Schnaitsee – „Zwischen Bühne und Zeitung schrieb er sein eigenes großes Stück“ – diese sehr treffende Zeile konnten die vielen Trauergäste in der Pfarrkirche lesen, als das Sterbebild von Sepp „Ufo“ Unterforsthuber während der Trauermesse durch die Reihen ging. Ganz Schnaitsee verabschiedete sich von einem Unikat, das eine gewaltige Lücke hinterlässt.
Die Anteilnahme war in den vergangenen Tagen groß, schon zur Beisetzung war Schnaitsees Kirche voll besetzt. Zur Beerdigung kamen allein acht Fahnenbegleitungen, alle Vereine Schnaitsees waren vertreten und eine gewaltige Trauergemeinde mit Familie, Freunden und Weggefährten.
Pfarrer Mario Friedl, der Kirchenchor und Florian Jellbauer gestalteten einen sehr würdevollen Trauergottesdienst. In seiner Predigt zeichnete Pfarrer Friedl zunächst die wichtigsten Lebensdaten von „Ufo“ nach.
Ein Leben für
die Gemeinschaft
Als drittes Kind von Amalie und Andreas Unterforsthuber wurde er am 5. Februar 1955 geboren und wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in Kaltbrunn auf. Zeitlebens war er diesem Flecken Erde emotional eng verbunden. Nach der Hauptschule machte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei Edeka in Trostberg.
Da seine beiden älteren Geschwister für eine Hofübernahme nicht bereitstanden, sollte er den Betrieb weiterführen. Er besuchte dafür zunächst auch die landwirtschaftliche Winterschule, verzichtete schließlich zugunsten seiner jüngsten Schwester Rosa auf den Hof und zog in das Haus einer Tante in Schnaitsee. Nun war er mitten im Geschehen in Schnaitsee, wo er sich jahrzehntelang so wohlfühlte.
Mit Herzblut engagierte er sich in Vereinen, ganz besonders als Fußballer und Trainer beim TSV Schnaitsee und als Mitglied in der von ihm mitgegründeten Theatergemeinschaft Schnaitsee. Spätestens als er auch sein berufliches Wirken ganz ins Dorf verlegte, als Sportheimwirt und Lokaljournalist, wurde er zu einer Institution.
Einzigartig und
unersetzbar
„Jeder Mensch ist ersetzbar“, heißt es oft. „Nein“, meinte dazu auch Mario Friedl, „das stimmt nicht“. Jeder Mensch sei einzigartig, auf einen Menschen wie „Ufo“ treffe das besonders zu. „Wir spüren die Lücke, die nicht einfach auffüllbar ist.“
Josef Unterforsthubers Abschied kam schrittweise, aber er hat seine Rolle, die ihm von Gottes Regie zugeteilt wurde, bis zuletzt bestens ausgefüllt. Mit dem Zitat der Dichterin Marie Luise Kaschnitz „Wohl denen, die gelebt – ehe sie starben“ schloss der Pfarrer seine Ausführungen, die meditative Ziach-Musik von Florian Jellbauer ließ diese Worte im Stillen nachhallen.
Ein Mensch mit Ecken,
Kanten und großem Herz
Bürgermeister und enger Freund Thomas Schmidinger ergriff als erster Trauerredner das Wort. Auch er hob noch einmal hervor, wie vielfältig sich „Ufo“ in das Gemeindeleben eingebracht hat – auf seine Art. Er liebte das Leben und hat es intensiv gelebt, so Schmidinger. Ob es manchmal zu intensiv gewesen sei, wisse man nicht – „aber genau deshalb konnte er so begeistern und mitreißen“, so der Bürgermeister.
Die grandiose Faschingshochzeit 1990, die „Ufo“ zusammen mit seiner als BZJ bekannten ehemaligen Jugendmannschaft organisiert hatte, wäre ohne ihn nie möglich gewesen. Er war laut Schmidinger ein Mensch mit Ecken und Kanten, konnte stur sein, er hatte seinen eigenen Kopf. Und er war ein Mensch, dem Freundschaften wichtig waren – und diese pflegte er auch, so der Bürgermeister. Was bleibe, seien viele schöne Erinnerungen und die Vorfreude auf ein Wiedersehen.
Ein Gesicht für
den TSV Schnaitsee
„Dass Ufo heuer im Sommer das 100-jährige Jubiläum von seinem TSV nicht mehr miterleben darf“, bedauerte TSV-Vorstand Eric Löffelmann in seinem Beitrag besonders. Er habe so viele Funktionen im Verein ausgefüllt, manche auch parallel. Was er alles mit dem Sportverein erlebt habe, hätte auch für mehrere Leben gereicht: Jugendtrainer, Jugendleiter, Seniorentrainer, Abteilungsleiter, Ideengeber, Sportheimwirt und Pressewart. Der Verstorbene habe dem TSV über Jahrzehnte ein Gesicht gegeben. „Danke für alles – du wirst uns fehlen.“
Ein letzter Applaus
für den Theatermann
Theatervorstand Thomas Schachner stellte mit dem Zitat „Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist“ die letzten Lebensjahre von „Ufo“ heraus, die von Krankenhausaufenthalten und gesundheitlichen Rückschlägen geprägt waren. Umso intensiver waren die vielen Jahre seit 1975, als „Ufo“ mit Gleichgesinnten die Theatergemeinschaft aus der Taufe hob.
Für seine Mitspieler war es nicht immer einfach, da „Ufo“ seine Textpassagen oft sehr frei interpretierte. Als er später dann die Regie übernahm, ging er gerne neue Wege – auch gegen Widerstände. Aber der Erfolg gab ihm recht. Mit seinem Gespür für Szenen, der richtigen Besetzung, für Texte, Gestik und Mimik haben die Theaterer viel erreicht, betonte Schachner.
Mit den Worten „Ufo, du bist die Theatergemeinschaft – wir geben dir einen letzten Applaus“ brandete anhaltender Applaus im Gotteshaus auf, die eine oder andere Träne war da nicht mehr zu unterdrücken.
Ein freier Mensch
nimmt Abschied
Angeführt vom Musikverein Schnaitsee und den Fahnenabordnungen zog die Trauergemeinde zum Friedhof, ein letztes Geleit für einen großen Schnaitseer. Beim anschließenden Mahl beim Wirt gab es auch heitere Momente, das hätte ihn sehr gefreut, waren sich die Trauergäste einig. „Ufo“ hatte zeitlebens einen feinsinnigen, manchmal schwarzen, manchmal um die Ecke kommenden Humor. Auch sein Wortwitz war legendär, dem konnte man sich auch an seinem Beerdigungstag nicht entziehen.
An materiellen Dingen
keine Freude
Sepp Unterforsthuber war ein in Gänze freier Mensch. Als freiheitsliebender Mensch hat er sich den Verpflichtungen eines Bauernhofes oder einer eigenen Familie entzogen, so seine Wegbegleiter. Als Freiberufler habe er seine Hobbys zum Beruf gemacht. Als Freigeist hatte er immer wieder neue Ideen für Schnaitsee. Als freigiebiger Mensch konnte er viel geben, an materiellen Dingen hatte er selbst keine Freude, so das Resümee. Und so gerne er auch die Gesellschaft, zum Beispiel am Ederer-Stammtisch oder im Sportheim, schätzte, so nahm er sich doch immer wieder die Freiheit, in einem mehrwöchigen Urlaub zur Ruhe zu kommen und empfänglich zu sein für neue Ideen.