Ampfing – Es ist Tradition im Rahmen der zweitägigen Frühjahrsausstellung bei Gruber Landtechnik in Ampfing, dass ein prominenter Ehrengast zu aktuellen agrarpolitischen Fragen Stellung nimmt. In diesem Jahr war es der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner. Ihm war die Aufmerksamkeit des Publikums in der großen Werkstatthalle sicher.
Der Bauernpräsident wurde auf dem Firmengelände von Firmeninhaber Thomas Gruber und seiner Gattin Theresa sowie von Prokurist Siegfried Höpfinger und politischer Prominenz aus dem Landkreis in Empfang genommen.
Zwar entschuldigte sich der BBV-Präsident am Ende seiner Rede schmunzelnd dafür, dass er die eigentlich vereinbarte Redezeit deutlich überzogen hatte. Die Zuhörer störte das offensichtlich nicht: Die Themenvielfalt, die Felßner angesprochen hatte, konnte überzeugen, immer wieder gab es Zwischenapplaus.
Was wäre Bayern
ohne seine Bauern?
Unter dem Thema „Perspektiven für die Landwirtschaft in Bayern, Deutschland und Europa“ begann der BBV-Präsident seine Ausführungen im Freistaat. Er stellte die Frage in den Raum: „Was wäre Bayern ohne seine bäuerlichen Betriebe?“
Die Bedeutung der Landwirtschaft in Bayern gehe weit hinaus über eine sichere Lebensmittelversorgung. „Das reicht von der gepflegten Kulturlandschaft bis hin zu der Bedeutung für die gesellschaftliche Stabilität“, so Felßner. Diese Leistung habe seiner Überzeugung nach deutlich mehr Wertschätzung verdient. „Bauern sind mit ihren Leistungen ein stabilisierender Faktor“, betonte er. Dies müsse auch die Politik anerkennen.
In diesem Zusammenhang ging Günther Felßner auch auf die Diskussionen um das umstrittene Mercosur-Handelsabkommen der Europäischen Union mit Ländern in Südamerika ein. „Wir Bauern sind uns durchaus im Klaren darüber, dass dieses Abkommen für unser Land wichtig ist, denn es kann uns unabhängiger machen von Staaten wie China oder den USA. Viele Menschen aus der Landwirtschaft, die ihre Betriebe im Nebenerwerb bewirtschaften, sind in Unternehmen tätig, die auf sichere und verlässliche Exportmärkte angewiesen sind.“
Klar sein müsse aber ebenso: „Auch wenn das Mercosur-Abkommen wichtig ist, darf es nicht auf dem Rücken der Landwirte in Kraft treten.“ Faire Marktchancen seien unabdingbar – und zwar für beide Seiten.
Günther Felßner gab zu bedenken, dass nach aktuellen Berechnungen die Weltbevölkerung auf eine Zahl von rund zehn Milliarden Menschen zusteuere: „Diese Menschen müssen ernährt werden, sie brauchen sauberes Wasser und eine gesunde Umwelt – dazu braucht es eine leistungsfähige Landwirtschaft.“ Auch die Herausforderung durch den Klimawandel sei ohne die Landwirtschaft nicht zu bewältigen, wenn Wohlstand bewahrt und gleichzeitig Umwelt und Klima geschützt werden sollen.
Aktuell gehe es auch darum, in unsicheren Zeiten die Ernährung sicherzustellen. Es sei heute leider nicht mehr ratsam, sich zu sehr auf andere Länder zu verlassen, es gäbe viele Unsicherheiten in Lieferketten. Russland, China und auch die USA seien Beispiele dafür.
Es müsse auch anerkannt werden, dass man einen Schwerpunkt auf die Sicherheit und damit auch auf die Verteidigung legen müsse: „Aber es reicht nicht, nur auf die Zahl von Panzern und Drohnen zu schauen, wenn es keine sichere Selbstversorgung mit Lebensmitteln mehr gibt“, plädierte Felßner energisch und er bezeichnete die Bauern in diesem Zusammenhang als „Soldaten des Friedens“.
In Sachen „Natur- und Umweltschutz“ sprach der BBV-Präsident von einem „neuen Denken“, das notwendig sei. Die Landwirtschaft sei ein sinnvolles Kreislaufsystem, die Extensivierung sei „von gestern“, nötig sei eine „nachhaltige Intensivierung“. Das sei aber offensichtlich noch nicht überall bekannt: „Leider sind wir noch nicht mit allen Köpfen in der neuen Welt.“
Politik, Gesellschaft und Landwirtschaft bräuchten eine neue, gemeinsame Vision. Dazu gehöre zum Beispiel, dass die Landwirtschaft sowohl in der biologischen als auch in der konventionellen Bewirtschaftung kontinuierlich gute Ernten einfahren müsse. Felßner nannte im Bereich des Umweltschutzes als Beispiel die Bodenversiegelung: „3.000 Quadratmeter Supermarkt und 30.000 Quadratmeter Parkplatz dazu, das geht eigentlich gar nicht mehr, da gibt es bessere Konzepte.“
Der Bauernverband stehe für diesen neuen, gemeinsamen Weg, so Felßner. Die landwirtschaftliche Berufsvertretung sehe sich als „Ideen- und Denkfabrik“ mit einem wichtigen Ziel: „Wir wollen Mut machen und Lust auf die Zukunft.“
Nach dem langen Schlussapplaus gab es von Siegfried Höpfinger, Prokurist von Gruber Landtechnik, ein Gastgeschenk und viel Lob für den Referenten.
Noch zwei weitere Höhepunkte gab es im Programm: Firmeninhaber Thomas Gruber überreichte eine Spende von 6.400 Euro für einen guten Zweck. In diesem Jahr war dies die Initiative „Salem International“, die auf Basis christlich-humanitärer Werte weltweit Projekte für die Hilfe zur Selbsthilfe initiiert und begleitet.
Geehrt wurden außerdem drei Auszubildende des Unternehmens, die bei ihren Abschlüssen besonders gute Ergebnisse erzielt hatten.