Bairisches Hallelujah-Cover geht viral

von Redaktion

Paula Langer aus Albaching und Linda Karl aus Oberreith leben ihre Leidenschaft zum Singen auf Hochzeiten, Events oder Taufen aus. Die meisten Buchungen kommen über Instagram, wo eine besondere „Hallelujah“-Version von ihnen auf einen Schlag viral ging.

Unterreit/Albaching – Die Anfänge ihres musikalischen Business gehen einige Jahre zurück, als Paula Langer und Linda Karl sich im Abiturjahr in der 13. Klasse angefreundet haben. „Wir haben schnell erkannt, dass wir zusammen super harmonieren“, erinnert sich Paula Langer. Linda Karl ergänzt, damals hätten sie schon auf der Abschlussfeier gesungen. Vereinzelt erreichten sie danach vage Anfragen für Auftritte auf Taufen oder Hochzeiten. Und so fiel der Startschuss für die beiden, offiziell zu besonderen Anlässen zu singen.

Begehrt sind deutsche und

bairisch-tirolerische Lieder

Ihre ersten Lieder waren „Wild‘s Wasser“ von „Seer“ und das Duett von Bradley Cooper und Lady Gaga, „Shallow“. Linda Karl übernimmt die Hauptstimme, Paula Langer (23) singt die Ober- und Unterstimme und spielt Gitarre. „Das hat von Anfang an gepasst und bei diesem Konzept ist es bis heute geblieben“, erzählt die 24-jährige Karl. Welche Songs bei den Auftritten je nach Anlass funktionieren, da sind sie sich schnell einig, sagt Langer.

Ihren persönlichen Lieblingssong bildet „So wia de Sunna scheint“ von „Alpensound“. „Der ist fetzig und passt immer“, lautet die knappe Erklärung. Klassische Hochzeitslieder sind „Loan di o“ von den „Bayerischen Löwen“, „Ehrenwort“ von den „Fäaschtbänkler“ und „Leiwand“ von „Edmund“.

Bei Taufen bevorzugen die Gäste „Wunder“ der Band „Tschentig“ oder den Klassiker „Hallelujah“ in sämtlichen Variationen. Am gefragtesten sind deutsche und bairisch-tirolerische Lieder. Die zwei Freundinnen sind aber offen für alles, haben schon auf Spanisch gesungen.

Die bairische Version von „Hallelujah“ hat vor allem auf Instagram eingeschlagen: 1,5 Millionen Mal wurde das Video aufgerufen. Noch immer unglaublich für die beiden Musikerinnen. Auch wenn sie mit einem solchen Erfolg nicht gerechnet hätten, heutzutage geht kein Weg an Social Media vorbei: Den ersten Post veröffentlichten die beiden im Juli 2022. Ihren Content produzieren sie selbst, überwiegend Videos ihrer Gesangseinlagen im Duett. Ein paar Weihnachtssongs stammen aus ihrer eigenen Feder, den Hauptteil bilden Coverversionen.

95 Prozent der Anfragen erreichen die Mädels über die Plattform Instagram, wo die beiden inzwischen mehr als 43.000 Follower haben. Der Rest wird über engere Bekanntenkreise und Mundpropaganda auf die jungen Sängerinnen aufmerksam.

Videos drehen und hochladen, Nachrichten zeitnah beantworten, fast jedes Wochenende Auftritte in der Region und darüber hinaus: Dass ihr Nebenjob zum Studium zeitaufwendig ist, streiten die beiden angehenden Lehrerinnen nicht ab. „Es steckt eine brutale Leidenschaft dahinter und es bereitet uns eine Menge Spaß. Was gibt‘s Schöneres, als dieses Hobby mit der besten Freundin auszuleben und nebenbei ein bisserl Geld zu verdienen?“, stellt Paula Langer als Frage in den Raum. Ihr Blick wandert dabei mit einem breiten Grinsen zu Linda Karl, die zustimmend nickt.

Im vergangenen Jahr absolvierten sie 68 Auftritte in der Hauptsaison von April bis Oktober. „Im August gönnen wir uns meistens eine kleine Pause. Von November bis Februar ist es ohnehin ruhiger. Es gibt vereinzelt Winterhochzeiten und standesamtliche Trauungen, die großen Festivitäten jedoch finden in der Regel in den warmen Monaten statt“, weiß Linda Karl.

