Mühldorf – Auf dem Land ist der Weg zum nächsten Arzt, zur Apotheke oder zum Supermarkt oft weit. Für viele ältere Menschen wird der Alltag deshalb schnell zur Herausforderung. Umso wichtiger sind Angebote wie Essen auf Rädern oder die ambulante Pflege, die teilweise rund um die Uhr Unterstützung direkt nach Hause bringen. Sie ermöglichen Senioren, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben – dort, wo Erinnerungen, Nachbarn und ein Stück Lebensqualität liegen.
Selbstständigkeit daheim
bewahren
Für Familien ist das eine enorme Entlastung. Nicht immer können Angehörige rund um die Uhr helfen, besonders wenn Arbeit, eigene Kinder und lange Wege dazukommen. Wenn Pflegekräfte oder Mahlzeiten regelmäßig ins Haus kommen, bleibt für viele ältere Menschen etwas sehr Wertvolles erhalten: Selbstständigkeit – und das Gefühl, weiterhin „dahoam“ zu sein. Die Pflegekräfte nehmen dafür Tag für Tag weite Strecken auf sich. Antonio Paligoric, Geschäftsführer von „Seelenfrieden – ambulanter Pflegedienst“ in Mühldorf, erzählt, dass in seiner Firma jedes Fahrzeug pro Monat 6.000 Kilometer Strecke macht. In Deutschland liegt der Durchschnittspreis für Super E10 bei rund zwei Euro pro Liter. „Die durchschnittlichen Benzinmehrkosten pro Fahrzeug liegen bei ungefähr 180 Euro im Vergleich zum Vormonat. Es sind aber auch fast sofort die Kfz-Instandhaltungskosten (etwa Service, Reifen, Öl und Schmiermittel) drastisch gestiegen“, so Paligoric. Für den ambulanten Dienst habe er mindestens neun Autos zur Verfügung, die täglich unterwegs seien.
Doch wie werden die Anfahrtskosten überhaupt vergütet? Paligoric erklärt, dass die ambulante Pflege von der Pflegeversicherung übernommen wird. Je nach Pflegegrad des Patienten bezahlt die Versicherung die komplette Wegepauschale oder nur einen Anteil. „Bis jetzt wurden die Preise noch nicht erhöht. Wenn doch, dann bleiben die Kosten auf uns liegen. Wir sind da an die Vergütungsvereinbarung mit den Krankenkassen gebunden. Der aktuelle Vertrag gilt für ein Jahr.“
Somit müssen die Pflegedienststellen gerade einfach damit leben und hoffen, dass die Preise nicht weiter steigen. „In Zukunft könnte es passieren, dass man keine Patienten aufnehmen kann, die weiter weg wohnen. Die Preise sind gleich für alle Patienten (zum Beispiel fünf Minuten körperbezogene Pflegemaßnahmen 5,87 Euro und die Anfahrtspauschale 7,96 Euro).“
Dabei sei es stets egal, ob der Patient hier in Mühldorf oder in München wohne. Paligoric schlägt also vor, „für Patienten, die mehr Leistungen in Anspruch nehmen und einen allgemein höheren Rechnungsbetrag haben, eine Ausnahme zu machen, da der Gewinn durch die abgerechneten Körperpflegeleistungen den Verlust durch die lange Wegstrecke ausgleicht.“
Der Verbrenner ist bekanntlich nicht allein auf dem Markt: Der ambulante Pflegedienst „Seelenfrieden“ fährt Hybrid. Vollelektroautos wären aber keine Alternative für Antonio Paligoric: „Würden wir auf E-Autos umsteigen, bräuchten wir auch Ladesäulen.“ Dafür gäbe es keine Förderung, beziehungsweise dauere der Antrag dafür mindestens zwei Jahre – für die akute Lage also keine Rettung.
Die Politik
ist nun gefragt
Das seien alles aber nur Zukunftsgedanken – für Paligoric ändere sich vorerst nichts. Seine Klienten müssen sich also keine Sorgen machen. „Dass wir den Verlust auf den Patienten umlagern, kommt nicht infrage. Die Politik muss etwas ändern.“ Bis es so weit ist, dauert es aber.
Wenig Entscheidungsspielraum hat auch der ambulante Pflegedienst in Waldkraiburg. Die Einrichtung des Caritasverbands München-Freising bietet auch Betreuung für ältere Menschen zu Hause an. Für Pflegedienstleiterin Irmgard Geiszer ist die Situation im Moment noch machbar. „Doch wenn die Preise weiter steigen, belastet das die Pflegedienststellen. Da die Vergütungen über die Krankenkassen verhandelt werden, bleibt der Fahrtpreis immer gleich. Dann werden sich die Investitionskosten für den Dienstleister erhöhen.“
Die Verhandlungen über mögliche neue Pauschalen seien in der Regel langwierig. Doch für die Patienten stehe fest: Sie müssten sich keine Sorgen machen.