Ungewisse Zukunft für Bauernmarkt
Matthias Bergbauer aus Simbach präsentiert ein großes Stück Kräuterkäse.
Trotz großer Beliebtheit weniger Anbieter – Standbetreibern fehlt Personal für den Verkauf
Ein Schild kündigt den Wasserburger Bauernmarkt in der Hofstatt an. Fotos Weithofer
Wasserburg – Das Angebot ist überschaubar, aber der Gedanke liegt fern, dass hier auf dem Wasserburger Bauernmarkt mit gerade einmal sechs Ständen etwas fehlt. In der Hofstatt herrscht eine gemütliche Atmosphäre an diesem Donnerstag, bei den Standbetreibern wie bei den Kunden. Eile kennt man hier nicht, ein kleiner Ratsch darf immer sein. Die gute alte Zeit – sie ist hier irgendwie spürbar.
Anbieter und Kunden
im Gespräch
Die Augen gleiten hinüber über den Stand der Bäuerinnen Elisabeth Kirchlechner und Elisabeth Stadlhuber. Leckere Backwaren sind der Renner bei ihnen, geduldig warten einige Kunden, bis sie bedient werden. Einige Meter weiter hockt die herzensgute Beate Bachmeier neben ihren Apfelsaftflaschen. Die ungespritzten Früchte stammen aus dem eigenen Garten. „Der Verkauf ist für mich eine Lebensaufgabe“, sagt sie, eine Marktfrau aus der Gründerzeit vor 30 Jahren.
„Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden“, sagt der Simbacher Matthias Bergbauer, der seit zwei Jahren Käsesorten „aus der ganzen Welt“ in der Hofstatt anbietet. Den Markt schätzt auch Sandra Köhler aus Waldkraiburg, die besonders das Kuchenangebot verlockend findet. „Der Stand spricht für sich, alles ist so schön hausgemacht und richtig lecker, die Nussschnecken sind ein Genuss. Ich komme wieder“, verspricht sie.
Viele Kunden
sind Stammkunden
Neben ihr hat die Wasserburgerin Helga Armbruster Käse und Käsekuchen in ihre Tasche gepackt. Regelmäßig kommt sie zum Einkaufen hierher. Ingrid Mohr, jahrzehntelang Inhaberin eines Eiscafés in Wasserburg, gehört ebenfalls zur Stammkundschaft. „Ich kaufe hier Obst und Gemüse, gerne auch Kuchen, ich backe ja nicht mehr“, so die 85-Jährige. Sie findet, dass der Markt „auf jeden Fall“ zu Wasserburg gehört: „Man bekommt hier alles.“ Der Weg zum Supermarkt sei ihr zu beschwerlich. „Ich habe kein Auto mehr, und mit dem Fahrrad ist es mir zu weit.“
Derweil schlendern weitere Passanten neugierig an den Ständen vorbei. Die Traunsteinerin Margit Seestaller etwa hat den Weg zu ihrer Ärztin mit dem Gang zum Markt verbunden. „Ich habe heute Auszogne gekauft, die nicht mehr jeder Bäcker macht und die doch ganz toll schmecken“, freut sie sich. Auch Angelika Janz aus Wasserburg lässt sich in ihre Einkaufstasche blicken. Mit einem halben Kuchen drin: „Die Bäckerinnen machen echt gute Sachen.“ Manchmal lassen sie sich die beliebte Mittagssuppe von Angela schmecken. Sehr gerne bediene sie sich zudem am Gemüsestand – „alles frisch und gut“. Ihre Hoffnung: „Dass der Markt auch in Zukunft erhalten bleibt.“
Aus Rechtmehring, einige Kilometer nördlich, ist Georg Wimmer angereist. Er hat sich unter anderem mit Brot und Schmalzgebäck eingedeckt. „Ich bin fast jeden Donnerstag da, das Schmalzgebäck ist das beste weit und breit“, lobt er. Auch Schuxen, eine niederbayerische Delikatesse, haben viele Abnehmer in Wasserburg. Als Verkäuferin fällt Gabi Gottschling aus Amerang wegen ihrer bunten Haarpracht auf. „Ich bin hier ein Paradiesvogel“, sagt sie mit einem Lächeln. Sie bietet herzhafte vegane Feinkost an, selbst gemachte Saucen und Fruchtaufstriche sowie verschiedene Salate.
Die 50-Jährige ist Schriftführerin des als Verein geführten Bauernmarkts. Sorge bereitet ihr, dass in letzter Zeit verschiedene Anbieter aufgegeben hätten. Es fehle eben an Personal für den Verkauf, so ihre Begründung. Die Zukunft des Marktes sieht sie mit gemischten Gefühlen. „Wer hat schon als Berufstätiger Zeit, dass er mittags hierher zum Einkaufen geht?“ Zum anderen stelle sie fest, dass sich viele Leute wieder auf regionale Waren konzentrieren würden.
Freilich: Reich wird man laut Gottschling als Verkäufer auf dem Markt nicht. „Der ist eher eine Beschäftigungstherapie“, räumt sie ein. Deshalb nutzten viele Anbieter auch noch andere Einnahmequellen.
Bio-Metzger
hat aufgehört
Zu den wenigen Männern, die sich auf dem Markt tummeln, gehört Gustav Hatzel. Der Wasserburger beklagt, dass das Angebot zurückgegangen sei. „Der Bio-Metzger hat aufgehört. Eigentlich tragisch. Dabei wäre der Bedarf vorhanden.“
Für Beate Bachmeier – und bestimmt nicht nur für sie – ist und bleibt der Markt eine Herzensangelegenheit. „Es ist wichtig, dass er nicht stirbt.“
Vegane Feinkost verkauft Gabi Gottschling auf dem Wasserburger Bauernmarkt.
Beate Bachmaier verkauft selbst gemachten Apfelsaft mit Obst aus dem eigenen Garten.