Griesstätt – Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die gesamte Region mit Schock auf Griesstätt geblickt hat. Am 21. März 2025 wurden bei einer Kontrolle durch das Veterinäramt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Griesstätt 14 tote Rinder und drei tote Schafe entdeckt. Grund für die Kontrolle war eine anonyme Anzeige.
Überreste von
50 toten Tieren gefunden
Sofort hatte die Staatsanwaltschaft Traunstein die Ermittlungen aufgenommen. Im Raum steht der Vorwurf der quälerischen Tiermisshandlung und Tötung durch Unterlassen nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz. Während der Ermittlungen wurden weitere Tierteile gefunden. Nur wenige Monate später gingen die Behörden bereits von 50 verendeten Rindern und Schafen aus. Nun, nach knapp einem Jahr der Ermittlungen, stehen diese kurz vor dem Abschluss. Wie Dr. Rainer Vietze, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, erklärt auf Anfrage, werde der Abschluss des Sachverständigen-Gutachtens durch das Veterinäramt Ende April erwartet. Wahrscheinlich gegen Mitte Mai werde das Ermittlungsverfahren abgeschlossen. Im Anschluss wird entschieden, ob Anklage erhoben wird. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Fall in Griesstätt war nicht das einzige Tierdrama, das sich im vergangenen Jahr im Landkreis Rosenheim ereignet hat. Wenige Wochen nach Griesstätt wurden in Bad Aibling neun tote Rinder gefunden. In Söchtenau wurden im Frühjahr 2024 rund 400 tote Hühner gefunden, in Rimsting waren im Jahr 2023 33 tote Rinder in einem Stall entdeckt worden.
Oft, mahnen Experten wie Kreisobmann Josef Andres vom Bauernverband, stecken hinter den Vorfällen menschliche Tragödien, geprägt von Überforderung. So war es auch beim „Horrorstall von Rimsting“, der bundesweit Schlagzeilen machte. Vor dem Amtsgericht Rosenheim wurde das ganze Ausmaß dieser Tragödie deutlich.
Ein menschliches Drama
steckt dahinter
Dahinter steckte auch ein menschliches Drama: Der Landwirt hatte psychische Probleme, hatte sich abgekapselt, war überfordert. Er musste schwere persönliche Schicksalsschläge verarbeiten, und litt unter finanziellen Sorgen, wie sich vor Gericht herausstellte. Zeugen beschrieben ihn aber auch als engagierten Bauern, bei dem jede Kuh im Stall einen eigenen Namen hatte. Das Amtsgericht verurteilte den damals 48-Jährigen zu zwei Jahren auf Bewährung.