Herausforderungen für den Forst

von Redaktion

Waldbesitzer in der Region Wasserburg-Haag ärgern sich über neue EU-Bürokratie

Wasserburg/Haag/Forsting – Nicht so gut besucht wie sonst war wegen einer zeitgleich stattfindenden Veranstaltung der Jagdgenossen der Saal in der Brauerei Forsting bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Wasserburg-Haag (WBV).

Paradigmenwechsel
im Umweltrecht

Pech, wer nicht anwesend war, denn Vorsitzender Ortholf von Crailsheim und weitere Redner präsentierten in der über zweistündigen Versammlung eine Menge an wichtigen Informationen zu Klimawandel, Geschäftsverlauf, Holzpreisen und nötigem Waldumbau. Vornehmlich die Brüsseler Bürokratie mit der beschlossenen und nur verschobenen „Entwaldungsverordnung“ (EUDR) und der Paradigmenwechsel im Umweltrecht vom Verschlechterungsverbot hin zur Wiederherstellungsverordnung wurden mehrfach kritisiert.

Von Crailsheim:
hoher Kostendruck

Was derzeit im Iran passiere, werde in den nächsten Monaten die Märkte verunsichern, prognostizierte von Crailsheim schon in seinen einleitenden Worten. Der Kostendruck bleibe hoch bei Holzprodukten. So empfahl er dann auch, gute Preise noch zu nutzen, „solange wir sie noch haben“. Wenngleich der Klimawandel in der Politik derzeit keine Rolle mehr spiele, heiße das nicht, dass er nicht da sei. Der Wald müsse sogar schneller als geplant umgebaut werden. Damit dies gelinge, sei eine verlässliche Politik notwendig. Die WBV wolle dabei ihre Mitglieder bestmöglich begleiten und ein verlässlicher Partner bleiben. Immer noch mache die Bürokratie zu schaffen, weshalb man auch eine Satzungsänderung anstrebe, um die europäischen Vorgaben möglichst optimal umsetzen zu können. Die Sinnhaftigkeit mancher Vorgaben müsse da schon hinterfragt werden. Das Einpflegen jedes kleinen Einschlags in eine Datenbank helfe jedenfalls dem Wald selbst nicht.

Ähnliches war auch in den Grußworten zu hören. So betonte Pfaffings Bürgermeister Josef Niedermeier die besondere Bedeutung der WBV als starke Position im Markt. Stellvertretender Landrat Josef Huber verwies auf die gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft. Das gegenseitige Verständnis habe sich in letzter Zeit verbessert. Der Wald als Wirtschaftsfaktor und dessen fachgerechte Pflege auch auf betreuten kleineren Flächen habe einen hohen Stellenwert.

Dass der Wald vor großen Herausforderungen stehe, betonte die Leiterin des Referats F2 am Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, Dr. Karin Höglmeier. Sie stellte nicht nur den zunehmenden Klimawandel in den Vordergrund, sondern auch die Änderung der Sichtweisen in der Gesellschaft und die geänderten Ansprüche der „Waldbesucher“, was sich auf die Bewirtschaftung auswirke.

Enorme
Verwaltungskosten

Verordnungen wie das EUDR griffen nicht wirklich, da in Deutschland kein echtes Entwaldungsproblem bestehe. Andererseits entstünden durch die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung enorme Verwaltungskosten.

Deshalb sei eine Verschiebung der Lieferung des geforderten ersten Entwurfes an die EU-Kommission bis August 2026 mit Nachbesserungen im fachlichen Bereich nötig. Zudem forderte sie mehr Eigenverantwortung bei der Naturverjüngung und Wildbestandsregelung. Freiräume sollten gefüllt werden. Auch Zuschüsse wären möglich.

Beeindruckende Holzmenge
vermarktet

Einen sehr detaillierten Geschäftsbericht trug der Geschäftsführer der WBV, Alexander Graßl, vor. Von den derzeit 2579 Mitgliedern, die eine Fläche von 14.570 Hektar Wald bewirtschaften würden, hätten 1592 im vergangenen Jahr Holz vermarktet, insgesamt 109.241 Festmeter. 104.334 hätten aus Fichte, Tanne und Douglasie bestanden. Zum Glück habe man samt Tochtergesellschaft mit insgesamt rund 140.000 Festmetern eine beeindruckende Holzvermarktungsmenge auch ohne Kalamitäten erreicht.

Eine aktive Waldwirtschaft, die auf internationaler Ebene zwar immer kritischer wahrgenommen werde und den Rohstoff Holz diskriminiere, schaffe aber klimastabile Wälder mit hoher Biodiversität und stelle einen wichtigen, nachwachsenden CO2-neutralen Rohstoff bereit. Mit den 2025 umgesetzten zwölf Millionen Euro könnten Rücklagen geschaffen werden, um in einem stark volatilen Marktumfeld Liquiditätskrisen abfedern zu können.

Weitere Informationen und aktuelle Einblicke in die Rundholzvermarktung und Markttrends gab schließlich gut 45 Minuten lang Gerhard Penninger von der Pfeifer Holz GmbH & CO KG.

Amerikanischer Markt
unkalkulierbar

Zahlreiche Tipps, wie man den wertvollen Rohstoff Holz möglichst ressourcenschonend, aber wirksam und nachhaltig einsetzen könne, fehlten in seinem Vortrag nicht, aber auch nicht der Hinweis, dass der amerikanische Markt derzeit unkalkulierbar sei.

Abschließend wurde der Vorstand einstimmig ermächtigt, redaktionelle Änderungen in der Satzung vorzunehmen, um aufgrund der EUDR die nötigen Formulierungen anzupassen. Konkret ging es dabei um die Sorgfaltserklärung, die jeder Waldbesitzer erstellen und übermitteln muss, wenn er Holz in den Verkehr bringt.

Künftig kann die WBV diese Erklärung im Namen des Mitglieds erstellen, womit der bürokratische Aufwand minimiert werden kann. Diese Vollmacht beschränkt sich allerdings ausschließlich auf die Übermittlung der Sorgfaltserklärung und kann jederzeit in Textform widerrufen werden.

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