Hat das Universum eine Zukunft?

von Redaktion

Eigentümer sucht neuen Pächter für die Traditionsdiskothek in der Alkorstraße

Wasserburg – Seit der verfrühten Sommerpause im Mai 2025 bleiben die Pforten der Disco Universum am Ortsrand der Innstadt geschlossen. Es fehlt an einem geeigneten Betreiber.

Gebäude-Eigentümer Hans Enzinger bedauert die Lage. „Ich bin überzeugt, dass es gehen würde. Doch die wirtschaftliche Situation hat sich nicht gerade verbessert und die Auflagen für eine Disco sind hoch. Das Inventar wäre vollständig vorhanden, es müsste sich lediglich jemand finden, der das Nachtleben-Konzept versteht und hier Energie und Herzblut hineinstecken möchte.“

Investment im
fünfstelligen Bereich

Ein neuer Pächter müsse zudem einen gewissen finanziellen Background mitbringen. Schließlich handele es sich bei einem Discobetrieb um ein Investment im fünfstelligen Bereich, inklusive Kosten für Strom, Personal und allem Drum und Dran. Finden sich Interessenten, die es wirklich ernst meinen und an diesem Standort ihre individuellen Visionen verwirklichen wollen, ist Enzinger offen für einen Neustart. Auch einer Nutzungsänderung – in Form eines Gewerbes beispielsweise – wäre er nicht abgeneigt. Solange Anfragen jeglicher Art aber ausbleiben, stehen die Räumlichkeiten an der Alkorstraße weiter leer.

Dabei war die Disco über die vergangenen Jahrzehnte hinweg überregional beliebt – nicht nur bei den Wasserburgern selbst. Gäste kamen in der Vergangenheit auch aus dem Raum Rosenheim und Mühldorf, um im „Uni“ zu feiern. „Mir tut es sehr leid. Es wäre unglaublich schade, wenn die Ära ‚Uni‘ kein Revival erleben würde. Ich hänge an der Disco, sie besitzt eine lange Tradition“, unterstreicht Enzinger, der in den vergangenen Jahren viel Geld in nötige Brandschutzauflagen gesteckt hat. Auch Stadtmanager Simon Arnold hält es für unabdingbar, jungen Menschen in der Innstadt Fortgeh-Möglichkeiten anzubieten. „Das Universum ist ein ordentlicher Club. Ich hoffe schon, dass wir in absehbarer Zeit wieder eine Disco in Wasserburg haben. Das wäre schön für die Stadt und die jungen Leute.“

Mit einer realistischen Einschätzung zu einem Revival tut sich Arnold schwer: „Der Zeitgeist spricht meines Erachtens aktuell dagegen. Das ‚Uni‘ ist eine Großraumdisco für 900 Besucher, wie man es aus den 90er-Jahren kennt, als die Disco-Szene boomte.“

Gleichzeitig räumt er ein, dass es Discos heutzutage schwer haben und allen Anschein nach nicht mehr im Trend liegen: „Ein Blick in andere Städte wie Rosenheim offenbart, was von Partys in anonymen Menschenmassen übrig ist. Selbst München oder Berlin tun sich hart. Clubs, die über Jahre hinweg erfolgreich waren und weltweit Furore gemacht haben, gibt es heute nicht mehr.“ So ist etwa die Dorian Gray, eine populäre Diskothek der 80er und 90er im Frankfurter Flughafen, seit 2000 wegen fehlender moderner Brandschutzauflagen geschlossen.

Seiner Meinung nach habe eine „gesellschaftliche Verschiebung“ stattgefunden. Stichwort Bauwagen: Das klassische „Club-Weggehen“ in entsprechend großen Etablissements habe sich spätestens seit der Corona-Pandemie in kleinere, private Rahmen verlagert.

Ein Knackpunkt sei Arnold zufolge außerdem die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit durch Alternativen in Form von Vereinsfesten aller Art in der gesamten Umgebung: „Aktuell werben hauptsächlich Maibaumstüberl in der Region mit laufenden Veranstaltungen. Und bei der Organisation ganzer Festwochen von Burschen- und Feuerwehrvereinen oder der Landjugend hilft das ganze Dorf ehrenamtlich – teilweise wird sogar ein Shuttle-Service für Gäste angeboten. Da tun sich professionelle Veranstalter schwer, mitzuhalten.“ Bereits im Sommer vergangenen Jahres warnte Arnold vor den Folgen eines „nicht florierenden Nachtlebens“ in Wasserburg. Insgesamt sieht der Stadtmanager nun Licht am Ende des Tunnels flackern. Er könne eine „langsame, aber rege Konstituierung mit zarten Schritten“ erkennen.

Auf die Karte der
Nachtschwärmer

Für ihn steht trotzdem außer Frage: „Wir müssen versuchen, Wasserburg wieder auf die Karte der Nachtschwärmer zu bringen. Das funktioniert am besten mit gemeinschaftlichen Events. Dafür müsste auch die Gastro-Szene an einem Strang ziehen und sich rege beteiligen. Ein erster Versuchsballon ist die Wiederauflage des Kneipenfestivals vom Roten Turm, der Kinowerkstatt und dem Club Leonhard mit insgesamt sieben Acts am 30. April. Ich unterstütze gerne in Bezug auf künftige Events, sofern Interessierte auf mich zukommen.“

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