Rott/Ramerberg – So klar wie die Bürgermeisterwahl für Daniel Wendrock („Bürger für Rott“) ausfiel, so hatte die Aufstellung der Rotter Gemeinderatsmitglieder doch ein paar Überraschungen parat.
Forum und SPD
sind Geschichte
Das Forum war bislang mit zwei Sitzen vertreten, Christoph Sewald vertrat die SPD mit immerhin einem Sitz und zudem in seiner Funktion als Dritter Bürgermeister. Beide Ortsgruppen aber existieren nicht mehr und sind nicht mehr zur Wahl angetreten.
Sewald ist künftig als Mitglied der „Bürger für Rott“ im Rat vertreten. „Ich freue mich sehr, dass mir so viele Rotter das Vertrauen geschenkt haben und ich in meine dritte Amtszeit als Gemeinderat gehen darf“, erklärt Sewald zum Wahlausgang. Was das Wahlergebnis für sein Amt als Dritter Bürgermeister bedeutet, werden Gespräche in den nächsten Tagen und Wochen mit den Kollegen in der eigenen Fraktion sowie mit den anderen Fraktionen zeigen: „Ich bin für alles offen.“
Die Gründe für die Auflösung des SPD-Ortsvereins waren Sewald zufolge die geringe Mitgliederzahl in Verbindung mit einem hohen Durchschnittsalter der Mitglieder. Dies habe es „schwierig“ gemacht, noch eine Vorstandschaft aufzustellen, die mitunter einen Wahlkampf stemmen kann. Daher sei die SPD nicht zur Kommunalwahl angetreten und es kam zu der schweren Entscheidung, den Ortsverein trotz langer Tradition aufzulösen. Sewald ist bewusst, dass diese Entscheidung „nicht populär, aber doch notwendig“ gewesen sei.
„Ich sehe das aber nicht als endgültig an und hoffe, es finden sich in den nächsten Jahren engagierte Mitglieder, die den Ortsverein wieder gründen und ihm neues Leben einhauchen. Die noch vorhandenen Rotter SPD-Mitglieder wechseln zum SPD-Ortsverein Schechen“, erläutert Sewald.
Er hat für sich die logische Konsequenz gezogen, aus der SPD auszutreten und sich ausschließlich den „Bürgern für Rott“ und der Kommunalpolitik zu widmen – unter anderem, weil er mit vielen politischen Entscheidungen der Landes- und Bundes-SPD nicht einverstanden sei. „Ich freue mich sehr, jetzt Teil der größten Fraktion im Rotter Gemeinderat zu sein. In den vergangenen zwölf Jahren haben wir optimal zusammengearbeitet und möchten den Ort auch in Zukunft voranbringen“, sagt er.
Dazu zählen, wie schon in den vergangenen Jahren, der Einsatz für Familien und Senioren, die Ortsentwicklung und der Verkehr. „Insbesondere sind mir die Schaffung eines betreuten Wohnens, eines Ärztehauses und die Ansiedlung eines Discounters mit Drogeriemarkt wichtig. In Meiling haben wir die einmalige Chance, alle drei Themen zu realisieren.“
Die Partei „Bürger für Rott“ musste bei der Wahl mit insgesamt sieben statt wie bislang acht Sitzen nur einen einbüßen. Die CSU indes blieb konstant bei fünf Sitzen.
Die Freien Wähler gewinnen erstmals zwei Sitze hinzu. „Meine Mitstreiter haben immer noch Schmerzen vom Daumendrücken“, sagt Nepomuk Poschenrieder lachend. Die Freien Wähler sind „super glücklich“ mit dem Ergebnis: „Sowohl die Tatsache, dass wir aus dem Stand heraus gleich mit zwei Abgeordneten im Gemeinderat vertreten sind, als auch, dass unser Landratskandidat Sepp Hofer in der Stichwahl gelandet ist, ist hervorragend. Ansonsten sind wir sehr glücklich über das tolle Ergebnis von Wendrock sowohl als Bürgermeisterkandidat als auch als Mitglied des Kreistags.“
Nun freut er sich „narrisch“ darauf, zusammen mit Günther Hein die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien im Rat zu starten. Fürs Erste packen sie die beiden großen Themen, die Petition für den Kreisverkehr sowie den Widerstand gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft, an.
