Edling – Jahrzehntelang stand an der Hauptstraße gegenüber dem Rathaus ein Mietgebäude, dem man recht gut die langen Lebensjahre ansehen konnte. Links drei Garagen, Erdgeschoss, Obergeschoss und der Speicher mit dem Dach darüber.
Vor einigen Jahren ergab es sich dann, dass das Gebäude auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde. „Da müssen wir zuschlagen“, dachte sich Bürgermeister Matthias Schnetzer.
Gemeinde erwirbt
Immobilie
Sowohl der Gemeinderat als auch die Verwaltung unterstützten seine Gedanken und erwarben die Immobilie als Gemeinde. Wieder ein paar Jahre danach, im Jahr 2023, wie sich der Bürgermeister erinnert, wurden das Grundstück und der anschließende Abriss des maroden Hauses zum Thema.
Das Rathaus selbst, das immer wieder einmal renoviert, saniert und den technischen Zeiten angepasst wurde, entsprach räumlich nicht mehr dem Anspruch, der der gewachsenen Einwohnerzahl des Ortes entsprochen hätte. Seine Entstehungsgeschichte geht zurück auf das ausgehende 19. Jahrhundert.
Bis 1972 als
Gemeindeschule genutzt
Als Gemeindeschule wurde es bis 1972 genutzt. Von den Büros, den Lagerräumen bis hinauf zum Sitzungssaal unter dem Dach, war es einfach zu eng geworden. Im Büro im Erdgeschoss, in dem die Verwaltung regen Bürgerverkehr hatte, konnten, wie der Bürgermeister sagte, „beispielsweise kaum mehr datenschutzrechtliche Gespräche geführt werden“. Das Archiv war teilweise im Bunker unter der Schule untergebracht. Bald danach war in der Gemeinde angedacht, auf dem Grundstück ein zusätzliches Gebäude für die Gemeindeverwaltung zu errichten. Es sollte mehr Platz geschaffen werden und zudem war ein größerer Sitzungsraum dringend notwendig. Im Obergeschoss waren Wohnungen angedacht. Da kam Matthias Schnetzer eine im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Raumlösung für die Praxisgemeinschaft „Dr. Hörger und Dr. Schnettler“. Die beiden Mediziner, mit einer Praxis gegenüber vom Bahnübergang an der Raiffeisenstraße, hatten einfach zu wenig Platz, wie er wusste. Das für den Bau verantwortliche Architektenbüro „Kammerl und Kollegen“ aus Pfaffing war schon mitten in der Raumplanungsphase, als es den neuen Auftrag zu einer Überplanung bekam.
Die Aufgabe hieß nun, unten im Erdgeschoss Räume für eine Arztpraxis mit Räumen für eine betriebsmedizinische Versorgung zu schaffen.
Selbstverständlich war dabei klar, dass das gesamte Gebäude barrierefrei errichtet werden muss und im Obergeschoss nun ein kleinerer Bürgersaal, in dem auch Trauungen und Bildungsveranstaltungen stattfinden können, gemeinsam mit einer Küche, entstehen soll. Dazu ein größerer Sitzungssaal für den Gemeinderat, der auch schon eventuell einer höheren Zahl von Gemeinderäten entsprechen würde, wenn die Einwohnerzahl von Edling weiterhin steigen sollte. Im Keller sollten die großzügigen Sanitäranlagen sein und das Archiv der Gemeindeverwaltung ausreichend Platz finden.
So ist es nun geworden, das neue Gemeindehaus. Das Architekturbüro schuf einen sich nicht aufdrängenden Gebäudekubus, der mit seiner äußerlich feinen Modernität einen verbindenden Wert für die Sichtachse zum Rathausplatz hin herstellt. Die mit Holzpaneelen offen gestaltete Fassade lässt Blicke nach innen und nach außen zu und schafft so im Gebäude und mit dem Blick von allen Seiten her eine helle Offenheit. Bewusst lädt er die Bürgerschaft ein und die Ortsmitte hat eine Verschönerung durch Lichteinfall erhalten.
Die Verwaltung der Gemeinde verbleibt mit allen Sachgebieten und mit dem Bürgermeisterbüro weiterhin im „alten“ Rathausgebäude, für das mit diesem Gesamtprojekt gerade der richtige Zeitpunkt für eine notwendige Generalsanierung war. Eingebaut wurde dabei unter anderem eine von außen zugängliche öffentliche Toilette mit einem eigenen Raum für Menschen mit Hilfebedarf, ein barrierefreier Zugang und Aufzug sowie eine neue Bürosituation im Erdgeschoss.
Punktlandung
bei den Kosten
Bei den Kosten hat die Gemeinde fast eine Punktlandung geschafft. Beim Gespräch in seinem Büro nannte Bürgermeister Matthias Schnetzer bei der Frage nach der Summe 3,4 Millionen Euro, die damit nur 3 Prozent über der Berechnungsplanung liegen. „Und das bei dieser Steigerung der Baupreise, gerade in den vergangenen Jahren“, sagte er, sichtlich zufrieden und auch ein wenig stolz. Die Generalsanierung des Rathauses liegt bei einer Summe von 1,5 Millionen Euro.
Auf die Frage nach weiteren Maßnahmen in der Ortsmitte von Edling, die den Rathausplatz für die Bürgerschaft jeden Alters noch attraktiver gestalten könnten, hatte das Gemeindeoberhaupt gleich mehrere Ideen. „Ich könnte mir einen Spielplatz, Spielmöglichkeiten für die erwachsene Bürgerschaft und die Einbeziehung des nahen Bolzplatzes vorstellen. Das wird zusammen mit dem neuen Gemeinderat eine wichtige Aufgabe sein“, sagte Schnetzer.
Tag der offenen Tür
im Juni
Er würde sich wünschen, dass das heimische Gewerbe und die Wirtschaft das Vorhaben unterstützt.
Die Edlinger Bürger werden am 27. Juni die Gelegenheit zur Besichtigung bei einem „Tag der offenen Tür“ ab 14 Uhr haben. Am Vormittag wird eine kurze offizielle Feier mit geladenen Gästen stattfinden.