, so viele waren es noch nie. Neu im Kreistag ist die Junge Liste Mühldorf, die sich bei ihrem ersten Antreten aus dem Stand zwei Sitze im Kreistag sichern konnte. Sie gehört zu den wenigen Gewinnern der Kreistagswahl 2026. Denn nur drei Parteien konnten mehr Stimmen holen als bei der Wahl 2020, sieben mussten dagegen Federn lassen.
Über leichte Zugewinne darf sich nach zwei verlustreichen Kommunalwahlen endlich wieder die CSU freuen. Sie konnte ihr Ergebnis auf 39,5 Prozent und um einen auf 24 Kreistagssitze steigern. Woran Dr. Marcel Huber, der von Listenplatz 60 auf die 2 vorgewählt wurde, und natürlich das starke Ergebnis des wiedergewählten Landrats Max Heimerl auf Platz 1 der CSU-Liste großen Anteil haben.
Als zweitstärkste Fraktion zieht die AfD in den neuen Kreistag ein. Sie hat ihr Ergebnis von 7,9 Prozent aus der Wahl 2020 dieses Mal beinahe verdoppelt auf 15,5 Prozent. Sie wird statt bisher fünf die nächsten sechs Jahre neun Sitze innehaben. Auch hier zahlte das Ergebnis von Landratskandidat Oliver Multusch auf das erstmals zweistellige Gesamtergebnis ein. Egal, ob es sich bei ihrem Klientel um Protestwähler handelt oder um solche, die sich von den anderen Parteien nicht gesehen fühlen: Die politische Basis der AfD hat sich sichtlich verbreitert.
Alle anderen Parteien – Grüne, SPD, UWG, WGW, ÖDP, FDP, Die Linke – mussten zum Teil herbe Verluste einstecken. SPD, ÖDP und Linke haben zwar jeweils einen Hauch an Stimmen eingebüßt, konnten aber die Anzahl ihrer Sitze verteidigen. Besonders die Grünen (-2) sowie UWG (-3), WGW (-1) und FDP (-1) verlieren Mandate im Kreisgremium. Sie alle zusammen vereinen immerhin 27 Sitze auf sich.
Wie sich die Entscheidung der Wähler auf die Zusammenarbeit in der Landkreispolitik auswirken wird, bleibt abzuwarten. Bisher wurde der Landkreis Mühldorf nicht mit parteipolitisch getriebener Aufgeregtheit regiert. Die AfD ist bei Abstimmungen im Kreistag nicht als Totalverweigerer aufgefallen. Die Stimmen der ausgedünnten Unabhängigen werden zwar fehlen. Insgesamt sollte es aber mit der neuen Besetzung des Kreistags nicht an Zusammenarbeit und einer demokratischen Mehrheit im Sinne der Landkreisbürger fehlen.