Wasserburg – Manchmal fügt sich einfach das Schicksal, das scheint zumindest in Reitmehring passiert zu sein. Erst wenige Wochen ist es her, dass sich hier diese Nachricht verbreitet hat: Hermann Straßgütl, Betreiber des Bahnhofs-Bäckers in Reitmehring, hört auf. Für Pendler, Arbeitnehmer der Gegend und die Reitmehringer eine schockierende Nachricht, war das kleine Café doch ein wichtiger Anlaufpunkt für sie alle gewesen.
Endlich ein
eigenes Café
Seit Ende Februar ist der Betrieb eingestellt, auf eine Nachfolge muss allerdings niemand lange warten. Gertraud „Traudi“ Rottenwaller wird im Sommer dort einziehen und sich damit einen lebenslangen Traum erfüllen: Endlich ein eigenes Café betreiben.
„Das war schon lange ein geheimer Wunsch von mir“, erzählt Rottenwaller mit einem Schmunzeln. Es ist ein Name, der vielen Wasserburgern und besonders Reitmehringern bekannt sein dürfte: Dr. Andreas Rottenwaller, Gertrauds Rottenwallers Ehemann, betrieb fast 40 Jahre lang eine Hausarztpraxis in dem Ortsteil. Als gelernte medizinische Fachangestellte und Heilpraktikerin für Psychotherapie war sie selbst ebenfalls über Jahrzehnte ein Fixpunkt in der Praxis. „Vor knapp einem Jahr haben wir uns dann dazu entschieden, kürzerzutreten“, erzählt Traudi Rottenwaller. Der Kassensitz wurde aufgegeben, nur noch einige Privatpatienten werden in der Praxis versorgt. Plötzlich hatte die 68-Jährige viel Zeit und so rückte auch der Lebenstraum Café wieder in den Vordergrund.
„Ich bin schon immer den Umgang mit Menschen gewohnt“, sagt Rottenwaller. Das vermisse sie ein wenig seit Aufgabe des Kassensitzes. Auch deshalb sei der Wunsch nach dem Café mehr und mehr gewachsen. Ursprünglich hatte Rottenwaller geplant, das ehemalige „Cafesito“ zu übernehmen. Sie hatte sich dafür bei der Stadt auch beworben. Aus bürokratischen Gründen wurde daraus aber nichts. „Ich war, um ehrlich zu sein, am Boden zerstört, als die Nachricht kam“, erzählt Rottenwaller. „Ich habe das schon als mein Café gesehen.“ Zwischenzeitlich habe sie deshalb auch gar nicht mehr geglaubt, dass es mit dem geheimen Wunsch etwas wird. „So viele Möglichkeiten für ein Café gibt es in der Gegend auch wieder nicht“, so Rottenwaller. Bis schließlich die Nachricht kam, dass der Bahnhofs-Bäcker frei werde.
Rottenwaller setzte sich hin und schrieb in wenigen Wochen einen 20-Seiten-Businessplan, den sie bei der Stadt einreichte, und fand damit, wie es scheint, Anklang. Der Haupt- und Finanzausschuss jedenfalls stimmte dem Vertrag mit Rottenwaller zu, wie seitens der Stadtverwaltung bestätigt wird. Dem Lebenstraum steht damit nichts mehr im Weg.
Das Ziel von Rottenwaller: Am Bahnhof sowohl einen Anlaufpunkt für Pendler, als auch einen Treffpunkt für die Reitmehringer zu schaffen. Unter dem Namen „Café Stazione“ plant Rottenwaller ein Selbstbedienungs- und Internetcafé als Begegnungsstätte mit italischem Flair. „Ich liebe Italien“, erklärt Rottenwaller. Zukünftig sollen deshalb auch ein paar italienische Gerichte auf der Speisenkarte stehen. Grundsätzlich möchte Rottenwaller Backwaren, auch belegte Semmeln für Pendler und Personen anbieten, die eine kurze Stärkung benötigen. Dafür sollen neben den 20 Plätzen im Innenraum vor dem Eingang Stehtische zur Verfügung stehen.
Für alle mit mehr Zeit soll es eine täglich wechselnde Mittagskarte geben, sowie selbst gemachten Kuchen. Zudem möchte Rottenwaller auch vegetarische und glutenfreie Gerichte anbieten. „Wenn es gut läuft, plane ich im Sommer auch Grillabende, vielleicht auch mit Livemusik und Cocktails“, erzählt sie. Schließlich lebe sie selbst seit über 35 Jahren in Reitmehring, habe erlebt, wie die Treffpunkte des Stadtteils nach und nach weggebrochen seien. Diesem Trend wolle sie mit dem Café etwas entgegensetzen.
Eröffnung im
Juli oder August
Unterstützt wird Rottenwaller dabei von der gesamten Familie. Ehemann und insbesondere die Kinder seien eingebunden und hätten sich bereit erklärt, zu helfen. Rottenwaller wird auch einen Großteil der bisherigen Belegschaft von Straßgütl übernehmen. „Sie haben die Erfahrung, und aus meinen Jahren in der Praxis weiß ich, dass die Menschen eher kommen, wenn sie ein bekanntes Gesicht sehen“, so Rottenwaller.
Ein konkretes Eröffnungsdatum für das „Café Stazione“ gibt es allerdings noch nicht. Ab Mai läuft der Mietvertrag, allerdings seien wahrscheinlich noch ein paar Umbaumaßnahmen nötig, so Rottenwaller. Sie rechnet mit einer Eröffnung im Juli oder August. Bis dahin sei noch viel zu tun, gibt die Reitmehringerin zu. Aber für den Lebenstraum sei es ihr Wert, diese Arbeit zu investieren.