Traunstein – Dass die unsichtbaren Industrierückstände nicht an der Landkreisgrenze haltmachen, war vielen Experten klar. Doch wie belastet ist der Chiemgau wirklich? In der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses legte Gesundheitsamtsleiter Wolfgang Krämer die Karten auf den Tisch. Auf Anfrage der Grünen-Fraktion präsentierte er eine umfassende Bestandsaufnahme der sogenannten PFAS-Stoffe im Landkreis Traunstein.
Karpfen mit hohen
PFAS-Konzentrationen
Diese per- und polyfluorierten Alkylverbindungen sind aufgrund ihrer extremen Stabilität berüchtigt. „Ihre Halbwertszeit in der Natur ist ewig“, betonte Krämer in seinem Vortrag. Da einige dieser Stoffe als krebserregend klassifiziert sind und die Fortpflanzung schädigen können, blickte der Ausschuss gespannt auf die Messergebnisse. Im Fokus stand dabei auch der Vergleich zum Nachbarlandkreis Altötting, wo PFAS-Altlasten seit Jahren die öffentliche Diskussion beherrschen. Für die Bürger im Landkreis Traunstein hatte Krämer zunächst eine beruhigende Nachricht im Gepäck: Das Trinkwasser ist sicher. Im Jahr 2024 wurden alle 60 zentralen Versorgungsgebiete flächendeckend untersucht. Das Ergebnis war eindeutig: Es gab keine einzige Überschreitung der Grenzwerte. Damit erfüllt der Landkreis bereits heute die strengen EU-Vorgaben, die schrittweise bis 2028 in Kraft treten werden.
Dass die Belastung im Trinkwasser gegen null geht, ist der wichtigste Faktor für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Während im Nachbarlandkreis Altötting im Chemiedreieck regelmäßig über Sanierungsmaßnahmen debattiert werden muss, bleibt die Lage im Traunsteiner Leitungsnetz entspannt.
Trotz der allgemeinen Entwarnung gibt es jedoch einen lokalen Ausreißer: die Götzinger Achen bei Fridolfing. Im Rahmen eines Monitorings des Wasserwirtschaftsamtes wurden dort Fische entnommen und im Labor analysiert. Bei den sogenannten Karpfenartigen (Cypriniden) wurden PFAS-Konzentrationen im Mittelwert von 2,7 Mikrogramm pro Kilogramm festgestellt, die über dem zulässigen EU-Grenzwert von zwei Mikrogramm pro Kilogramm liegen. „Diese Fische dürfen damit nicht in den Verkehr gebracht werden“, stellte der Amtsleiter klar. Da es an der Götzinger Achen keine Berufsfischer gibt, hat dies keine wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel. Für Hobbyfischer bedeutet es jedoch Vorsicht: Ein Verkauf der Fangbeute ist untersagt, lediglich der Verzehr im eigenen Haushalt bleibt eine private Entscheidung.
Rätselhaft bleibt indes die Ursache für den Fund. „Wir können derzeit nicht feststellen, woher diese Belastung kommt“, räumte Krämer ein. Da die Chemikalien über Jahrzehnte in unzähligen Branchen legal eingesetzt wurden, lässt sich kein eindeutiger Verursacher ausmachen.
Burgi Mörtl-Körner (Grüne) hakte kritisch nach, ob die Stoffe trotz der eingehaltenen Grenzwerte im Trinkwasser vorhanden seien. Krämer bestätigte, dass Spuren aufgrund der feinen Sensorik fast überall nachweisbar seien, diese aber weit unter jeder gesundheitlichen Relevanz lägen. Die Messmethoden seien mittlerweile so präzise, dass man laut Krämer theoretisch „ein Paket Zucker im gesamten Chiemsee“ nachweisen könnte.
Abschließend fasste Krämer die konkreten Einschränkungen für Lebensmittel im Landkreis zusammen: Während Fleisch von Rindern, Schweinen oder Schafen nach aktuellem Kenntnisstand unauffällig ist, gibt es punktuelle Vorsichtsmaßnahmen. Neben dem Verkaufsverbot für Karpfenartige aus der Götzinger Achen betrifft dies vorwiegend Wildschweine: Hier rät das Landesamt für Gesundheit (LGL) bayernweit generell vom Verzehr der Leber ab. Ein freiwilliges Screening von Wildschweinfleisch im Landkreis brachte jedoch keine auffälligen Ergebnisse.
Ursache schwer
herleitbar
Für den Verbraucher im Landkreis Traunstein bleibt das Fazit damit durchweg positiv: Das Trinkwasser glänzt mit hervorragenden Werten, bei regionalem Wildfang aus spezifischen Gewässern wie der Götzinger Achen ist jedoch Aufmerksamkeit geboten. Der Ausschuss nahm den Bericht einstimmig zur Kenntnis.