Mettenheim – Beim Vortragsabend des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gemeinsam mit dem vlf Altötting-Mühldorf informierten sich 33 Milchviehhalter über „Möglichkeiten und Grenzen der Antibiotika-Minimierung bei Milchkühen am Beispiel der Eutergesundheit“. Referent war Professor Dr. Rolf Mansfeld von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Antibiotika sind in der Human- wie in der Tiermedizin unverzichtbar. Gleichzeitig gefährden Resistenzen ihre Wirksamkeit.
Um den Antibiotikaeinsatz auf das therapeutisch notwendige Mindestmaß zu reduzieren, wurde 2014 das nationale Antibiotika-Minimierungskonzept im Tierarzneimittelgesetz verankert. Ziel ist es, den Einsatz verantwortungsvoll und gezielt zu steuern. Dass die Anstrengungen Wirkung zeigen, belegen aktuelle Zahlen: Von 2011 bis 2022 sank der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung bundesweit um 68 Prozent – von 1.706 Tonnen auf 540 Tonnen. „Tierhalter und Tierärzte haben ihre Hausaufgaben gemacht“, betonte Prof. Mansfeld.
In der Milchviehhaltung spielt der Antibiotikaeinsatz im Vergleich zu Geflügel- und Schweinehaltung eine eher untergeordnete Rolle. Der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Eutererkrankungen (Mastitis) während der Laktation sowie beim sogenannten Trockenstellen. Hier setzt das Projekt RAST („Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes beim Milchvieh durch selektives Trockenstellen“) an, das Mansfeld gemeinsam mit Partnern entwickelt hat. Ziel ist es, antibiotische Trockensteller nicht mehr routinemäßig, sondern nur noch gezielt bei tatsächlich behandlungsbedürftigen Tieren einzusetzen. Kernstück von RAST ist ein dreistufiger Entscheidungsbaum, anhand dessen entschieden werden kann, ob eine Antibiotikagabe notwendig ist. Die Ergebnisse des Projekts sind deutlich: Im Durchschnitt konnten rund 39 Prozent Antibiotika eingespart werden – bei großen einzelbetrieblichen Unterschieden.
Gleichzeitig zeigten sich keine signifikanten Nachteile bei Neuinfektionen, Heilungsraten oder Euterentzündungen in der Folgelaktation. Prof. Mansfeld zog eine positive Bilanz: Das selektive Trockenstellen ist eine Erfolgsgeschichte und grundsätzlich für jeden Milchviehbetrieb geeignet.
Voraussetzung ist jedoch eine gute Eutergesundheit im Tierbestand. Betriebe sollten klare Kennzahlen im Blick behalten. Entscheidend für den Erfolg ist die enge Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt im Rahmen der integrierten tierärztlichen Bestandsbetreuung.