Kölbl arbeitet seinen Nachfolger bereits ein

von Redaktion

Obwohl Bastian Wernthaler erst am 4. Mai sein Amt als neuer Bürgermeister von Wasserburg antritt, ist er bereits Dauergast im Rathaus. Der amtierende Rathauschef Michael Kölbl arbeitet seinen Nachfolger schon intensiv ein, um eine reibungslose Übergabe der Amtsgeschäfte zu gewährleisten.

Wasserburg – Schon jetzt kann Wasserburgs neuer Bürgermeister nicht mehr durch die Stadt schlendern, ohne Hände zu schütteln: Viele Bürger gratulieren, suchen das Gespräch, berichtet Bastian Wernthaler. Er hat am 8. März mit deutlicher Mehrheit von 72,8 Prozent gegen die drei Mitbewerber Georg Gäch, Josef Baumann und Milan Matijevic gewonnen und zieht nun als neuer Chef ins Rathaus ein.

Wernthaler hat bereits Schreibtisch im Rathaus

Dort ist der 49-Jährige seit dem Wahlabend Dauergast: Sein Vorgänger hat ihm die Ratsstube reserviert. Hier hat sich der Neue einen Arbeitsplatz eingerichtet, hier kann er sich schon einmal einarbeiten. Doch der erste Arbeitstag ist am 1. Mai. Da dies ein Feiertag ist und ein Freitag, folgt noch das Wochenende. Am Schreibtisch im Bürgermeisterzimmer wird Wernthaler also erst am 4. Mai zum ersten Mal Platz nehmen.

Der Nachfolger
läuft bereits mit

Bis dahin steht er intensiv in Kontakt mit Kölbl: „Wir tauschen uns eng aus, ich informiere meinen Nachfolger über alles, was ansteht“, sagt Kölbl. Wernthaler begleite ihn, wenn möglich, zu Terminen und Besprechungen. Er habe schon an ersten Treffen teilgenommen, etwa mit Vertretern einer großen Wasserburger Firma oder an einem Ortstermin mit dem Staatlichen Bauamt. Wenn die Beteiligten einverstanden seien, dürfe sein Nachfolger jetzt schon dabei sein, ein Angebot, das Wernthaler gerne nutzt, wie er betont. „Wir haben ein vertrauensvolles Verhältnis“, sagt Kölbl. In der Tat war Wernthaler sein Wunschkandidat.

Trotzdem: Bis zum offiziellen Amtsantritt gibt es auch an den Nachfolger keine Informationen aus nicht öffentlichen Sitzungen, daran darf er bis dahin auch noch nicht teilnehmen, denn er war kein Stadtrat in der Periode, die jetzt abläuft.

Viele Hintergrundgespräche laufen gerade

Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrates ist am 12. Mai. Dann wird Wernthaler vereidigt. Außerdem wird es noch einmal spannend: Wer wird Zweiter und Dritter Bürgermeister oder Bürgermeisterin? Wie setzen sich die Fraktionen zusammen? Derzeit laufen im Hintergrund dazu viele Gespräche unter den Kommunalpolitikern.

Wernthaler ist derzeit dabei, seine Tätigkeit als Anwalt einzustellen. Zum 1. Mai soll dies geschehen. Er bleibt jedoch als Rechtsanwalt zugelassen, ist in dieser Funktion aber nicht mehr aktiv, berichtet er zum Prozedere. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe er diese freiberufliche Tätigkeit bereits heruntergefahren, um sich auf eine mögliche neue Aufgabe als Bürgermeister vorzubereiten und im Wahlkampf aktiv sein zu können. Seine Mandate führe der Kollege Frank Benstetter aus der Bürogemeinschaft für ihn weiter und zu Ende. „Meiner Mandantschaft geschieht durch meinen Ausstieg kein Schaden.“ Dass er auf dem Papier weiter als Anwalt zugelassen bleibt, muss der Stadtrat formal noch genehmigen.

Plötzlich Chef
von 300 Mitarbeitern

Dass er als Betreiber einer kleinen Anwaltskanzlei nun in die Chefrolle in einer Verwaltung schlüpfen wird, in der über 300 Menschen arbeiten, sieht er als „spannende Herausforderung“. Wernthaler räumt ein, dass es eine große Umstellung sei. Als Freiberufler habe er in einem kleinen Team gearbeitet. Als Bürgermeister habe er ein großes, sehr heterogenes Team zu führen. In der Tat gehören zur Stadtmannschaft nicht nur die Verwaltung im Rathaus, sondern auch Stadtwerke, Kläranlage, Wertstoffhof, Badria, Kitas, Bürgerbahnhof, Bauhof, Schulen, Feuerwehren. „Ein großer Gemischtwarenladen“, nennt Kölbl die Stadt Wasserburg und ihre kommunalen Einrichtungen.

