Der „Stechl-Keller“ feierte 2023 mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern seinen 25. Geburtstag. Jakob Schedel, Peter Fichter mit Lebensgefährtin Martina, die Töchter Anja und Lisa und Nichte Verena (von links) genossen mit vielen weiteren Gästen den Abend. Foto Auer
Wasserburg – Seit November 2025 ist das „El Paso“ in der Schustergasse unter neuer Führung: Michi Deml übernahm das Kult-Lokal von Amir und Edin Bajric – und erfüllte sich damit einen Traum. Knapp ein halbes Jahr später zieht er die erste vage Bilanz – und die fällt in seinen Augen besser aus als zunächst gedacht.
Denn in den Wintermonaten zu eröffnen, bringt im Allgemeinen mehr Herausforderungen mit sich als ein Start in der wärmeren Jahreszeit. Doch Michi Deml sieht keinen Grund zur Beschwerde, im Gegenteil: Der junge Gastronom zeigt sich optimistisch. Seit März ist die Außenterrasse eröffnet, Probleme mit Anwohnern gab es bisher keine. Mit der Selbstständigkeit wagte Deml den Sprung ins kalte Wasser. Daher ist der 29-Jährige dankbar für die Unterstützung seiner Familie und Freundin.
Das Angebot
weiter ausbauen
Technische Anfangsschwierigkeiten wie Stromausfälle sind mittlerweile behoben. Michi Deml möchte langfristig mehr Vielfalt in die Speisekarte bringen und ein bisserl mehr in die Tapas-Richtung gehen. Gerade auch für Schüler soll das Mittagsangebot umfangreicher geplant werden. Bislang war der Klassiker aus Brötchen, Patty und Käse nicht nur mittwochs am Burgertag der absolute Renner bei den Gästen. Auf seiner Instagram-Seite hält er die Gäste auf dem Laufenden, was Neuerungen und aktuelle Angebote anbelangt.
Ab April wird es wieder eine „Happy Hour“ geben. Denn Cocktails sind beliebt, und auch die alkoholfreien Varianten werden vermehrt bestellt. Bunte Ideen, um dem „El Paso“ seine persönliche Note zu verleihen, schweben Deml vor: „Wir planen zeitnah diverse Events mit unseren Nachbarn von ‚Steffis Feinkostfassl‘ und sind natürlich offen für Anfragen zu geschlossenen Gesellschaften wie Geburtstagen oder Firmenfeiern. Außerdem wird im April ein ‚Wine & Dance‘-Abend stattfinden, bei dem wir ab 21 Uhr die Tanzfläche eröffnen.“
Auch Gäste
von außerhalb im Visier
Einfälle, die ausprobiert werden wollen, unterstreicht Deml: „Wir möchten den Leuten hier etwas bieten. Mein Ziel ist es, dass auch Gäste von außerhalb nach Wasserburg kommen, weil das ‚El Paso‘ die beste Bar in der Gegend ist.“
Dass eine Eröffnung in der kalten Jahreszeit einen Kraftakt darstellt, bekräftigt Hannes Kirmaier. Der 28-Jährige hat im Mai 2025 den „Roten Turm“ übernommen und freut sich schon wieder narrisch auf die Sommermonate: Denn über den Winter war es „etwas zäh“, insgesamt weniger los. Wenn die Leute schließlich wieder auf der Terrasse von den ersten Sonnenstrahlen im Frühling geküsst werden, geht dem leidenschaftlichen Koch das Herz auf.
Gute Küche
trifft auf „Boazn-Flair“
Sein Konzept, gute und vielseitige Restaurantküche für jedermann mit dem typischen „Boazn-Flair“ des „Roten Turms“ zu verknüpfen, ging auf. „Ich kann mich nicht beschweren. Wir hatten eine tolle Eröffnung und einen Wahnsinnsstart. Unsere Dinner-Events – von komplett vegan über ‚Fine Dining‘ – kommen prima an. Und auch, wenn der klassische Schweinsbraten natürlich nicht fehlen darf in einer bayerischen Wirtschaft, an manchen Tagen überholt das vegane Auberginenschnitzel das ‚echte‘ Schnitzel“, verrät Kirmaier.
Gleichzeitig zeigt er sich dankbar, dass sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten auch mit den Hürden der Selbstständigkeit und der Bürokratie insgesamt alles gut eingependelt hat. „Freilich fällt es mir leichter als mit einer anderen Wirtschaft, der ‚Turm‘ ist eben der ‚Turm‘ und genießt einen alteingesessenen Ruf in der Altstadt“, erklärt er und räumt in dem Moment ein: Eine andere Wirtschaft hätte er nicht übernommen.
„Wir haben ein unfassbar cooles Team aufgebaut. In der Küche sind wir mittlerweile zu dritt. Als nächsten Schritt möchten wir eine Social-Media-Firma zur Markenfestigung bis ins Umland an Bord holen und den Leuten auf Instagram einen Blick hinter die Kulissen bieten. Außerdem arbeiten wir aktiv an guten Google-Bewertungen, eine schlechte wirft dich schon zurück.“
Im Sommer möchte Hannes Kirmaier „richtig Gas geben“, beim Hofstatt-Strand und dem Weinfest mitwirken, und gemeinsam mit der Kino-Werkstatt bunte Veranstaltungen ins Leben rufen. „Das Wichtigste ist, dass es immer weitergeht, man darf nicht stehenbleiben. Ich bin ehrlich: Ich bin noch nicht satt“, schließt der junge Gastronom seine Erklärungen mit einem Lachen.
