Wasserburg – Der derzeit niedrige Milchpreis zog sich wie eine umschlingende Schnur durch die Vertreterversammlung der Milcherzeugergemeinschaft (MeG) Wasserburg-Ebersberg.
Nicht alle der 80 gewählten Vertreter waren zum Sanftl nach Eiselfing gekommen, was der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft, Alfred Utz, mit „es hätten schon ein paar mehr sein können“ kommentierte. Trotzdem war der Saal ziemlich voll geworden. Viele Gäste aus befreundeten und der MEG verbundenen Organisationen, unter ihnen auch der Eiselfinger Bürgermeister Georg Reinthaler, zeigten mit ihrem Dabeisein ihre Verbundenheit mit den landwirtschaftlichen Betrieben.
Politische Amtsträger
wurden vermisst
Ansonsten glänzten die regionalen politischen Amtsträger mit Abwesenheit. Leider, wie die Milcherzeuger kommentierten, denn gerade die Landwirtschaft ist mit ihrer täglichen Arbeit und den erzielten Ergebnissen ein wesentlicher Teil der Bevölkerungsversorgung. „Nicht nur die Autoindustrie“, wie einer der anwesenden Vertreter dazu meinte.
Mit dem Satz „Die Milchmenge ist momentan das Problem“ eröffnete Alfred Utz seinen Jahresbericht. Das Jahr 2025 war seinen Ausführungen nach witterungsbedingt ein zu gutes Futterjahr. Was dazu beitrug, dass sich im Laufe des Jahres in den Betrieben die Milchmengen steigerten. Das ging so weit, dass die Molkereien diese Mengenanlieferung teilweise gar nicht mehr verarbeiten konnten.
In der Folge sank der Milchpreis von 50 Cent im Januar zum Jahresende auf 40 Cent. „Weil aber die Produktionskosten unserer Betriebe mit gestiegenen Preisen beim Treibstoff, der Energie und beim Dünger mehr geworden sind, fehlten uns in der Wirtschaftlichkeit am Ende oft 40.000 bis 50.000 Euro“, sagte der Vorsitzende der regionalen MeG. Er befürchte deshalb, dass das für manche Betriebe bedeutet, über eine Betriebsaufgabe nachzudenken.
Mit dieser aktuellen Milchmengenproblematik beschäftigte sich auch Sebastian Kraus, Referent für Milchvermarktung im Dachverband Bayern MeG. „Heuer ist ein Ausblick in das, was kommt, besonders schwierig“, stellte er fest. Man habe so eine Entwicklung nicht voraussehen können, und das gemeinsame Vorgehen der MeG bei den Verträgen mit den Molkereien habe sich bewährt. „Denn wenigstens sind durch die längeren Laufzeiten für die Mitgliedsbetriebe gewisse Sicherheiten gegeben“, sagte er. Existenzbedrohend sähe Sebastian Kraus einen Preis unter 40 Cent.
In seinem Vortrag wies er zudem darauf hin, dass die hohen Milchmengen ein internationales Problem sind. In der ganzen Europäischen Union, langsam auch in den USA und beispielsweise in Argentinien sei der gleiche Effekt zu beobachten. Man merke das auch beim Preisrückgang von Milch, Butter, Schnittkäse und anderen Milchprodukten.
Das Thema der Milchvermarktung stand im Referat von Professor Dr. Thomas Vogler, Studiengangsleiter für „Global Buisness“ an der Technischen Hochschule Ingolstadt, ganz oben als Titel. Ausführlich und mit deutlichen und drastischen Worten beschäftigte er sich mit der Wertschöpfungskette der Milch, über die letztendlich das Kundenverhalten den Preis bestimmt. „Und da die landwirtschaftlichen Betriebe am Anfang als Milcherzeuger die Wertschöpfungskette beginnen, sind sie vom Kundenverhalten und den Preisen, die die Supermärkte und Discounter mit den Molkereien aushandeln, am Ende wieder direkt mit einem geringeren Milchpreis betroffen“, stellte er fest.
Kaufverhalten
muss sich ändern
Momentan sei dies laut Thomas Vogler in der politischen Unsicherheit und der daraus resultierenden Sparsamkeit im Einkaufsverhalten der Endverbraucher begründet. Die derzeitige Situation sei dabei für ihn nicht nur eine regionale Feststellung, sondern ein Phänomen des Weltmarktes. Für ihn war deshalb klar: „Erst wenn sich am Kaufverhalten etwas Grundsätzliches am Markt ändert, geht es wieder aufwärts“. Trotzdem fordert er die landwirtschaftlichen Betriebe auf, die Regionalität der MeGs durch eine offenere Kommunikation, langfristige Verträge und die „eigene Marke“ durch Social Media und neue Produkte zu stärken.
Durch die Gründung eines „Solidarvereins deutscher Milcherzeuger“ wurde in der Versammlung schon einmal ein erster Schritt gemacht. Diese Gründung hat den Zweck, Versicherungsleistungen zu schaffen, die den Ausfall des Milchgeldes, aus welchen Gründen auch immer, auf der Basis von maximal 40 Cent absichern. Gemeinsam mit den benachbarten Milcherzeugergemeinschaften hat man sich da nun „gebündelt“, organisiert und betreut durch die „Bayern MeG“. Zudem soll es im November dieses Jahres noch eine große Mitgliederversammlung geben.