Ausbaupläne werden weiter verfolgt

von Redaktion

Gedankenspiele zur Neugestaltung des Marienplatzes sorgen für Diskussionen im Stadtrat

Wasserburg – „Es handelt sich lediglich um eine Information, nicht um eine konkrete Planung, die wir auf den Weg bringen wollen. Wenn man so will, ist das Planungsphase Null. Der Sachstand wird zur Kenntnis genommen, das Thema den neu gewählten Stadtrat in der nächsten Periode begleiten“, betonte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) gleich zu Beginn des Tagesordnungspunkts „Umgestaltung Marienplatz“.

Denn dieser Gesichtspunkt wurde in der Sitzung des Stadtrats am 16. April teilweise mit Vorbehalt und Skepsis verfolgt. Michael Leidl, Architekt und Stadtplaner von „ARC-Architekten“, habe bei der Planung des Integrierten Städtebaulichen Konzepts (ISEK) den Marienplatz bewusst ausgeklammert, weil es sich in seinen Augen um eine „hochkomplexe Situation“ handle.

Ursprünge im frühen
17. Jahrhundert

Die Frage, wie in Zukunft mit den Bushaltestellen umgegangen werden sollte, war ausschlaggebend dafür, darüber nachzudenken, wie man den Marienplatz als gesamtem Standort betrachten möchte und welche Spielräume es gibt. Ende Juli 2025 legten die Architekten mit der Analyse los. Diese Entwurfsgrundlagen wurden nun in der Sitzung vorgestellt.

Der Ursprung des Marienplatzes geht auf die Anfänge des 17. Jahrhunderts zurück. Historische Stadtansichten lassen erkennen, dass es sich von der Bedeutung her um einen zentralen, einheitlichen Marktplatz rund um Rathaus und Kirche handelte. Der Marienbrunnen samt kleiner Baumgruppe war damals noch auf Höhe des heutigen „Stechlkellers“ angesiedelt. Die Pflasterung beinhaltete relativ einheitliche Materialien.

Heute stelle sich die Situation nicht nur ob des Durchgangsverkehrs anders dar: Arkadenzone, Engstellen, Treppen und Stufen sowie verschiedene Höhen, Bushaltestellen und Parkmöglichkeiten. Dass Barrierefreiheit in einer historischen Altstadt nicht überall möglich ist, sei der mittelalterlichen Bauweise geschuldet.

Ansätze zur Neugestaltung sah Leidl viele. Genauso viele aber habe er gleich wieder verworfen, weil sie schlicht nicht realisierbar seien. Einige Ideen aber blieben und die stellte der Planer anhand eines Modells genauer vor.

So könnte die Fahrbahn etwas schlanker werden, die schrägen Parkplätze an der Südseite könnten erhalten bleiben. Trotz des Bus-Wartebereichs habe man dann noch eine vernünftige Fußwegbreite vor der Frauenkirche. Leidl strich in seiner Vision zwei Stellplätze, verstärkte dafür die Grünstruktur mit Bäumen – gerade auch auf dem Vorplatz am „Gewandhaus Gruber“.

Querungsmöglichkeiten konzentrieren sich nicht nur an einer Stelle wie dem Zebrastreifen an den „Markthallen“. Sie finden sich stattdessen gleich an mehreren Stellen. Platzbeläge sollen vereinfacht und vereinheitlicht werden, um mitunter die Barrierefreiheit anzupassen. Außerdem favorisiert er eine Verdichtung dezentraler Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und möglicherweise E-Scooter.

Eine Verkehrszählung an einem durchschnittlichen Werktag brachte ans Licht: Die Bruckgasse passieren rund 14.000 Fahrzeuge, davon sind 320 Schwerlastverkehr. Am Marienplatz wurden etwa 10.000 Autos gezählt, darunter waren 240 Lkw. Die Schmidzeile befahren 420 Autos und rund zehn Lkw. Viel Verkehr in den Augen der Planer, auch, wenn aufgrund der Engstellen rücksichtsvoller gefahren werde.

Die Lösung aus Planer-Sicht: einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20 für Aufenthaltsbereiche, Geschäfte, Passanten. So solle es leichter werden, die gegenüberliegende Straßenseite zu erreichen. Bislang herrscht hier Tempo 30. Doch dies sei laut STVO ohnehin nicht reglementiert und dürfe eigentlich nur in Wohnbereichen, in denen die Hauptnutzung Wohnen und Leben ist, bestehen. Im innerörtlichen Bereich ist Tempo 50 Standard.

Farblich abgestimmtes
Material gewünscht

Christian Stadler (Grüne) war es wichtig, einzelne Bauabschnitte zu benennen, da es „noch sehr lange dauern wird, bis es zur Umsetzung kommt“. Zudem wünscht er sich ein homogenes und im Idealfall farblich abgestimmtes Material, auch in Bezug auf Lärmbelästigung.

