Rotter Blasmusik feiert den Frühling

von Redaktion

Konzert im Landgasthof Stechl zeigt enorme musikalische Vielfalt – Motto: „Zusammen geht alles besser“

Rott – Warum sollte der Kuckuck aus dem Wald rufen, wenn er sich stattdessen der Vorjugend der Rotter Blasmusik bedienen konnte, die sich im vollbesetzten Stechlkeller am vergangenen Samstag dem Publikum stellte. Klar, dass die drei Querflöten gegen drei Trompeten und eine Tuba nicht die ganz großen Chancen hatten, voll durchzudringen – aber darum ging es gar nicht. Der Frühling sollte gefeiert werden im Rahmen dieses bereits im dritten Jahr stattfindenden „Frühlingskonzerts“ der Rotter Blasmusik. Also ließ man den realen Frühlingsschauer-Frust an der Garderobe hängen und erfreute sich der bläserischen Frühlingsfreude-Lust.

Nachwuchs macht
den Auftakt

Dass bereits der kleinste Nachwuchs nach nur zwei Monaten gemeinsamer Proben unter der Leitung von Emanuel Wilhelm sich „piratenhaft“ unerschrocken öffentlich präsentierte, war das eingangs zu feiernde Ereignis. Unter heftigem Mitstampfen des Takts ist es den kleinen Musikern gelungen, das zu bewältigen. Was unbedingt Beifall verdiente, denn wer setzt sich heute noch den Strapazen aus, ein Instrument wirklich zu erlernen? In zwei weiteren Nummern nach dem „Kuckuck“ konnte man sozusagen die Anfänge der Blasmusik vom ersten Dreiklang an live miterleben, bis am Ende dann das erwachsene Orchester, dirigiert von Christian Stephan, den vielfältigen Sound vorführte, für den Blasinstrumente heute stehen. Conférencier Hans Senega führte mit viel Detailwissen so geschickt durch den Abend, dass jedem Zuschauer klar war, welche Gefühlswelten sich hinter den meist unüberhörbaren Marsch-Rhythmen noch verbergen. Vor allem aber, dass sich die Blasmusik gerne unisono versammelt, um frohgemut einer gemeinsamen Zukunft entgegen zu schreiten. Zusammen geht alles besser, das war die ausgesprochene Devise des unterhaltlichen Abends. Aber zusammen geht nur, wenn sich keiner in den Vordergrund drängt oder versucht, die anderen zu beherrschen. Im Vordergrund steht das Bemühen, sich in der angemessenen Art und Weise einzubringen. So wird das Spielen in einem Orchester auch zu einer Einübung in gesellschaftliche Vorgänge: Miteinander ist es schöner – ein musikpädagogischer Ansatz, der die Welt verändern könnte. Zumindest sorgte die Rotter Blasmusik so für gute Laune rundum. Klar, dass jeder, der bei der Rotter Blasmusik mitmacht, auch auftreten durfte, was die Klangfarbe des Gebotenen interessant gestaltete, vor allem bei den jungen Ensembles. So scheint die Tuba bei den Jüngeren das beliebteste Blasinstrument zu sein. Der starke Klang steigerte sich bis zu dem Ruf „We are the Champions“, und natürlich wollte die Jugendabteilung das Publikum rocken. Hier spielten die Musiker schon mal etwas mit dem Takt. Aus Mehrstimmigkeit entwickelten sich Melodien. Die Vorführungen der Jugend unter der Leitung von Christian Stephan mündeten im poppigen, inzwischen als Klassiker gehandelten „Y.M.C.A.“. Alles die rechte Einstimmung auf das Hauptorchester, das dann in großer Besetzung „A Day of Hope“ beschwor, und, wenig beschränkt von könnerischen Restriktionen, zu vollem Klang mit abgestimmter Besetzung aufspielte. Da waren selbst synkopierte Rhythmen kein Problem. Die Rotter Blasmusik verlieh den Blasinstrumenten eine schwer herzustellende Leichtigkeit, die vom Walzer bis zum Boogie Woogie reichte und auch vor einer Ballade nicht Halt machte.

Wenn Bläser
Süßholz raspeln

Dabei waren die präsentierten Nummern alle von den Musikern selbst herausgesucht, die sozusagen in einem „Wunschkonzert“ neben ihrem Können auch ihre Emotionen hervorblicken ließen. Selbst ein leises Windesrauschen von Flöte bis Klarinette gewann im Bläserrausch Struktur. Und sogar der Gesang von Trompeter Johannes bereicherte die ins Ohr und ins Herz zielende romantische Stimmung. Bläser können eben auch Süßholz raspeln! Kein Wunder, dass das Publikum begeistert klatschte und in der Zugabe selbst mit einstimmte in das Lied: „Lasset uns das Leben genießen.“

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