Einen Höhepunkt aus dem fairen Wahlkampf möchte Poschenrieder nicht hinten herunterfallen lassen: Am Wahlstand auf dem Bauernmarkt erhielt er spontan Besuch von einem Namensvetter: Die Familie war mit ihrem kleinen Buben, Nepomuk Poschenrieder, nach Rott gefahren, um sich mit dem Kommunalpolitiker bekannt zu machen: „Da wurde mir richtig warm ums Herz.“
Ebenso wie die Freien Wähler mit zwei Sitzen zieht auch die AfD zum ersten Mal in den Gemeinderat ein – und steht damit im Wasserburger Altlandkreis ziemlich alleine auf weiter Flur. Für Dominic Raps, der gemeinsam mit Johannes Schreyer den Platz einnehmen wird, auf jeden Fall ein Grund zum Feiern: „Ich freue mich riesig, dass die Wahl auf Anhieb so erfolgreich verlief, und bin positiv überrascht, dass wir gleich beim ersten Mal zwei Sitze bekommen.“
In seinem Bezirk in Arbing, in dem er selbst gewählt hat, habe er den Rückhalt deutlich spüren können: „Anscheinend wirke ich auch als Person, mir wurde sehr viel Zustimmung entgegengebracht.“
Mit ihren beiden Stimmen wollen sie nun das Wahlprogramm der AfD umsetzen. Dazu zählen transparente Darstellungen von Ratsentscheidungen und Anliegen in Bürgerversammlungen. Dies sei Raps zufolge nämlich in der Vergangenheit oftmals nicht passiert: „Das möchten wir ändern. Stichwort Kommunikation: Wir müssen die Bürger, die viel mitentscheiden, ernst nehmen und die Hintergedanken verstehen, die sie mit den eingereichten Anträgen hegen. Schließlich ist es ja für die Bürger von Interesse, warum eine Thematik abgelehnt wurde und wie das begründet wird.“ Ein weiterer Punkt, der Raps unter den Nägeln brennt, ist, die in Rott abgeschaffte Mittagsbetreuung wieder einzuführen. „Eine Betreuung vor Ort ist essenziell, um Familien zu unterstützen.“
So erfolgreich der Einzug für die AfD in den Gemeinderat auch war, Michael Maurer musste mit gerade einmal 5,7 Prozent als Bürgermeister-Kandidat eine herbe Niederlage einstecken. Welche Bilanz zieht Raps da für die AfD? „Noch keine“, räumt er ein. Er könne keine Stellungnahme abgeben, da diese Thematik erst geprüft werden müsse.
„Es geht nur
miteinander“
Raps richtet den Blick nach vorn: Eine Zusammenarbeit zwischen den Parteien im Rat zu erwirken, sei ihm wichtig. „Wir sind von den Bürgern direkt gewählt und müssen an einem Strang ziehen – egal, wer welcher Partei angehört. Es geht nur miteinander und nicht gegeneinander. Jeder hat seine eigene Meinung, das ist klar, aber man sollte über alles reden können.“
Auch für Bürgermeister Wendrock, der mit einer deutlichen Mehrheit von knapp 95 Prozent wiedergewählt wurde und damit sein persönliches Bestziel erreicht hat, zählt die Zusammenarbeit mit den einzelnen Ratsmitgliedern. „Die Freien Wähler und die AfD sind neu hinzugekommen – wie die Zusammensetzung wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen und wird sich zeigen. Entscheidend ist, dass am Ende für Rott etwas Gescheites herauskommt.“