Die Isen soll wieder frei fließen können

von Redaktion

Das Isental in Oberbayern ist eine einzigartige Landschaft. Nun soll der Fluss Isen renaturiert und wieder frei fließend sowie für Fische durchgängig passierbar gemacht werden. Für das Projekt „FreiflISEN“ ist nun der Startschuss gefallen, der WWF beteiligt sich finanziell an der Umsetzung.

Isen/Markt Isen/Dorfen – Das Isental hat eine besonders große ökologische Bedeutung. Hier schlängelt sich der Fluss vom Markt Isen bis nach Lengdorf, Dorfen, Schwindegg und Ampfing, ehe er bei Neuötting in den Inn mündet. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München will das Flussbett jetzt renaturieren. „FreiflISEN“ lautet das Vorhaben. Den gleichnamigen Film zeigten die Veranstalter nun im Jakobmayer-Saal in Dorfen. Mehr als 150 Zuschauer kamen zur Premiere und den Fachvorträgen der Projektpartner.

Sohlschwellen und
Wehre sollen weichen

„Ich bin die Isen“, hört man im Film eine Stimme aus dem Off. „Ich begleite das Leben seit Jahrtausenden, ich bin mehr als Wasser – ich bin Erinnerung, Heimat, Wandel. Die Bauern leben seit Jahrhunderten mit und von mir, eure Mühlen haben reiche Erträge gebracht.“ Doch das hatte seinen Preis. Neben einem historischen Rückblick erzählt Familie Holzner aus Dorfen, der seit über 500 Jahren die Stepfen-Mühle gehört, von der allgegenwärtigen Isen.

Die Isen hat über Jahrhunderte hinweg die Region geprägt. Einst trieb die Kraft ihres Wassers Mühlen und Sägewerke an, war unverzichtbare Lebensgrundlage für die Menschen. Die intensive Nutzung hinterließ Spuren: Rund 30 Kilometer ihres Laufs wurden begradigt oder durch Wehre und Sohlschwellen unterbrochen. Die Durchgängigkeit von Bächen und Flüssen spielt allerdings in der Gewässerökologie eine wesentliche Rolle. Wenn Fischen durch Wehre der Weg zu ihren Laichplätzen versperrt wird, gehen die Bestände rapide zurück. Auch die Isen ist davon betroffen. Sie war einmal bekannt für ihre reichen Bestände an Nasen. „Zu Tausenden laichten sie einst im Frühjahr in der Isen. Schon längst steht die Art aber auf der Roten Liste und ist gefährdet, ebenso wie Äsche, Huche und Frauennervling“, erklärte Katharina Amann, Referentin vom Landesfischereiverband. Unter der Wasseroberfläche zeige sich, wie lebendig der Fluss wirklich sei, berichtete Amann von der fürs Monitoring elementaren Elektrobefischung. Wenn Fische wieder wandern können, profitieren nicht nur einzelne Arten – das ganze Ökosystem werde lebendiger und robuster. „Jeder Abschnitt, den wir öffnen, ist ein Gewinn für die Isen und alle, die hier leben“, so Amann. Denn die Ufer sind Habitat für Flora und Fauna. „Wir müssen dem Fluss unter die Arme greifen und dabei die ökonomischen und ökologischen Aspekte in Einklang bringen“, sagte WWA-Leiter Stefan Homilius.

Das Fließgewässer erreicht in diesem Abschnitt nicht den geforderten ökologischen Zustand nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die alle Mitgliedstaaten verpflichtet, die Gewässerqualität zu verbessern und einen guten Zustand in Oberflächen- und Grundwasser zu erreichen. In der Realität hinkt man den Zielen weit hinterher.

Als jedoch ein Vorstoß von zwei Triebwerksbetreibern aus Dorfen kam, die ihre alten Mühlenrechte aufgeben wollen, sah das WWA eine Möglichkeit, an der Isen buchstäblich einen Durchbruch zu erzielen. Die Betreiber waren der Rechte überdrüssig: Eine alte Sägemühle, die mit Wasserkraft betrieben wurde, war längst abgebrannt, ein weiteres Triebwerk lieferte kaum noch Strom, war aber sehr wartungsintensiv. Daher könnte man nun ein altes Wehr abreißen, das das Wasser für die Triebwerke umleitet, und die Isen hier wieder durchgängig machen.

WWF beteiligt
sich finanziell

Noch ist es ein langer Weg: Fünf von 15 Betreibern haben bisher zugesagt, ihre Anlagen aufzulassen. Aber schon jetzt ist klar – dieses Projekt ist ein Meilenstein. Die Wehre müssen wieder passierbar gemacht werden, darunter 21 Sohlschwellen und 15 Wasserkraftanlagen, damit die Fischfauna in einen guten Zustand versetzt wird. Mitwirkende sind das Landesamt für Umwelt und der World Wildlife Fund (WWF), der finanzielle Unterstützung gibt.

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