Für das Jahr 2026 sind die zwei schon ausgebucht. „Wir schauen, dass wir teilweise zwei Auftritte auf einen Tag legen“, erklärt Paula Langer in puncto Planung und Organisation hinter den Terminen in Nah und Fern.

Die beiden kommen gut herum: Münchner Raum, Pfaffenhofen an der Ilm, Berchtesgaden, Österreich – Standorte, die in wenigen Stunden mit dem Auto erreichbar sind, kommen für sie infrage. „Wir hatten schon Anfragen für die Schweiz und Italien, das war uns letztlich aber doch zu weit“, betont Karl.

Freie oder kirchliche Trauung, Taufen, Firmenfeiern, Weihnachtsmärkte – selbst auf Beerdigungen treten sie mit ihrem Repertoire auf. „Das ist für uns eine besondere Ehre, den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten zu dürfen, auch, wenn wir nah am Wasser gebaut sind und Beerdigungen natürlich im Gegenzug zu den übrigen Auftritten einen traurigen Hintergrund haben.“

Am liebsten ist ihnen ein kleinerer Rahmen mit einem engeren Bezug zu den Gästen. Außerdem sei die Akustik in kleineren Kirchen oft besser, bei größeren Gebäuden müssten entsprechende Anlagen zum Einsatz kommen. Daher ihre Devise: „Je kleiner, desto schnuckeliger.“

Weil sie im September mit ihrem Referendariat starten und noch nicht wissen, an welchem Standort in Bayern sie eingesetzt werden, haben Paula Langer und Linda Karl die Planungen für 2027 vorerst ein wenig auf Eis gelegt. „Da wir beide sehr heimatverbunden sind mit Familien und Freunden, werden wir sicherlich an den Wochenenden heimkommen – garantieren können wir es aber nicht“, äußert Langer die Bedenken.

Nicht nur dank Instagram ziehen ihre Auftritte mittlerweile größere Kreise: So waren die zwei diese Saison sehr viel auf Weihnachtsmärkten in der Region unterwegs, haben beim Haager Frühlingserwachen gesungen und waren im Februar zu Gast in der BR-Show „Brettl-Spitzen“. Die Folge mit ihrem Auftritt wird am 3. Mai ausgestrahlt.

„Musik passt einfach überall“, resümiert Paula Langer. Linda Karl pflichtet ihr bei: „Es gibt so viele Anlässe, die musikalisch umrahmt werden. Die Leute identifizieren sich mit Musik in allen Lebenslagen. Das zu unterstreichen, ist uns eine Herzensangelegenheit.“

Dass sich Menschen mit Musik identifizieren können und musikalische Klänge bei besonderen Anlässen unerlässlich sind, bestätigt auch Christopher Rakau, Gründer der Musikakademien, des Wasserburger Klavierstudios und der KuRa Kultur gGmbH: „Die Wirkung der Musik stellt einen interessanten Aspekt dar. Das lehren uns Erkenntnisse der Wissenschaft. So ist nachgewiesen, dass es kognitiv positive Einflüsse auf die frühkindliche Entwicklung des Embryos hat, wenn Frauen in der Schwangerschaft klassische Musik hören. Ähnlich verhält sich die vegetative oder emotionale Wirkung bei Tieren: Rinder geben nachweislich mehr Milch, wenn ihnen Musik vorgespielt wird.“

Emotionen können
mit Musik verbunden sein

Emotionen, die durch Musik freigesetzt werden, sind zeitlich und örtlich nicht verortet. Das bedeutet: Ein 50-Jähriger, der seine erste große Liebe mit 16 erlebt und das mit einem ganz bestimmten Lied verbindet, wird auch 20 Jahre später dieselben Emotionen erleben, sobald er dieses eine Lied wiederhört – unabhängig davon, ob Freude oder Schmerz. Sprich: „Jene Emotionen, die Musik auslöst, bleiben immer präsent im Leben.“ Letztlich sei Musik in den Augen von Rakau ein ganz, ganz großes Geschenk: „ Aus dem Blickwinkel der Musikakademie heraus lässt sich festhalten, welche Wirkung Musik auf Menschen hat, die selbst musizieren. Die Wirkung ist psychisch-vegetativ. Einerseits die Freude, dass man ein neues Level erreicht hat in der Leistung, oder die Enttäuschung, weil man sich gerade verspielt hat.“

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