Wasserburg – Mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Gefühlsbewegt äußerte sich Elisabeth Fischer zu Beginn der Sitzung des Stadtrats, bei der zum Ende der Wahlperiode fünf Mitglieder des Gremiums persönlich verabschiedet wurden – Fischer, Mitglied der CSU-Fraktion, gehörte dazu. Weinende Augen? Nein, es war eine schöne Zusammenkunft im Rathaus in durchaus heiterer, gelöster Stimmung. Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) würdigte beim einzigen Tagesordnungspunkt die Verdienste der scheidenden Kommunalpolitiker mit vielen Anekdoten. Kölbl selbst wird kommende Woche verabschiedet. Wirtschaftsreferent Christoph Klobeck (CSU) hat sein Mandat bereits zurückgegeben, aus Termingründen konnte er bei dem Festakt nicht dabei sein. „Für manche ist der Abschied leicht, weil er oder sie sich freiwillig dazu entschieden haben, nicht mehr zu kandidieren. Für andere ist es schwerer, weil sie nicht mehr in den Stadtrat gewählt wurden“, sagte Kölbl vor dem Gremium.
„Wichtig für unsere
Gemeinschaft“
Er unterstrich die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Mitglieder. „Sie machen das mit Herzblut und Engagement in ihrer Freizeit. Es ist wichtig für unsere Gemeinschaft, dass es dieses Engagement gibt. Sonst können wir einpacken.“
Zuerst wandte sich Kölbl an die scheidende Stadträtin Bettina Knopp von der Grünen-Fraktion, die nach sechs Jahren ihr Amt aufgibt. Er erinnerte dabei an „gruselige Zeiten“ während der Corona-Pandemie im Jahr 2020. „Wir sind bei den Sitzungen im schönen Rathaussaal ganz weit auseinander gesessen, haben gar keine große Beziehung innerhalb des Gemiums aufgebaut.“ Kölbl erwähnte insbesondere Knopps Einsatz im Rahmen ihrer Tätigkeit als Referentin für Schule und Kindergärten. Wie die anderen Geehrten erhielt Knopp zum Abschied eine Dankesurkunde, eine gravierte Silbermünze sowie einen Wappenlöwen aus Porzellan.
Anschließend wurde Christian Peiker geehrt, Nachrücker auf der Liste der SPD. Ursprünglich hatte Peiker, langjähriges Mitglied des Bauausschusses, ein Mandat der Linken Liste. Kölbl lobte insbesondere dessen Pragmatismus, mit dem er sich im Lauf der sechs Dienstjahre im Stadtrat engagierte.
Viele anerkennende Worte fand Kölbl auch für Friederike Kayser-Büker, die 18 Jahre für die SPD-Fraktion amtierte – als Seniorenreferentin mit großer sozialpolitischer Kompetenz und als Mitglied des Bau- und Werkausschusses. „Du bist vom Naturell her ein kritisch-konstruktiver Mensch mit Durchsetzungskraft“, so Kölbl wörtlich. „Das hat man über all die Jahre gespürt.“ Elisabeth Fischer (CSU) war 30 Jahre Mitglied des Stadtrats – „früher eine Exotin, heute ein Vorbild“, so wurde sie vom Bürgermeister vor allem mit Blick auf ihre Tätigkeit als Erzieherin charakterisiert. Kölbl ließ Fischers verschiedenen Funktionen für die Stadt Revue passieren – eine, wie er sagte, „ideale“ Referentin für Schule und Kindergärten. Keine Aufgabe habe sie gescheut, betonte der Bürgermeister. „Das verdient höchsten Respekt.“ Außerhalb des Stadtrats habe sie ein Mandat im Kreistag wahrgenommen und sich für die Sparkasse engagiert, ebenso im Pfarrgemeinderat.
Zu den scheidenden Stadträten zählt auch Hermann Budenhofer (Freie Wähler): Immerhin 36 Jahre lang gehörte der nach wie vor aktive Zahnarzt dem Gremium an – die längste Zeit, seit 1996, dem Bauausschuss. Laut Kölbl brachte er vorteilhaft sein ruhiges Naturell ein, sachlich und konstruktiv habe er sich mit Anmerkungen und Ideen hervorgetan, so Kölbl, „Wir haben uns im Lauf der Jahrzehnte sehr, sehr gut verstanden.“ Budenhofer gab in seiner Antwort den Dank zurück: „Es war eine sehr schöne Zeit.“
Ausdruck funktionierender
Demokratie
Dankesworte sprach zum Ende der Abschlusssitzung auch der Zweite Bürgermeister Werner Gartner (SPD) aus: An die Adresse des Stadtoberhaupts, dessen Amtszeit nach 18 Jahren zu Ende geht: „Lieber Michael, meinen herzlichen Glückwunsch, du hast sehr, sehr viel Erfahrung eingebracht. Ich glaube, du hast nicht allzuviel verkehrt gemacht.“ Kölbl erwiderte, die Zusammensetzung des Stadtrats – „ein buntes Gremium“ – sei ein Ausdruck funktionierender pluralistischer Demokratie. „Es ist wichtig, dass sie funktioniert.“ Trotz aller Schwierigkeiten.