Ein letztes Servus für den Ufo

von Redaktion

Josef „Ufo“ Unterforsthuber war eine Institution in Schnaitsee. Trotz schwerer Krankheit war er mit schwarzem Humor immer für Vereine und Menschen im Einsatz. Als Trainer, Theatermacher und freier Mitarbeiter der Zeitung war er für viele ein väterlicher Freund. Nun ist er mit 71 Jahren verstorben.

Schnaitsee – „Ich bin pumperlg‘sund“ hat der „Ufo“ bis zuletzt gern gesagt, auch wenn er sich immer wieder zu Behandlungen ins Krankenhaus begeben musste. Wegen seiner schweren Diabetes sollte zunächst ein Zeh amputiert werden. Am Ende fehlte Josef Unterforsthuber ein Unterschenkel. „Danach hat er zu mir gesagt: Jetzt hab ich fei g‘scheid abgenommen“, erinnert sich sein langjähriger Freund und Weggefährte, Bürgermeister Thomas Schmidinger.

Ein eigenwilliges
Original

Die schwarzhumorige und dabei auch positive Art, mit seiner gesundheitlichen Situation umzugehen, nie verzagt zu sein, die habe Schmidinger stets an „Ufo“ bewundert. „Jetzt schmeißt mir keiner mehr Prügel zwischen die Beine – solche Sachen hat der nach der Amputation gebracht“, sagt Schmidinger wehmütig. Denn jetzt fehlen diese Sprüche eines eigenwilligen Originals. Josef Unterforsthuber ist tot und Schnaitsee steht unter Schock.

Er starb in der Nacht zum Wahlsonntag. Romy Kinzner, die mit ihm seit der Kindheit befreundet und fünf Jahrzehnte gemeinsam mit ihm im Theaterverein engagiert war, fand den Junggesellen am Sonntagmorgen leblos im Bett. Sie wollte ihm Frühstück bringen, hatte sich zuletzt gemeinsam mit weiteren Freunden und den Geschwistern von „Ufo“ um ihn gekümmert, weil es ihm schlecht ging. Seine letzten Tage im Krankenhaus zu verbringen, darauf hatte er wohl keine Lust. „Vergangene Woche hat er sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen, entgegen ärztlichem Rat“, berichtet Schmidinger. Er und auch die Ärzte konnten ihn nicht überzeugen, zu bleiben. „Ich musste ihn abholen, er wär sonst zwider geworden, schließlich sei er ja pumperlg‘sund“, berichtet Schmidinger, der seinen alten Freund schmerzlich vermisst.

Die beiden kannten sich, seit sie Kinder beziehungsweise Jugendliche waren. Ufo war einige Jahre älter und fungierte als Fußballtrainer der Burschen-Mannschaft. „Väterlicher Freund, Trainer, Psychologe: Das war er für uns. Wir konnten mit all unseren Problemen zu ihm kommen“, lässt der Bürgermeister an seinen Erinnerungen teilhaben. „Es ist ein Glück, so etwas zu haben. So eine Freundschaft zu erleben, ist nicht jedem gegönnt“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

Von der Fußballjugend
zur Bierzeltjugend

Als damalige A-Jugend-Mannschaft gewannen Schmidinger und seine Kumpels eine Meisterschaft. „Den Titel haben wir natürlich gebührend gefeiert, in den Bierzelten der Umgebung. Da sagte uns mal einer: Ihr seid ja keine Fußballjugend, sondern eine Bierzeltjugend.“ So entstand die Abkürzung BZJ, unter der die Gruppe von damals noch heute bekannt und miteinander befreundet ist. Und „Ufo“ war ein Teil davon. „Er hielt den Haufen zam.“ Josef Unterforsthuber organisierte auch Zeltlager und Ausflüge. „Wir alle waren wie eine Familie“, so Schmidinger.

An einen legendären Spontan-Trip erinnert sich auch Erik Löffelmann, der heutige TSV-Vorstand. „Der Ufo hatte einen uralten VW-Bus, keine Ahnung, wie der durch den TÜV gekommen ist. Wir waren C-Jugend und er nahm uns mit zum Gardasee in ein Trainingslager“, erzählt der 29-jährige Vorsitzende.

„Wir durften da zum ersten Mal wegfahren. Dass es ein miserabler Fußballplatz war, war uns wurscht“, lacht Löffelmann. Im TSV, wo Ufo viele Funktionen innehatte – vom Trainer bis zum Sportheim-Wirt – seien zahlreiche Generationen an Fußballern von ihm begleitet worden. Den Verein habe er stets mit seinen Ideen, manchmal eigenwilligen, geprägt.

