Widerstand gegen Kiesgrube formiert sich

von Redaktion

Die geplante Kiesgrube in Schatzwinkel sorgt für großes Interesse in Unterreit. Zur jüngsten Sitzung des Gemeinderats kamen über 40 Besucher, um die Debatte über den geplanten Abbau zu verfolgen. Betroffene Bürger hatten dem Gremium zuvor ein Schreiben mit ihren Bedenken überreicht.

Unterreit – Der zur Debatte stehende geplante Kiesabbau nahe Schatzwinkel durch die Ameranger Firma Kerstens war insbesondere aus Sicht einer Reihe von dort lebenden Bürgern sicherlich der zentrale Tagesordnungspunkt der Sitzung.

Bereits bei einer entsprechenden Informationsveranstaltung in Oberreith hatten sich viel Skepsis und Ablehnung hinsichtlich des Projekts artikuliert. Die unmittelbar Betroffenen hatten sich nunmehr mit einem von 28 Personen unterzeichneten Schreiben an Bürgermeister und Gemeinderat gewandt und in diesem erneut ihre Besorgnis und ihre ablehnende Haltung zum Ausdruck gebracht.

Einleitend heißt es in ihrem Brief, der dem OVB vorliegt: „… für uns als Betroffene und auch viele Gemeindebürger ist es kaum nachvollziehbar, wie auf einer derart offenen Freifläche in unmittelbarer Nähe zu einem bestehenden Wohngebiet ein Kiesabbau genehmigt werden könnte.“

Schwerlastverkehr,
Natur- und Artenschutz

So liege das nächste Wohnhaus nur etwa 50 Meter von der geplanten Abbaufläche entfernt und auch weitere Wohngebäude in der Nähe könnten von Emissionen wie Lärm, Erschütterungen sowie Staubwolken und nicht zuletzt von Veränderungen beim Grundwasserspiegel negativ betroffen sein.

Der zu erwartende Schwerlastverkehr würde nicht nur die Anrainer, sondern auch die gesamte Gemeinde Unterreit betreffen. Darüber hinaus wird der Natur- und Artenschutz angeführt und konkret auf die dort lebende Tierwelt hingewiesen, die in dem intakten und gewachsenen Bodenökosystem vorkäme.

Ein Passus lässt die Abwehrhaltung der Betroffenen nachvollziehbar erscheinen: „Die Fläche wurde über einen Zeitraum von 30 Jahren nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Über Jahrzehnte wurde dieser Boden sorgfältig, nachhaltig und im Sinne ökologischer Landwirtschaft gepflegt. Nun soll diese gewachsene Bodenstruktur durch den Kiesabbau tiefgreifend umgegraben und dauerhaft verändert werden.“

Abschließend wird auf die Vorbelastung der Region durch mehrere schon bestehende Kiesabbaugebiete hingewiesen, die man möglicherweise noch ausweiten könnte. Der Gemeinderat wird eingeladen, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. Es hat auch bereits einen Ortstermin mit Vertretern unterschiedlicher Behörden und der Firma Kerstens stattgefunden. Dabei waren erste Planungsunterlagen vorgestellt worden. Ein Abgrabungsantrag liegt aber bisher nicht vor. Daher wurde die Gemeinde auch noch nicht in das offizielle Beteiligungsverfahren eingebunden.

Der Gemeinderat sprach sich daher in seiner Sitzung, anknüpfend an eine Anregung im Schreiben der Betroffenen, einstimmig für eine Änderung des Flächennutzungsplans im Hinblick auf die klare Ausweisung von Vorrangflächen für den Kiesabbau aus. Dies solle aber auf der Basis einer geeigneten Grundlage geschehen. Es sollen daher Angebote qualifizierter Planungsbüros eingeholt werden, um eine einfache Übersicht zu Wasserschutzgebieten, bodendenkmalgeschützten Bereichen und naturschutzrelevanten Flächen zu erarbeiten. Zudem sollen die derzeit schon bestehenden Kiesabbauflächen dargestellt werden.

Weitere Themen
auf der Agenda

Vor der Kiesgrubendebatte segnete der Gemeinderat ein Bauvorhaben ab: Ein Landwirt aus Edenhub in der Gemarkung Wang hatte einen Antrag auf Baugenehmigung für eine Erweiterung des bestehenden Milchviehstalls mit Laufhof gestellt.

Das geplante Vorhaben befindet sich zwar im Außenbereich, ist aber laut Baugesetzbuch privilegiert, da es einem landwirtschaftlichen Betrieb dient und nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche einnimmt. Da auch die erforderlichen Erschließungsmaßnahmen gewährleistet sind, wurde einstimmig das Einverständnis der Gemeinde für das Vorhaben erteilt, für die Baugenehmigung ist dann das Landratsamt zuständig.

Rein informatorischen Charakter hatte der nächste Tagesordnungspunkt, der sich mit dem Nachwuchs beschäftigte: Dem Gremium wurden die Anmeldezahlen für das neue Kindergartenjahr für den Kindergarten St. Elisabeth und die Krippe sowie für den Naturkindergarten vorgelegt.

Für den Kindergarten in Unterreit blieben diese sehr stabil und weisen für die nächsten Monate noch eine steigende Tendenz auf. Ab April werden 53 Kinder den Kindergarten und die Krippe besuchen. Diese Zahl wird sich bis zum April 2027 möglicherweise auf 61 erhöhen.

Auch für den Naturkindergarten sind die Anmeldezahlen hoch, er wird offenkundig von den Familien sehr gut angenommen. Derzeit sind ab April 18 Kinder angemeldet, ab Januar werden es voraussichtlich 20 sein. Damit ist die genehmigte Maximalauslastung erreicht, die noch die Einstellung einer weiteren Fachkraft erforderlich gemacht hat.

Wildpark plant
Baumaßnahmen

Abschließend war sich das Gremium einig, dass die Kosten für die Errichtung einer Löschwasserentnahmestelle in Oberreith in Höhe von circa 7.000 Euro von der Gemeinde übernommen werden sollen, da dies die Löschwasserversorgung und damit den Brandschutz vor Ort deutlich verbessern würde.

Thomas Mittermair vom Wildpark Oberreith stellt dafür seinen privaten Löschwasserbehälter, eine ehemalige Jauchegrube mit einem Fassungsvermögen von 350 Kubikmetern, kostenlos zur Verfügung.

Ebenfalls um den Wildpark ging es in einem gesonderten Tagesordnungspunkt: Die Planungen für die Baumaßnahmen beim Wildpark Oberreith sollen weiter vorangetrieben werden. Damit sollen die Verkehrs- und Parksituation verbessert, neue Attraktionen geschaffen und die Zukunftsfähigkeit des Parks gesichert werden.

Dazu sind Änderungen des Flächennutzungs- und des Bebauungsplans erforderlich, die nunmehr dem Gemeinderat zur Abwägung und Feststellung vorlagen, welche nach detaillierter Würdigung aller relevanten Aspekte und Stellungnahmen schließlich einstimmig beziehungsweise mit einer Gegenstimme angenommen wurden.

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