Haag – Der 1897 gegründete Haager Arbeiter-Kranken-Unterstützungs-Verein (AKUV) hat nun Einzigartigkeitsstatus: Er ist der einzige in Bayern verbliebene traditionelle Versicherungsverein. Zur Zukunftssicherung wird am Sonntag eine neue Satzung beschlossen.
Nun bestätigte auch die Regierung, die für den Verein als Aufsichtsbehörde zuständig ist, dass der örtliche AKUV der letzte in Bayern verbliebene Traditionsverein ist. Das berichtet Vorsitzender Josef Hederer und lädt für kommenden Sonntag, 29. März, um 15 Uhr ins Rosenberger Stüberl zur Generalversammlung. Dabei wird neben Berichten der Vorstandschaft und Wahlen unter anderem eine neue Satzung beschlossen, die aktuelle Richtlinien laut Vorgaben der Regierung beinhaltet und die Zukunft des Arbeiter-Kranken-Unterstützungs-Vereins (AKUV) sichern soll.
Die Definition der „Arbeitervereine“ beschreibt die zuständige Regierungsbehörde als Organisationen, die um die Wende zum 20. Jahrhundert gegründet wurden, um Arbeiter, meist Taglöhner, im Ernstfall von Krankheit zu unterstützen. „Lohnausfall durch Krankheit konnte damals die betroffene Familie in Not stürzen“, zitiert Josef Hederer. Die Arbeiter-Kranken-Unterstützungsvereine seien hauptsächlich in Gemeinden mit hohem Arbeiteranteil ins Leben gerufen worden, so 1897 auch Haag.
Das Krankengeld sei nicht üppig gewesen, habe aber ausgereicht, um die schlimmste Not zu lindern. Dafür zahlten die Mitglieder eine Eintrittsgebühr und einen Beitrag „von wenig Pfennigen“. Im Todesfall habe der Verein den Hinterbliebenen bei den Beerdigungskosten geholfen. Um Missbrauch zu verhindern, habe es damals noch Krankenkontrolleure gegeben, die Hausbesuche durchführten. Für Haag sei das „Begräbnis dritter Klasse“ beglichen worden, so Hederer. Die letzten in Bayern verbliebenen AKUV-Traditionsvereine Abensberg, Wartenberg und Aub haben sich nun auch aufgelöst.
Schriftführer Ludwig Meindl verwahrt im Archiv sechs Originalsatzungen aus den Jahren 1897, 1900, 1959 und 1970. Die neue Satzung hebt für den Versicherungsverein die Altersgrenze zum Beitritt auf, definiert das Einzugsgebiet neu auf die Grenzen der ehemaligen Grafschaft Haag und gestaltet die Vorstandschaft schlanker. Josef Hederer ist überzeugt von diesem Schritt: „Durch diese Verbesserung soll der Solidaritätsgedanke für die nächsten Generationen gesichert werden.“ Das bringe dem AKUV eine Aktualität, die ihn auch für neue Mitglieder attraktiv mache.
Bereits zur vorbereitenden Sitzung beschloss die Vorstandschaft, den historisch originalen „Zweck des Vereins“ aufzunehmen, der heißt: „Der Verein will „den sittlichen Gesellschafts- und Gemeinsinn unter den Vereinsmitgliedern fördern.“ Der Untertitel der Satzung lautet: „Versicherungs-Verein auf Gegenseitigkeit.“ Das Siegel ziert der Haager Schimmel. 1945 zeichnete die „revidierte“ Satzung der langjährige Vorsitzende Josef Mittermeier. Er erhielt für seine „Müheverwaltung“ pro Jahr eine Entschädigung von 30 Reichsmark. Der letzte Satz, Paragraf 28, hieß: „Politik bleibe dem Vereine fern.“ xy