Töging/Mühldorf/Altötting – Fällt ein Familienmitglied wegen Geburt oder einer Operation aus oder verstirbt, dann schlägt die Stunde für Dorfhelferinnen oder Betriebshelfer. Sie kommen ins Haus, betreuen Kinder, pflegen Kranke und führen den Haushalt. Sie helfen bei der Feld- und Stallarbeit und versorgen die Tiere.
In der Landwirtschaft sind Dorf- und Betriebshelfer, die in Notsituationen einspringen, seit Langem eine feste Größe. Was viele nicht wissen: Auch Privathaushalte können diese Hilfe anfordern. Zum Beispiel für Verhinderungspflege sowie in der Familien- und Jugendhilfe. Einen Einblick in die zahlreichen Entlastungseinsätze des Jahres 2025 gab es bei der Ausschusssitzung der Stationen Altötting und Mühldorf der Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer (KDBH) in Töging.
Knapp 30.000
Stunden im Einsatz
Erika Unterstraßer koordiniert die Einsätze der vier Jahre lang ausgebildeten Helferinnen und Helfer beim Maschinen- und Betriebshilfsring Altötting-Mühldorf. „2025 waren acht angestellte Dorfhelferinnen, zehn Betriebshelfer, zehn selbstständige Einsatzkräfte des Berufsverbands sozialer Fachkräfte im ländlichen Raum aus Landshut sowie zwei Praktikantinnen der Dorfhelferinnenschule im Einsatz“, zählte sie auf. „Teilweise auch in Teilzeit.“ Dabei stiegen die Einsatzstunden der Angestellten beider Sparten gegenüber dem Vorjahr an, weil die Einsätze in Privathaushalten zu mehr Auslastung führten. Unter dem Strich wurden 29.984 Einsatzstunden abgerechnet, eine deutliche Steigerung gegenüber den 27.205 Einsatzstunden des Vorjahrs.
Dabei unterscheidet Erika Unterstraßer nicht zwischen Einsätzen in der Landwirtschaft und in nicht-landwirtschaftlichen Haushalten. Viele Arbeitsstunden seien bei Langzeiteinsätzen angefallen, deren Ursachen oft Schwangerschaften, zunehmend Krebserkrankungen, aber auch Todesfälle gewesen seien. Unterstützung wegen Hüft- oder Knieoperationen sei 2025 hingegen seltener gewesen. Bei den Pflegegraden eins und zwei hätten die Dorfhelferinnen Betreuungsleistungen übernommen, nicht jedoch die Pflege selbst.
Hilfe für Erwachsene
und Kinder
Die vom KDBH angebotene Verhinderungshilfe werde gerne in Anspruch genommen und auch Familien mit Kindern zählten zu den Kunden. Auch auf Anfrage von Jugendämtern sei man tätig geworden, beispielsweise bei einer Familie mit Drillingen, aber auch bei weniger erfreulichen Sozialfällen. „Wir leisten Hilfestellung schon bei der Antragstellung und informieren rechtzeitig, wenn eine Verlängerung bei der Krankenkasse beantragt werden muss“, betonte die Einsatzleiterin.
„In den mehr als 25 Jahren unseres Bestehens haben wir überwiegend landwirtschaftlichen Betrieben schnelle Unterstützung geboten“, berichtete die Altöttinger Ausschussvorsitzende Rita Hecker. „Obwohl jeder Betrieb anders ist, haben wir mit unserem Einsatz und großer Flexibilität das Gleichgewicht in den Betrieben wiederhergestellt.“
Spenden als Puffer
dringend nötig
Getragen werden die Einsatzkosten für Dorf- und Betriebshelfer in erster Linie von Krankenkassen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Sie übernehmen aber oft nicht alle Stunden, speziell am Wochenende, wenn ältere Jugendliche innerhalb der Familien mithelfen können. In Härtefällen springe die Organisation ein. Deshalb kam es 2025 bei der Station Altötting zu einem Fehlbetrag von 4.368 Euro und bei der Station Mühldorf, auf die mehr Einsätze entfallen, zu einem Defizit von 9.552 Euro. Die Fehlbeträge müssen über Spenden gedeckt werden.
Auf diese Spenden als Puffer ist die KDBH auch deshalb angewiesen, weil sie ihre Mitarbeitenden vorfinanzieren muss. Deshalb wurde in der Sitzung einstimmig beschlossen, wieder Spendenbriefe an alle Gemeinden in beiden Landkreisen, an Jagdgenossenschaften, Kirchenverwaltungen und Vereine zu schicken. Die Pfarreien werden um sechs Cent je Mitglied gebeten, die Jagdgenossen um sechs Cent pro Hektar. Im vergangenen Jahr hatten auch Firmen anlässlich von Jubiläen gespendet, etwa die Milcherzeugergemeinschaft Altötting-Mühldorf.
Jeder kann die KDBH
unterstützen
Die Gemeinden werden um acht Cent pro Einwohner und Jahr gebeten. „Die meisten Kommunen zahlen den Betrag, nur wenige verringern ihn“, bilanzierte Veit Hartsperger, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) – BBV und Caritas stehen gemeinsam hinter der KDBH. Ab 6.000 Einwohnern war dieser Betrag bisher auf 450 Euro gedeckelt. Auf Antrag des Mühldorfer BBV-Kreisobmanns Ulrich Niederschweiberer wurde einstimmig beschlossen, diesen Deckel wegen allgemeiner Kostensteigerungen auf 500 Euro anzuheben.
Die stellvertretende Altöttinger Landrätin Ingrid Heckner zeigte sich in der Sitzung erstaunt, aber erfreut darüber, dass die Dorfhelferinnen und Betriebshelfer nicht nur für die Landwirtschaft tätig seien. Gabriele Eberl, BBV-Kreisbäuerin für den Landkreis Altötting, merkte dazu an, die in der Landwirtschaft bestens bekannte Arbeit solle besser nach außen kommuniziert werden, zum Beispiel über die Frauen-Union. Als Arzthelferin regte sie an, die Dorf- und Betriebshelfer bei der Hausärzte-Vereinigung vorzustellen.