Dass Stillstand Rückschritt bedeutet, weiß auch Thanh Van Beck. Sie ist schon länger im Geschäft, der Name „Lychee‘s“ mittlerweile bekannt. „Ein Gast, der gerne sein rotes Curry in Wasserburg isst, nach Rosenheim zum Bummeln fährt und dort das vertraute Lokal entdeckt, wird auch dort gerne einkehren. Jeder Standort, den ich neu eröffne, wirkt sich positiv auf die bereits bestehenden aus. Die Leute sind neugierig und informieren sich über Google und Instagram – ohne einen guten Internetauftritt und Marketing geht heutzutage nichts mehr. Man muss offen, innovativ für Neues und auch kritikfähig sein“, ist Thanh Van Beck überzeugt.
Mittlerweile ist die Gastronomin mit sieben Restaurants in der Region vertreten, darunter Isen, Obing und zweimal in Rosenheim. Das Neueste ist das Clubhaus im „Golf Club Valley“ in Holzkirchen. Mit dem kleinsten, aber dafür auch einem der umsatzstärksten, dem „Sushi Amó“, das sie im Sommer 2024 eröffnet hat, ist Thanh Van Beck gleich doppelt in der Wasserburger Altstadt zu finden. Die Wasserburgerin hat sich der Erlebnisgastronomie verschrieben, bei der das Gesamtpaket stimmt: „Schöne Ausstattung, gute Gerichte, ein Wohlfühlerlebnis – die Leute möchten nicht nur essen, sie möchten auch etwas geboten bekommen.“
„Die Gastronomie ist ein harter Job und steckt voller Herausforderungen. Für die Gastro muss man geboren sein, es leben und lieben, sonst geht man unter“, unterstreicht sie und hebt gleichzeitig ihr eingespieltes Team hervor, das hinter ihr steht und an das sie bewusst Aufgaben und Verantwortung abgibt.
Den Weg in das Business würde sie wieder einschlagen, auch, wenn die Gastroszene in Wasserburg nicht die einfachste sei: Bürokratische Hindernisse wie die Genehmigungen für die Terrasse des „Sushi Amó“, Beschwerden über Ruhestörungen von Anwohnern und die Parksituation für die Gäste in der Altstadt stellen die Gastronomin vor Herausforderungen.
Das wird ihr hauptsächlich im direkten Vergleich mit der Stadt Rosenheim klar: „In Rosenheim sind Events ein Selbstläufer – in Wasserburg aber kann man das vergessen, da stand ich schon bei einzelnen Versuchen in leeren Räumen. Für ein reines Lokal zum Essen, Trinken und Zusammensitzen bietet sich die Altstadt wunderbar an, für spezielle Veranstaltungen außerhalb des regulären Lokal-Turnus aber wird es schwierig für die Wasserburger Gastronomien.“
Dass es die Gastronomie nicht immer leicht hat, bestätigt auch Peter Fichter vom „Stechl Keller“. Er ist überzeugt: „Die Probleme, die die Gastronomie in Wasserburg hat, sind hausgemacht und gewollt von der Obrigkeit. Nirgends in Bayern gab es je eine Sperrzeit für die Szene. Bei uns schon. Diese Zeit hat viel kaputt gemacht, was sich auch nach der Aufhebung nur schwer wieder reparieren lässt.“
Eine Institution
in der Altstadt
Seit fast 30 Jahren gibt es das Restaurant in präsenter Lage am Marienplatz in direkter Umgebung zum historischen Rathaus und zur Frauenkirche – eine Institution im Herzen der Altstadt, die immer gut besucht ist und ohne Ruhetag auskommt. Im November 2023 wurde der 25. Geburtstag gefeiert. Der Standort ist in Fichters Augen ein Traum: „Wir haben einen extremen Tourismusanlauf und leben freilich unter anderem davon.“
Wer jedoch bei Veranstaltungen in der Stadt wie dem Nationen- oder Weinfest nicht mitwirke, sei außen vor und stehe plötzlich alleine auf weiter Flur, kritisiert Fichter. Dabei verweist er mitunter auch auf Events wie das Bürgerspiel, die Eisbahn oder das Frühlingsfest am Ortsrand, bei dem es überhaupt keine Sperrstunde gebe und bis 5 Uhr morgens durchgefeiert werden dürfe. „Für uns Gastronomen in der Altstadt wird’s mit solchen Genehmigungen nicht leichter.“ Wie lange es für den „Stechl Keller“ noch in Wasserburg weitergeht, steht noch nicht final fest.
Rätselraten
um „Le Brasserie“
Einige Schließungen und Pächterwechsel hat Wasserburg schon erlebt. Das jüngste große Rätsel stellt „Le Brasserie“ an der Innbrücke vor den Toren der Altstadt dar, das sich seit Wochen im Betriebsurlaub befindet, und sich ganz Wasserburg fragt, ob und wann die Betreiber je zurückkehren.