Teising – Raps ist ein empfindliches Pflänzchen, hält aber auch viele Wetterkapriolen aus. Deshalb konnten die Rapsbauern der Region 2025 eine hervorragende Ernte mit hohem Ölgehalt zu guten Preisen absetzen. Sie blicken nach einer Normalisierung bei der Lagerhaltung entspannt ins laufende Jahr, weil Fröste am Jahresanfang die Schädlinge erst einmal im Zaum hielten.
Diese Bilanz zogen Ludwig Seidl und Georg Maier, gleichberechtigte Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Inn-Salzach bei ihrer Jahresversammlung im Reiterwirt.
„Derzeit beobachten wir eine deutliche Ausweitung des Rapsanbaus“, berichtete Ludwig Seidl. „Raps ist neben Mais noch eine Frucht, die sich rentiert. Ihr Erzeugerpreis liegt beim 2,5-fachen des Weizens, der zugegebenermaßen nicht hoch ist.“ Viele Landwirte wechselten nach dem Auslauf der Einspeisevergütung ihrer Biogasanlagen nun von Mais auf Raps. Der Preis ihrer Ölfrucht scheine sich gerade zu stabilisieren, doch brächten der Krieg im Iran und die wenig beachtete Auseinandersetzung zwischen Pakistan und Afghanistan sowie die unberechenbare deutsche Politik einige Unsicherheit.
Laut dem Geschäftsbericht von Georg Maier hat die Erzeugergemeinschaft 2025 ihre 146 Mitglieder gehalten und für sie 2.300 Tonnen vermarktet – im Vorjahr waren es noch 1.620 Tonnen gewesen. Der durchschnittliche Ölgehalt sei um fast zwei Prozent auf 45,70 Prozent gestiegen. „Das macht ein schönes Geld aus“, sagte der Vorsitzende. Die Anbaufläche für Raps sei im Landkreis Mühldorf um 8,5 Prozent auf 1.273 Hektar zurückgegangen. Bei der Sojavermarktung, die seit 2020 mitbetrieben wird, sei die Anbaufläche im selben Zeitraum stark zurückgegangen. Nach einem gemeinsamen Rückblick von Maier und Seidl auf ihre 21 Jahre als Vorsitzende der seit 41 Jahren bestehenden Erzeugergemeinschaft leitete Alfons Mittermaier die Neuwahl der Vorstandschaft ein. Er betreut seit 2025 die Rapserzeuger beim Maschinen- und Betriebshilfsring Altötting-Mühldorf. Für die nächsten fünf Jahre wurden Florian Reiter aus Garching an der Alz zum Vorsitzenden und Reinhard Wimmer aus Winhöring zum Stellvertreter gewählt. Unterstützt werden sie von den sechs Beisitzern Georg Maier (Garching an der Alz), Ludwig Seidl (Burghausen), Hans-Jörg Steinberger (Rattenkirchen), Matthias Handwerker (Unterneukirchen), Georg Hechfellner (Mettenheim) und Erwin Rost (Unterneukirchen).
Ratschläge für den Rapsanbau erhielten die fast nur männlichen Besucher von Johannes Holzhauser und Franz Unterforsthuber von der Rapool Saatenunion, bevor Martin Lutz von BASF ein Software-Programm zur digitalen Dokumentation der Aussaat, der Düngung und des Pflanzenschutzes erläuterte. Es soll auch beim Pflanzenschutz gegen 29 Erreger in acht Kulturen zur richtigen Zeit helfen. „Am schlechtesten ist es, zu schauen, ob der Nachbar schon spritzt“, sagte der Referent. „Das System errechnet, wie lange die dokumentierten Mittel wirken und die Pflanzen schützen.“
Zu später Stunde sorgte Benno Steiner mit seinem locker-flockigen Hauptreferat über den Umbruch in der Agrarpolitik der EU für hohe Aufmerksamkeit. Er ist seit 1984 als Agrarberater tätig und machte die Landwirte darauf aufmerksam, dass ihre Investitionen in vielen Fällen noch nicht abbezahlt seien, während schon die nächsten anstünden. „Von Mehreinnahmen bleibt ihnen oft nur ein Drittel neben dem Kapitaldienst, Pachten und weiteren Kosten, sodass sie oft kaum mehr Ertrag als vorher erzielen“, mahnte er. „Wer noch auf Subventionen baut, sitzt morgen auf einem wackeligen Fundament.“ Die EU werde ihre Agrarförderung nämlich auf jeden Fall ändern.
Steiner machte fünf große Treiber des Wandels aus, die auch noch gleichzeitig wirksam würden – in der Politik, der Wirtschaft, beim Klima, in der Gesellschaft und der Technologie. Besonders gefährdet seien nun mittlere Betriebe ohne klare Strategie. Es gelte, auf die Fixkosten zu schauen, den Betrieb zu optimieren und sich zu spezialisieren, was aber nicht heiße, nun noch einen weiteren Hofladen oder ein Hofcafé aufzubauen oder Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten. „Überlegen Sie, worauf Sie aufbauen können“, riet Steiner. „Man braucht dazu jemanden, der einem dabei hilft, herauszufinden, was er bereits besitzt.“ Damit meinte er nicht die eigenen oder gepachteten Flächen oder die oft mehrere Hunderttausend Euro kostenden Maschinen, sondern die Stärken der eigenen Familie.