Die Mitarbeitenden begegnen Wernthaler „sehr positiv, wohlwollend, freundlich“, freut er sich. „Toll, wie dieses Haus auf mich zugeht.“ Große, vielschichtige Teams zu leiten, ist der neue Bürgermeister beruflich zwar nicht gewöhnt, in seiner Funktion als Sportfunktionär im bundesdeutschen Basketball sehr wohl.

Auch in der Verwaltung einer Stadt sind die Sachverhalte in der Regel „komplex und vielfältig“, sagt Kölbl. „Das ist auch das Tolle an diesem Beruf.“ Außerdem sei das Rathaus in den Abteilungen sehr stark aufgestellt. „Mein Nachfolger hat viele hochqualifizierte, sehr gut eingearbeitete und engagierte Fachleute hinter sich.“

Kölbl zukünftig
„nur“ noch Kreisrat

Von ihnen wird sich Kölbl am 30. April verabschieden müssen. Ab dem 1. Mai ist er auch raus aus der Wasserburger Kommunalpolitik; er ist „nur“ noch Kreisrat. Für diese Funktion hatte er bei der Kommunalwahl erneut kandidiert, mit Erfolg. „Ich werde mich zu Themen der Wasserburger Kommunalpolitik jedoch nicht mehr äußern“, stellt Kölbl klar.

In diesen Tagen des Übergangs gehe es ihm „sehr gut“. Nach 42 Jahren Stadtratsarbeit, 24 Jahre davon als Rathauschef, zwölf Jahre zuvor als Fraktionsvorsitzender, sei die Zeit reif, „dass ein demokratischer Wechsel kommt“. Er übergebe ein gut aufgestelltes Haus. Viele Projekte wie das neue Feuerwehrhaus, die Modernisierung der Kläranlage, die Verlegung des Wertstoffhofes und die Erweiterung der Grundschule Am Gries seien in seiner Amtszeit vorbereitet worden. Wernthaler übernehme in der „großen Umsetzungsphase“. Dass es noch ein paar offene Baustellen gebe, liege in der Natur der Sache: Eine Stadt wie Wasserburg sei immer in Bewegung, werde mit ihren Vorhaben nie fertig. Die Dynamik gehöre zum Geschäft.

„Ich habe ein gutes Gefühl, gemeinsam mit meinem Team etwas dazu beigetragen zu haben, dass diese schöne Stadt vorankommt“, sagt Kölbl. Und: „Ich bin mit mir im Reinen.“ Dass er mit 63 nicht noch einmal habe antreten wollen, liege auch an der Amtszeit von sechs Jahren. „Ich bin kein Trump“, spielt er auf Amtsinhaber an, die auch nach dem üblichen Rentenalter an ihrem Posten kleben.

„Ich weiß das Bürgermeisteramt in besten Händen“, sagt Kölbl zufrieden. Er freue sich auf den Ruhestand, mehr Zeit für die vier Enkel und Hobbys wie das Segeln, Radeln, Schwimmen und Lesen. Und auf selbstbestimmte Zeit, einen Kalender ohne viele Termine. Es gab Zeiten, da war Kölbl als Rathauschef allabendlich nicht daheim.

Herausforderung
für die Familie

Den muss nun Wernthaler führen. Für seine Familie, zu der zwei Kinder im Alter von elf und sieben Jahren gehören, nichts Neues. Denn der Papa ist auch als Sportfunktionär oft viel unterwegs gewesen. Für die Familie habe er sich trotzdem nach eigenen Angaben immer Zeit freigeräumt. Der Wahlkampf war jedoch eine besondere Herausforderung, die an der Kraft gezehrt hat, räumt er ein. Vor allem für seine Kinder sei es gewöhnungsbedürftig gewesen, den Papa auf Wahlplakaten in der ganzen Stadt zu sehen.

Der Basketball behält
seinen Ehrenplatz

Am Montag, 4. Mai, zieht er nun ins Bürgermeisterzimmer im Rathaus ein. Es atmet die Geschichte des Denkmals: Der Schreibtisch stammt aus dem 19. Jahrhundert, darüber eine uralte Holzdecke, an einer Stirnwand eine historische Vitrine mit Porzellan. Ein Raum, der eher ins Museum passt als in eine moderne Verwaltung, jedoch seinen Charme hat. Vermutlich wird Wernthaler etwas ummöblieren, sagt er. Doch eines wird bleiben: Der Basketball von der ersten deutschen Meisterschaft der Damen des TSV Wasserburg. Er hatte schon bei Kölbl einen Ehrenplatz am Fenster mit Blick in die Altstadt. Basketball-Funktionär Wernthaler, der dreimal hintereinander als Trainer das Team zum deutschen Meistertitel führte, hat zu diesem Ball eine noch intensivere Verbindung.

Die Termine der Amtsübergabe

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