Warum im Frühjahr Waldbrandgefahr herrscht

von Redaktion

Nach Bränden bei Steinhöring und Babensham warnen Experten vor der aktuellen Waldbrandgefahr. Obwohl der Hochsommer noch weit entfernt ist, sorgt die Trockenheit für ein hohes Risiko. Innerhalb weniger Tage kam es in der Region bereits zu mehreren Wald- und Flächenbränden. Doch wie kann das sein?

Steinhöring/Babensham – Der jüngste Einsatz am Donnerstagnachmittag bei St. Christoph in der Gemeinde Steinhöring im Landkreis Ebersberg zeigt die Brisanz: Rund 450 Quadratmeter Waldboden brannten dort ab. Die Ursache ist noch unklar, doch laut Feuerwehrkommandant Andreas Niederlechner aus Hohenlinden wurden „Unrat im Gehölz“ sowie Glasflaschen gefunden – mögliche Auslöser für solche Feuer. Bereits am 11. März hatte es im Streiter Forst in der Gemeinde Babensham gebrannt. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen-Wetterdienstes für Mühldorf liegt aktuell bei Stufe 2 von 5.

Natur im Frühjahr teils
trockener als im Sommer

Assoziiert werden Waldbrände vor allem mit der Hitze in den Sommermonaten. Doch Experten wie der Leiter des Forstamtsbezirks Wasserburg, Joachim Keßler, wissen: Das Frühjahr ist eine Hochrisiko-Zeit.

„Die Natur ist noch nicht voll da“, erklärt der Forstamtsleiter. Während Bäume und Pflanzen im Sommer voll im Saft stünden und die Blätter feucht wären, liege im Frühling viel „totes“ Material am Boden. Verdorrtes Gras und Laub aus dem Vorjahr entzünden sich sehr leicht. Zudem weicht die Winterschmelze derzeit aus den Böden, und der neue Austrieb hat noch nicht begonnen, um für genug Feuchtigkeit zu sorgen.

Anders als in Nordamerika ist das heimische Ökosystem in Mitteleuropa nicht auf Waldbrände angewiesen, um sich zu regenerieren – Brände sind hier fast immer menschengemacht. Die Ursachen sind oft vermeidbare Nachlässigkeiten: Während bei Babensham vermutlich ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel das Feuer auslöste, könnte laut Feuerwehr in Aschau illegal entsorgter Müll die Ursache sein.

Glasscherben wirken bei Sonneneinstrahlung wie Brenngläser auf das trockene Laub. Auch warme Automotoren oder Katalysatoren, die auf trockenem Gras am Waldrand abgestellt werden, können einen Brand entfachen. Mit Blick auf die anstehenden Osterfeuer mahnen die Experten daher zu extremer Vorsicht.

Hat die aktuelle Gefahr mit dem Klimawandel zu tun? Laut Forstamt nicht unbedingt direkt, aber indirekt: Die Trockenperioden werden länger und die Niederschläge im Frühjahr bleiben oft aus. „Wir Förster hätten gerne einen sehr verregneten Frühling und Sommer, so einmal kurz an jedem Nachmittag“, so der Tenor aus dem Forstamt.

Um die Wälder langfristig gegen Feuer zu schützen, setzen die Bayerischen Staatsforsten auf Waldumbau. Mehr Laubbäume statt reiner Nadelholzkulturen sollen helfen. Der Grund: Nadelböden sind oft extrem trocken, während Laub am Boden die Feuchtigkeit besser speichert.

Feuerwehr rät zu
Achtsamkeit im Wald

Kommandant Andreas Niederlechner und Forstamtsleiter JoachimKeßler bitten Wanderer und Spaziergänger um erhöhte Aufmerksamkeit. Um Brände zu verhindern, sollte im Wald derzeit strikt nicht geraucht und jeglicher Müll – insbesondere Glasflaschen – unbedingt wieder mit nach Hause genommen werden. Autofahrer werden gebeten, ihre Fahrzeuge ausschließlich auf befestigten Parkplätzen abzustellen, da heiße Katalysatoren auf trockenem Untergrund sofort Feuer entfachen können.

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