Obing – Der Vorhang bleibt zu: Schweren Herzens musste die Theatergruppe des TV Obing alle für März angedachten Vorstellungen von „Malefiz Donnerblitz“ im Gasthof „Zur Post“ absagen. Zu den näheren Umständen äußern sich die Verantwortlichen nicht. Nur, dass sie „eine Situation dazu zwingt, auf die der Verein keinen Einfluss hat“.
Es sind nicht die einzigen Absagen: Auf der Homepage des Gasthofs „Zur Post“ wurden alle kommenden Veranstaltungen für den Konzertsaal im ersten Stock gelöscht. Auf Nachfrage bestätigt Pächter Benjamin Kekec die Vermutung: „Wir mussten alle Konzerte und Veranstaltungen absagen und haben aktuell geschlossen.“
Der zweite
Rettungsweg fehlt
Der Grund nach seinen Angaben: der Brandschutz. Es fehle ein „zweiter baulicher Rettungsweg in Form einer Außentreppe“. Nach einer Begehung vor Ort habe das Landratsamt Traunstein als zuständige Behörde den Riegel vorgeschoben. Die brandschutzrechtlichen Vorgaben seien so nicht erfüllt, der Konzertsaal im Obergeschoss könne nicht weiter betrieben werden.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und weist eine gemischte Nutzung auf: Im Erdgeschoss befinden sich die Gaststätte sowie gewerbliche Einheiten, im Obergeschoss unter anderem ein Veranstaltungssaal, Gästezimmer und Wohnungen.
Rechtsstreit zwischen
Pächtern und Eigentümern
„Wir mussten den Rechtsweg einschalten. Noch wissen wir nicht, wie es für uns weitergeht, aber wir werden den Weg in Obing wahrscheinlich nicht weitergehen. Unser Konzept, bestehend aus der Kombination Wirtshaus mit Biergarten und Konzertsaal, geht nicht auf. Die Wirtschaftlichkeit ist daher für uns nicht mehr gegeben“, erklären die Betreiber der „Beathouse Company GmbH“.
Im August 2025 hatten sie das Traditionsgasthaus im Herzen von Obing übernommen, nachdem sich die Eigentümer aus Altersgründen zur Aufgabe des Betriebs entschlossen hatten.
„Wir wollten Obing nach vorn bringen und die ersten Monate lief es auch gut – es kamen viele Gäste und der Veranstaltungssaal war sehr gefragt“, resümiert Benjamin Kekec. Doch das Blatt hat sich nun gewendet. Laut der Gerüchteküche, die seit Wochen in Obing brodelt, soll es zu einem heftigen Streit zwischen Pächtern und Eigentümern gekommen sein.
„Mittlerweile werden wir boykottiert – auch von den Obingern selbst. Wir sind sehr enttäuscht von John und Rita sowie der Öffentlichkeit. Wenn die Wirtschaftlichkeit fehlt, sehen wir uns gezwungen, unsere Zelte hier abzubrechen“, sagen die neuen Pächter. Denn Benjamin Kekec und sein Partner Mehmet Aktürk fühlen sich nach eigenen Angaben „getäuscht“.
John und Rita Gonzalves seien als Eigentümer des Gebäudes dazu verpflichtet gewesen, bereits im Jahr 1993 eine Außentreppe als Fluchtweg zu errichten, wird ihnen von den Pächtern vorgeworfen. Diese und weitere Aussagen möchten die beiden Eigentümer nicht kommentieren, wie sie uns auf Nachfrage eindeutig zu verstehen geben.
Landratsamt
führte Kontrolle durch
Dass Veranstaltungen im Obergeschoss des Gasthofs „Zur Post“ aktuell nicht stattfinden dürfen, bestätigt Michael Reithmeier, Pressesprecher des Traunsteiner Landratsamts: Im Zuge des Pächterwechsels sei die Gaststätte in Obing durch die Bauaufsichtsbehörde routinemäßig überprüft worden. Bei der jüngsten Baukontrolle seien brandschutzrelevante Punkte festgestellt worden. Insbesondere entspreche die Situation der Flucht- und Rettungswege im Obergeschoss derzeit nicht vollständig den geltenden Anforderungen: „Für Bereiche mit Aufenthaltsräumen sind grundsätzlich zwei voneinander unabhängige Rettungswege erforderlich. Diese Voraussetzung ist für den Veranstaltungssaal aktuell nicht ausreichend erfüllt. Vor diesem Hintergrund wird die Bauaufsichtsbehörde vorsorglich die Nutzung des Saales bis auf Weiteres untersagen. Die Nutzung der Gaststätte im Erdgeschoss ist davon nicht betroffen und kann weiterhin erfolgen.“
Weiter erklärt Reithmeier: „Unabhängig vom bestehenden Bestandsschutz ist die Bauaufsichtsbehörde verpflichtet, bei möglichen Gefährdungen für Personen tätig zu werden. Brandschutzvorgaben dienen dabei dem Schutz von Gästen, Beschäftigten und Anwohnern und sollen im Ernstfall eine sichere Rettung gewährleisten. Daher wird die Situation nun gemeinsam mit fachkundigen Brandschutzsachverständigen eingehend geprüft.“
Auf dieser Grundlage werde entschieden, welche Maßnahmen erforderlich seien, um die Sicherheit dauerhaft zu gewährleisten und eine künftige Nutzung des Saales wieder zu ermöglichen. Ziel sei es, „gemeinsam mit allen Beteiligten eine tragfähige und rechtssichere Lösung zu finden“. Die Bauaufsichtsbehörde stehe hierzu in engem Austausch mit dem Eigentümer und dem Pächter.
Ist das Obinger
Vereinslokal Geschichte?
In den Augen von Obings Bürgermeister Josef Huber ist es ein trauriger Umstand, dass der Gasthof geschlossen ist und es offenbar zwischen dem Eigentümer und den neuen Pächtern zu einem solchen Clinch gekommen ist. Er weiß, dass mehrere Obinger Vereine auf der Suche nach einer neuen Location seien. Jahreshauptversammlungen, Auftritte, Stammtischtreffen – all das sei über Jahrzehnte hinweg „Beim John“ geschehen. „Für viele war das ihr Vereinslokal, das jetzt wegfällt. Wie es weitergeht, müssen wir abwarten. Es handelt sich um eine privatrechtliche Angelegenheit, dazu kann ich keine Aussage treffen.“
Alternative Gastronomien gebe es zwar in Obing, allerdings keine, die die notwendige Aufnahme von Vereinen stemmen könnten. Ob sich im neuen Eventsaal von Robert Grafetstetter und Michael Hechenberger neue Möglichkeiten ergeben könnten, ist aktuell ebenfalls in der Schwebe. Die Obinger selbst hoffen wohl darauf, dass es über kurz oder lang im Gasthof „Zur Post“ weitergeht.