Wasserburg – Die Idee hinter dem Treffen am vergangenen Montagabend, das erstmalig in der Innstadt stattfand: Eine Austauschplattform ins Leben zu rufen, um einander zu unterstützen. Einzelhändler sollen bei aktuellen sowie zukünftigen Problemen Beistand aus den eigenen Reihen bekommen.
Gemeinschaftliche
Aktionen schlagen ein
Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten des Handels werden immer vielfältiger und umfangreicher. Die Chance, die Arnold sieht: die Betrachtung des Gesamtpakets Wasserburgs. Der Zusammenschluss innerhalb der Gewerbetreibenden sei „immens wichtig“. Schließlich lebe der Charme der Stadt nicht nur von historischen Gebäuden, sondern vor allem von einem aktiven und echten Leben: „Die Leute kommen gerne zu uns, darauf können wir alle stolz sein.“
Damit das auch so bleibt, ist es Arnold wichtig, dass die Einzelhändler sich nicht als Konkurrenz betrachten, sondern sich zusammenschließen, gegenseitig helfen und voneinander lernen. Gemeinschaftliche Aktionen wie das Arkadenfest oder der Hofstatt-Strand finden zum Wohle aller statt und boomen.
Diese Ansicht bekräftigt Manuela Rechenauer vom „Bohnenröster“. Seit 20 Jahren betreibt sie ihr Geschäft rund um Kaffee, Tee und Kulinarik am Marienplatz. Manches sei bereichernd, manches enttäuschend gewesen, resümiert sie die vergangenen Jahre. Den „Stammtisch“ aber sieht sie als große Chance, sich kennenzulernen und Kontakte auszutauschen: „Ich glaube, es funktioniert nur, wenn wir alle zusammenhalten. Wir sind keine Einzelkämpfer, im Gegenteil: Wir sollten uns die Kunden gegenseitig zuschicken und sie ermutigen, auch beim Nachbarn zu kaufen.“
Heutzutage käme niemand mehr am Thema Digitalisierung vorbei: „Genauso wichtig wie die Kundenbindung vor Ort mit familiärer Atmosphäre und Beständigkeit ist unsere digitale Sichtbarkeit. Posts und Re-Posts auf den Social-Media-Kanälen, aktuelle Infos auf der Homepage – das ist der Handel der Zukunft.“
Stichwort für Stefan Gartner vom gleichnamigen Versandhandel: Sein Kerngeschäft ist seit vielen Jahren Dialogmarketing. Gemeinsam mit Stefan Antonelli hat er es sich auf die Fahnen geschrieben, kleinere mittelständische Unternehmen online und offline mit KI zu verknüpfen. Darüber wird es im April eine gesonderte Infoveranstaltung geben.
In einem Punkt waren sich die Geschäftsleute einig: Im seltensten Fall geht es nur um den Preis, sondern vielmehr um das Gefühl: „Da kümmert sich wer um mich und steht mir beim Einkauf mit Rat und Tat beiseite.“ Die Option, dank der Neuregelung des Ladenschutzgesetzes „Shopping-Nights“ auszubauen, wurde so ziemlich von allen begrüßt.
Laut Arnold wären lange Verkaufsabende bis 24 Uhr theoretisch bis zu zwölfmal im Jahr – also einmal pro Monat – möglich. Zu den genauen Daten soll eine Umfrage unter den Einzelhändlern erstellt werden. Favorisiert wurde bereits ein Termin im November, zum Start des Weihnachtsgeschäfts, wenn die Menschen gezielt die Läden ansteuern und die Eisbahn viele in die Altstadt lockt. Weil man umfangreichen Events wie „Wasserburg leuchtet“ oder dem Nachtflohmarkt keine Konkurrenz machen wolle, sprach man sich außerdem für einen Termin im August aus, wenn die Abende sommerlich und lange hell sind und zahlreiche Touristen durch die Altstadt-Gassen flanieren.
Es entwickelte sich eine rege Diskussion zwischen den Einzelhändlern, die überlegten, wie eine lange Einkaufsnacht idealerweise veranstaltet werden könnte. Am besten als Ergänzung oder zur Überbrückung, wenn die Leute sich beispielsweise in der Stadt zum Essen verabreden und wegen der Parkplatzsuche ohnehin ein bisserl eher den Weg in die Stadt einschlagen und vorher bummeln.
Hildegard Wimmer von der Buchhandlung „Fabula“ schwärmte vom letzten langen Verkaufsabend im November: „Die Leute haben richtig eingekauft, so, wie man es früher von Weihnachtseinkäufen kannte. Das wurde hervorragend angenommen, vor allem bis 22 Uhr. Wichtig ist nur, vorab ausreichend zu informieren, wann genau diese Abende stattfinden.“
Patrick Thaller von „Steffis Feinkostfassl“ sprach sich dafür aus, diese Abende nicht mit anderen Veranstaltungen in der Stadt zusammenzulegen, sondern sie lieber zu separieren. Dies erleichtere es den Leuten, gezielt Geschäfte ansteuern zu können, separat einzukaufen und nicht ständig auf die Uhr schauen zu müssen, wann sie weiterziehen sollten, um nichts zu verpassen.
Sibylle Schuhmacher, Inhaberin des „Innkaufhaus“ und WFV-Mitglied, sei „offen für alles, Hauptsache, alle machen mit, nur dann ist es sinnvoll“.
Anne Donath von „Pfeiffer am Rathaus“ schlug dieselbe Richtung ein und plädierte dafür, wirklich jeden ins Boot zu holen. Schließlich müssten Aktionen oder besondere Events auch in die kleineren Gassen durchdringen, damit man gegenseitig füreinander werben könne. Wichtig sei zudem, dass nicht nur zentrale Plätze angesteuert werden wie rund ums Rathaus, sondern auch die kleineren Läden in den versteckten Gassen abseits des Altstadtkerns Gehör finden und eingebunden werden.
Die Betreiber des Sanitätshauses Merzendorfer sprachen sich dafür aus, mehr Werbung in den Kliniken in und um Wasserburg für die Geschäfte in der Stadt zu machen. So könnten sie Patienten, die ohnehin zu ihnen kommen, zum Stöbern weiter konkret zu bestimmten Läden schicken.
Claudia Uth vom „Concept Store all about living“ war es ein Anliegen, die Bedürfnisse der Jüngeren nicht außen vor zu lassen.
Die Betreiber des „Weltladens“ indes sahen sich im Zwiespalt, wie lange es noch weitergeht mit dem ehrenamtlichen Geschäft – der älteste Verkäufer sei weit über 80 Jahre alt und junge kämen kaum nach. Sie warfen den Gedanken in den Raum, ob Wasserburg den „Weltladen“ überhaupt noch will. „Freilich“, kam die Antwort darauf wie aus der Pistole geschossen aus den Reihen der Einzelhändler.
Mehr Austausch,
mehr Netzwerk
Fazit des ersten Einzelhandelsdialogs: Der Zusammenhalt zwischen den Geschäftsleuten ist in der Innstadt zwar definitiv vorhanden, dennoch haben die Einzelhändler das Ziel vor Augen, sich besser zu vernetzen, sich auszutauschen und sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. Fest steht wohl, dass dies nicht das letzte Zusammentreffen der Einzelhändler in Wasserburg war.