Der TSV sei zutiefst erschüttert von der Nachricht seines Todes. Dass Unterforsthuber nun das 100-jährige Jubiläum, das der Verein im Sommer begeht, nicht miterleben könne, sei sehr traurig. „Aber er wirkt weiter.“ Denn das Team Festschrift, das sich um die Chronik kümmere, sei durch die vielen Berichte, Fotos und Aufzeichnungen, die Ufo aus seinem Archiv zugesteuert hat, top ausgestattet worden.

Bei den Theaterern
nicht wegzudenken

Auch der langjährige Theater-Weggefährte Thomas Schachner arbeitet an der TSV-Festschrift mit. „In den vergangenen 50 Jahren gab es kein Thema, an dem der Ufo nicht beteiligt war.“ Und auch bei den Theaterern war er seit fünf Jahrzehnten nicht wegzudenken. Die Ehrung erfolgte im Vorjahr bei der Premiere des Stücks „Der Glockenkrieg“. Diese Würdigung sei ihm wichtig gewesen, auch wenn das Urgestein ansonsten nicht im Mittelpunkt stehen habe wollen.

Geschauspielert hat er auch, doch seine Leidenschaft sei die Regie gewesen. Hier hat er sich seit 2002 engagiert. „Eine Hauptrolle hatte er nie. Dafür waren ihm die Texte zu lang“, fügt Romy Kinzner, seine Co-Regisseurin hinzu. „Als Schauspieler war er gefürchtet, weil er seinen Text immer recht frei interpretiert hat“, ergänzt schmunzelnd Vorsitzender Schachner. Unterforsthuber führte den Verein weg vom klassischen Bauerntheater. „Er ging neue Wege, hatte seinen Kopf, setzte seine Ideen durch. Dabei hat er viel gewagt, aber immer recht behalten“, würdigt Schachner Ufos Vermächtnis.

Ein unglaubliches Gespür für Szenen und Menschen habe Unterforsthuber mitgebracht. Etwa bei der Auswahl der Stücke. „Der nahm die Manuskripthefte in die Hand und las sich ein. Dabei wusste er sofort, wer wen spielen soll, wie das Bühnenbild aussehen muss.“ Er konnte jeder Rolle mit Ausdruck Leben einhauchen und so dem Ensemble vorspielen, wie er sich die Szenen vorstellte. „Er war eigenwillig. Aber der Ufo hatte stets die Vision des Großen und Ganzen im Kopf“, so Kinzner. Um neue Darsteller zu gewinnen, beobachtete er seine Mitmenschen im Alltag. Etwa die Mitglieder im Sportheim oder die Musikanten beim Musikverein auf der Bühne. „Wie verhalten sich die in Pausen oder wenn sie dran sind. So warb er die Leute für neue Rollen an“, weiß Schachner.

In den vergangenen Jahren hat sich Unterforsthuber mehr und mehr zurückgenommen, weil die Gesundheit ihm Grenzen aufzeigte. Doch er wollte immer auf dem Laufenden sein, war stets informiert durch seine Co-Regisseurin Romy Kinzner. Er schaute bei den Proben vorbei, machte Fotos und verfasste Berichte für die OVB-Heimatzeitungen.

Freier Mitarbeiter
beim OVB

Seine Aufgabe als freier Mitarbeiter mit dem Kürzel „ju“ nahm er bis zuletzt ernst. Auch hier hatte er seine Prinzipien: Aktuell musste alles sein und von jedem Verein, jeder Versammlung und jeder Veranstaltung sollten schnellstens die Berichte in die Wasserburger Zeitung kommen. Noch am vergangenen Samstagnachmittag hatte er im Gespräch mit der Redaktion angekündigt, Montag eine Wahlnachlese zu verfassen. Es werde ihm bald wieder besser gehen, zeigte er sich zuversichtlich. Doch es kam noch in der Nacht anders.

„Er hinterlässt eine große Lücke. Immer, wenn in Schnaitsee etwas anstand, stimmte man sich mit dem Ufo ab. Er zückte dann sein blaues Büchlein und machte Termine aus. Jeden Tag war er im Einsatz. Das mochte er gerne“, so Schachner.

Dem kann Bürgermeister Schmidinger nur beipflichten. „Ufo berichtete stets verbindend, nie spaltend. Hatte ein gutes Gespür dabei. Das war wertvoll für den Zusammenhalt im Ort.“ Dabei sei er jemand gewesen, der seine Meinung vertreten habe und auch – wenn nötig – streitbar gewesen sei. „Naja, die letzten zehn Jahre war er vielleicht etwas altersmilde geworden“, sagt Schmidinger leise lächelnd.

TSC-Vorstand Löffelmann resümiert, Josef Unterforsthuber werde in Schnaitsee „brutal abgehen. So einen wie ihn kann man nicht ersetzen“.

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