Wasserburg – Es sieht nicht gut aus beim Basketball-Fanclub „Wasserburger Lions“. Dem im Jahr 2023 gegründeten Verein mit dem mächtigen Partner TSV 1880 Wasserburg an der Seite droht das Ende. Das Problem: Für den Vorstand gibt es keine Nachfolger.
Verein hat
255 Mitglieder
Zu seiner Blütezeit im Jahr 2018 hatte der Fanclub fast 330 Mitglieder – seinerzeit war es der größte Damenbasketball-Fanclub in Deutschland – im Jahr 2026 sind es noch 255. Wolfgang Tschentscher (76), seit 20 Jahren Vorsitzender und von Wegbegleitern als Institution bezeichnet, hat angekündigt, bei der nächsten Jahreshauptversammlung am Donnerstag, 9. April, sein Amt abzugeben. Auch Gitti Aversano, die Zweite Vorsitzende, und Kassier Peter Maurer haben ihren Rücktritt angekündigt. Allenfalls als Beisitzer würde Tschentscher noch zur Verfügung stehen. Ende vergangenen Jahres hatte er einen beinahe verzweifelten Appell an seine Mitglieder gerichtet: „Sollte sich niemand finden, der bereit ist, sich im Fanclub-Vorstand einzubringen, dann droht die Auflösung des Vereins nach 23 Jahren erfolgreicher Arbeit! Das sollten wir unbedingt verhindern!“
Hat sich wenige Tage vor dem Vereinstreffen jemand auf dieses Schreiben gemeldet? Tschentscher hatte leider keine guten Nachrichten: Niemand habe den Finger gehoben. Doch die Hoffnung hat er nicht ganz aufgegeben. „Wir sind aber dabei, gezielt mit Leuten zu reden, die bereit wären, weiterzumachen. Es ist aber schwierig, dafür jemanden zu finden. Bisher haben uns alle abgesagt.“
Dabei ist Tschentscher bestens vernetzt: Er ist Mitglied bei der Gewerkschaft Verdi, er sitzt im Beirat der Stadtsenioren Rosenheim und gehört mehreren anderen etablierten Vereinen an: dem TSV Wasserburg natürlich, dem Fanclub FC Bayern Wasserburg, dem Eigenheimer-Verein Wasserburg, dem Gartenbauverein und dem Heimatverein.
Als Grund für den Niedergang des Fanclubs nennt Tschentscher in erster Linie die Corona-Pandemie. „Die hat uns immens geschadet.“ Das Standbein des Vereins, hauptsächlich Busfahrten zu den Auswärtsspielen in der Liga oder im Pokal, sei damit weggebrochen.
„Es gab Jahre, da hatten wir bis zu neun Fahrten, deutschlandweit“, berichtet Tschentscher. Zu allem Unglück sei neben Corona im Jahr 2022 auch noch der Abstieg aus der 1. Liga dazugekommen. „Das hat alles verändert“, so der Fanclub-Vorsitzende. Im gleichen Atemzug betont er die Bedeutung des Fanclubs für den Basketballsport in Wasserburg: „Die Leute, die in der Halle am Spieltag Vorbereitungsarbeiten leisten, sind zum größten Teil aus dem Fanclub gekommen.“ Und er fährt fort: „Es wäre höchst nachteilig, wenn es uns nicht mehr gäbe.“ Es sei der Fanclub, der für die Bekleidung sorge, für die Schals, für Kappen. „Die Sachen haben wir alle selber gemacht“, so Tschentscher.
Noch beteiligt sich die Fanvereinigung an den Reisekosten. Zu Ostern etwa gibt es die traditionelle Busfahrt nach Wien zu einem internationalen Basketball-Jugendturnier. In drei Fällen zahle der Fanclub einen Zuschuss.
„Ein herber Schlag“ für
den Basketballstandort
Sarah Bartholdt, die zusammen mit Jakob Schedel die Basketballabteilung des TSV führt, hat sich in die Suche nach einem Vorstand für den Fanclub eingeschaltet. Es gehe darum, möglichen Kandidaten die Ängste vor der Aufgabe zu nehmen. Die prima Stimmung am Wasserburger Basketball-Standort sieht sie als ein wesentliches Verdienst des Fanclubs. Ausdrücklich lobt sie die Unterstützung der Jugend, die der Verein leistet: „Das ist wirklich toll.“ Es wäre ein herber Schlag, wenn sich der Fanclub, eine tragende Säule des Wasserburger Basketballs auflösen müsste, sagt Bartholdt.