Wasserburg am Inn – Er ist ein Mann von echtem Schrot und Korn: Rudi Göpfert. Vor wenigen Wochen wurde der 87-Jährige mit warmherzigem Beifall auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wasserburg für 70 Jahre Zugehörigkeit zum Verein geehrt. 34 Jahre, bis 2007, war er Vorsitzender. Zusammen mit Kommandant Heini Kurz verkörperte er über Jahrzehnte die Wasserburger Feuerwehr.
In seinem Büro hängen Dutzende Bilder aus früheren Zeiten, auch das von dem Tag, als er sich zusammen mit vier weiteren Kameraden im Alter von 16 Jahren bei der Feuerwehr anmeldete. Voller Erwartung schauen sie – Gabriel Neuner, Rudi Göpfert, Heinz Hochwind, Karl Kotzenbauer und Ernst Köbinger – in die Kamera, junge Männer, die den Entschluss gefasst haben, sich für die Gemeinschaft einzusetzen.
Feuerwehr war wie eine
Familie
Beruflich entschied sich Rudi Göpfert für die kaufmännische Karriere, er wurde Inhaber des Haushaltswarengeschäfts schräg gegenüber seines Hauses in der Herrengasse. Den Laden „Haushalt – Porzellan – Geschenke“ gibt es noch heute. Die Feuerwehr hat das Leben von Rudi Göpfert geprägt, sie war für ihn wie eine Familie. „Ich erinnere mich an viele Einsätze, an Anekdoten und Scherze.“ Natürlich habe es in der langen Zeit schon mal Differenzen gegeben, auch mit der Obrigkeit, aber insgesamt habe man doch immer eine gute Kameradschaft bewahrt. „Man hat sich ausgeredet, und dann war‘s vorbei.“
Heute gehe es mitunter nicht mehr ganz so harmonisch zu, jedenfalls nicht so, wie es sein sollte, so sein Eindruck. Die Kommunikation habe gelitten, findet er. Seinen Humor, das Lächeln, hat er freilich bewahrt.
Dramatische Einsätze
erlebt
Als aktiver Feuerwehrler schaffte er es Schritt für Schritt zum Löschmeister, fuhr auch schwere Fahrzeuge. Die Technik wurde immer besser, so wurden etwa Drehleitern angeschafft. Die wohl dramatischsten Einsätze erlebte er beim Brand der Ziegelei in Isen Mitte der 60 er-Jahre und beim Feuer 1969 in der Kirche in Au am Inn. Auch zu vielen schlimmen Verkehrsunfällen wurde er gerufen. „Das war natürlich nicht schön. Das sind Bilder, die ich nach wie vor im Kopf habe.“ Wie er die psychische Belastung verkraftet hat? „Es gab da, anders als heute, keine spezielle Hilfe. Wir haben uns zusammengesetzt und ein Bier getrunken. Aber es ging einem schon an die Nieren“, sagt er.
Ob er sich, wenn er jünger wäre, heute wieder für die Feuerwehr verpflichten würde? „Aber selbstverständlich“, lautet die prompte Antwort. Die Neigung dazu hat wohl auch mit der Herkunft zu tun. „Mein Vater war ja schon Zugführer, er hat in Kriegszeiten Einsätze der Feuerwehr Wasserburg in München geleitet.“
Der verstorbene Bruder Karl und Sohn Rudi Junior haben sich ebenfalls bei den Floriansjüngern verpflichtet. Immer galt die Devise: den Mitmenschen zu helfen.