Wie auch Bürgerforum-Stadtrat Norbert Buortesch sieht Stadler die Bushaltestelle an der Frauenkirche in direkter Nähe zum Zebrastreifen kritisch. Buortesch fragte, ob die probeweise ins Leben gerufene Bushaltestelle gegenüber des Rathauses nicht funktioniere: „Selbst bei Tempo 20 fahren immer viele Autos, und die Querung einer Straße mit so vielen Autos ohne geschützten Bereich wie einem Zebrastreifen erscheint mir als gefährlich. Vielmehr könnte man darüber nachdenken, die nördliche Bushaltestelle nicht eher weiter östlich anzusiedeln und im Gegenzug weitere Querungshilfen zu schaffen, um der schieren Anzahl an Fahrzeugen mit Bussen und Schwerlastverkehr gerecht zu werden.“

Friederike Kayser-Büker (SPD) erklärte, in puncto Barrierefreiheit renne man „offene Türen“ ein: „Es ist eine Herausforderung in der Altstadt. Viel gewonnen wäre mit einer Bordabsenkung an der Tränkgasse. Aus meiner Sicht sollte es bei Planungen und Überlegungen keine ‚Denkverbote‘ geben, denn der künftige Stadtrat muss darüber nachdenken, wie die Situation am Marienplatz langfristig verbessert werden kann.“

Be- und Entladen
für Anwohner

Heike Maas (CSU) gab zu Bedenken, dass man die rund 2.600 Altstadtbewohner nicht vergessen dürfe: „Die Leute haben ein Recht auf Be- und Entlademöglichkeiten vor ihrer Wohnung. Die Ladezone am Gruber ist wichtig für die Geschäftsleute. Stehen dort Bäume, wird‘s schwierig. Anwohner, Handel, Gastro und Dienstleister, die mit ihren Wagen kurz mal stehenbleiben, das muss weiterhin möglich sein. Oder wollen wir tatsächlich wie anno dazumal zu Fuß und mit Leiterwagen unterwegs sein? Man braucht es unseren eigenen Leuten doch nicht schwieriger zu machen.“

Für Christian Flemisch (ÖDP) bedeutet der Begriff „Platz“ keine Abstufungen zwischen Fahrbahn und Gehsteig: „Ein Platzcharakter, barrierearm mit einer Höhe, das gefällt mir recht gut. Die Frage ist doch, wo wollen wir nachhaltig hin?“

Jakob Schedl (CSU) war es ein Anliegen, den Marienplatz nicht zu einem Busbahnhofsplatz zu entwickeln, und regte an, ob langfristig nicht doch ein anderer Platz für die Haltestellen besser wäre. Da hielt Fraktionskollegin Elisabeth Fischer dagegen: „Ich bin früher als Kind auch am Marienplatz in den Bus gestiegen, die Haltestelle kann man doch um ein paar Meter verschieben. Ich bitte nur darum, den Zebrastreifen zu belassen, der ist wichtig.“

Sepp Christandl (FW-WBl) indes sieht die Bushaltestelle in Richtung Tränkgasse als Gefahrenstelle, da dort viele Menschen die Straße zur Salzsenderzeile überqueren.

Planer Leidl bekräftigte zum Schluss, es gebe viele Stellen, die schwierig und kritisch seien. „Einen komplett einheitlichen Platz zu gestalten, inklusive Bushaltestellen, wird nicht funktionieren. Damit die Haltestellen zum Ein- und Aussteigen barrierefrei bleiben, braucht‘s ein Hochboard.“

Hintergrund und
weiteres Vorgehen

In der Bauausschusssitzung im November 2024 wurden die Vorplanungen für die Errichtung der barrierearmen Bushaltestellen am Heiserer- und Marienplatz vorgestellt. Einige Stadträte regten an, bei dieser Gelegenheit Aufenthaltsqualität und Platzcharakter zu verbessern. Im Ausschuss war man sich einig, mögliche Varianten zur Verbesserung der Situation – von Barrierefreiheit über ÖPNV bis zu Denkmalschutz und Gewerbe – im Rahmen einer Machbarkeitsstudie unter die Lupe zu nehmen.

In der Sitzung des Stadtrats Ende November 2024 wurde beschlossen, den Marienplatz verstärkt als Platz ausbauen zu wollen. In Zusammenarbeit mit Städte- und Verkehrsplanern, Vertretern des Denkmalschutzes und der Stadtverwaltung wurden Zielvorgaben und erste Planungsideen entwickelt.

Die Stadträte nahmen den diskutierten Sachstand in der Sitzung am 16. April zur Kenntnis. Die vorgestellten Zielvorschläge in Hinblick auf die Idee, den Marienplatz verstärkt als Platz auszubauen, soll als Gesamtkonzept weiter verfolgt werden – idealerweise abschnittsweise.

In einem ersten Schritt ist zu klären, wo genau die Bushaltestellen am Marienplatz situiert werden sollen. Diese Definition dient als Grundlage für weitere Diskussionen zur Umgestaltung des Marienplatzes. Zu Kostenentwicklung oder Zeitraum können zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine seriösen Angaben gemacht werden.

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