Wasserburg – Peter Ludwig ist als Komponist, Pianist und Filmemacher erfolgreich unterwegs. In seinem neuesten Filmprojekt „Das Gespräch“ stellt sich der scheidende Bürgermeister Michael Kölbl am Ende seiner 24-jährigen Amtszeit den Fragen von Ada Avenarius. Die 18-jährige Schülerin interessiert sich für seine Karriere und für die Erfolge wie auch die Niederlagen während seiner Tätigkeit. Wichtige Themen sind für Ada auch Michael Kölbls Blick auf die Demokratie, auf das Klima, die Zuwanderung, die Arbeit mit dem Stadtrat und auf seinen Nachfolger. In einem Interview geben sowohl Ada Avenarius als auch Peter Ludwig Einblicke in das Filmprojekt.
Wie wurde das Interview mit dem Bürgermeister von Euch vorbereitet?
Peter Ludwig: Eigentlich sollte Ada, die seit einigen Jahren bei mir Klavierunterricht nimmt, nur bei der Kamera helfen. Michael Kölbl war auch sofort zu einem Film-Interview bereit. Dann kam die Idee auf, wenn Ada als Jugendliche das Gespräch führt, könnte das Projekt noch interessanter werden. Wir hatten uns Fragen ausgedacht, die aber im Verlauf des Interviews ihre Bedeutung mehr und mehr verloren; das Gespräch zwischen Ada und dem Bürgermeister verlief schließlich wie von selbst.
Was hat Euch beim Interview mit Michael Kölbl am meisten überrascht und beeindruckt?
Ada Avenarius: Herr Kölbl wirkte sehr sympathisch, respektvoll und immer noch überaus engagiert. Überraschend war auch seine Offenheit für alle Fragen. Er erklärte, was er erreicht hat, aber auch, wo er Misserfolge einstecken musste. Ebenso bei Fragen zu ihm als Privatperson setzte sich diese Aufgeschlossenheit weiter fort.
Welche besonderen Herausforderungen gab es bei den Dreharbeiten?
Ludwig: Wenn überhaupt, dann nur technische Aufreger. Eigentlich waren für das Projekt nur rund 30 Minuten Zeit geplant. Dann fiel die Kamera aus, zum Glück hatte ich eine zweite mit dabei. Entstanden ist daraus schließlich eine ganze Stunde, was der Lebendigkeit und Dynamik beider Gesprächspartner zu verdanken ist.
Gab es einen Moment im Interview, der Euch besonders emotional oder persönlich berührt hat?
Avenarius: Am meisten hat mich beeindruckt, dass Herr Kölbl so nett und offen auf alle Fragen eingegangen ist. Er war viel weniger formell und keineswegs steif, wie ich es bei einem Gespräch mit einem Ersten Bürgermeister als Amtsträger und Politiker eigentlich erwartet hatte. Es war überaus interessant, ein tolles Gespräch, das auf Augenhöhe stattfand.
Was glaubt ihr, wird den Zuschauerinnen und Zuschauern des Film-Interviews am stärksten in Erinnerung bleiben?
Ludwig: Ich denke, neben der Persönlichkeit von Michael Kölbl wird es Ada sein für ihre professionelle Gesprächsführung und ihr Selbstbewusstsein. Bei Planabweichungen reagierte sie überaus flexibel und versiert. Auch zu privaten Themen erhielt sie umfassende Antworten von Michael Kölbl.
Ada, wie geht es bei Ihnen jetzt weiter? Gibt es Pläne für die Zukunft?
Avenarius: Aktuell stehen die Vorbereitungen für die Matura an. Ich mache sie in Salzburg, wo ich zur Schule gehe. Dann Reisen mit Work and Travel. Anschließend soll es nach Wien gehen, um dort Politikwissenschaften und Psychologie zu studieren.
Herr Ludwig, am 11. April geben Sie Ihr Abschiedskonzert im Rathaussaal nach über 50 Jahren Berufsleben als Pianist, Filmemacher und Künstler. Wie geht’s bei Ihnen weiter?
Ludwig: Nach einer gesundheitlich schweren Zeit musste ich die Perspektiven für mich verschieben. Deshalb habe ich mir vorgenommen, ein Abschiedskonzert zu geben mit eigenen Werken und in neuer Transkription. Als alter Mann fing ich mit den Vorbereitungen dazu an und merkte, dass ich dabei immer jünger wurde. Nach und nach kehrte die verlorene Energie zurück. Durch Einschnitte im Leben und die Arbeit lernt man sehr viel über sich selbst im „Hier und Jetzt“; da bin ich identisch und auch authentisch. Schauen wir, wie’s weitergeht und was noch kommt.
Wolfgang Janeczka