Kommentar

Kommunikation ist alles

von Redaktion

Diese Kommunalwahl hatte es in sich: In den beiden größten Kommunen im Landkreis Mühldorf wurden die Bürgermeister abgewählt. In Mühldorf muss Michael Hetzl (UM), in Waldkraiburg Robert Pötzsch (UWG) den Rathaus-Sessel räumen. 

Eine Zäsur, denn dass Amtsinhaber von den Wählern vor die Tür gesetzt werden, gibt es selten. Schließlich haben sie den Amtsbonus: sechs Jahre lang im Fokus der Öffentlichkeit plus Chance, sich als Gestalter zu profilieren.

Warum haben es Hetzl und Pötzsch nicht geschafft? Liegt es bei Hetzl an der finanziellen Krise bei den Stadtwerken? Wohl nicht. Schließlich ist der Stadt kein Schaden entstanden.

Die Mehrheit der Wähler hat dem Mühldorfer Bürgermeister etwas anderes übel genommen: seine oft unzureichende Informationspolitik. Das Stadtwerke-Dilemma kommunizierte er erst auf Druck. Und in den zwei Wochen vor der Stichwahl trat er eine Kampagne gegen Mitbewerberin Claudia Hungerhuber (SPD) in den sozialen Netzwerken los. Sein Auftritt im Stadtsaal, wo er sich allein auf der Bühne sitzend ablichten ließ – wartend auf die Gegenkandidatin, die eine Podiumsdiskussion aus terminlichen Gründen abgesagt hatte – geriet zur Farce. Hungerhuber ließ sich nicht provozieren. Sie blieb bei ihrer Linie: sachlich, für mehr Miteinander werbend.

Dieser Stil hat sich also durchgesetzt. Die neue Bürgermeisterin muss nun die vielen Gräben, die sich in den vergangenen Wochen aufgetan haben, wieder schließen. Doch Hungerhubers Stil und die Tatsache, dass sie auch von der CSU und den Grünen getragen wird, sollten ihr helfen.

Robert Pötzsch (UWG) muss in Waldkraiburg ebenfalls aufhören. Ihm wurde, so wie Hetzl, seine Kommunikationspolitik zum Verhängnis: In Waldkraiburg war es der Umgang mit der schwierigen finanziellen Lage der Stadt. Der Sparkurs ist unpopulär, dem Bürgermeister fiel es sichtlich schwer, den Bürgern die notwendigen Entscheidungen zu erklären. Diesbezüglich wirkte er eher passiv.

Die Waldkraiburger wollen, dass jetzt ein neuer Chef im Rathaus das Ruder herumreißt. Emil Kirchmeier (CSU) tritt jedoch ein schweres Erbe an.

Unspektakulärer war der Kommunalwahlkampf in Töging (Landkreis Altötting). Hier sorgte aber der Krimi um zu spät zugestellte Briefwahlunterlagen für Aufruhr. Es gab zwei Bewerber, die im ersten Urnengang fast gleich viele Stimmen erhielten, mit Marco Harrer (SPD) und Daniel Blaschke (CSU) zwei Kandidaten in der Stichwahl, die sich in ihren politischen Aussagen nicht sehr voneinander unterschieden. Harrer hat sich durchgesetzt. In Töging kann er als Nachfolger von Dr. Tobias Windhorst (CSU) starten, ohne dass im Vorfeld viel Porzellan zerdeppert wurde. 

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