Rechtmehring – Die angeschlagene Genossenschaftsbank RSA aus Rechtmehring mit Standorten in Albaching, Soyen, Wasserburg und München kämpft um ihr Überleben. Der RSA-Aufsichtsrat möchte dazu mit der rund zehnmal größeren „meine Volksbank Raiffeisenbank“ (mVR) fusionieren. Warum, das wollte die Genossenschaftsbank ihren Mitgliedern jetzt in vier Informationsveranstaltungen erklären. Das Fazit: Die Lage der Bank könnte sogar noch schlimmer sein als bisher kommuniziert.
Kredite über rund 65
Millionen Euro waren
der Ausgangspunkt
„Die vertiefte Analyse macht deutlich, dass zusätzlicher Stabilisierungsbedarf besteht und die wirtschaftlichen Herausforderungen größer sind als bislang angenommen“, schreibt RSA-Pressesprecher Dr. Armin Sieber am vergangenen Donnerstag, 23. April, in einer Pressemitteilung. „Die konkrete Ausgestaltung weiterer Maßnahmen wird derzeit innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe erarbeitet.“
Bislang war nur von Krediten in Höhe von rund 65 Millionen Euro die Rede, die das Bankhaus in Schwierigkeiten gebracht hätten. Diese wurden von den Prüfern als ausfallgefährdet eingestuft und mussten in der Bilanz 2024 bereits als Verlust verbucht werden. Die Bank rutschte ins Minus, die Eigenkapitalquote passte nicht mehr und die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) musste „mit Stabilisierungsmaßnahmen in Höhe von rund 60 Millionen Euro“ unterstützen – in Form einer Bürgschaft.
Gleichzeitig ging die RSA eine Kooperation mit der rund zehnmal größeren mVR aus Rosenheim ein, die zugleich Bayerns größte Genossenschaftsbank ist. Anfang September wechselte Klaus Hatzel von der mVR auf den Vorstandsposten der RSA. Anfang des Jahres gab es dann ein öffentlich nicht zugängliches Sanierungsgutachten und die Entscheidung des RSA-Aufsichtsrates, mit der mVR über eine Fusion zu sprechen.
Jetzt wollte die RSA-Bank ihren Mitgliedern die Gründe darlegen. Die Informationen seien „professionell aufbereitet, dargestellt und vorgetragen worden“, meint Karl Fischberger von der Interessengemeinschaft „Rettet die RSA“ sowie ehemaliger Aufsichtsrat der Bank. Aber: „Aus meiner Sicht wurden zu viele Fachausdrücke in den Raum gestellt, die viel Erklärungsbedarf erforderten.“
Auch blieb laut Fischberger die Frage unbeantwortet, die die Mitglieder am meisten interessierte, und wurde „auf die Generalversammlung im Juni verschoben“. Nämlich die Frage: Wie viele der berichtigten Kredite bislang überhaupt ausgefallen seien.
Laut RSA-Mitteilung ist die Lage wohl schlimmer als die 60 Millionen: „Im Zuge der weiteren Aufarbeitung und der laufenden Jahresabschlussarbeiten zeigt sich jedoch, dass diese Maßnahmen (der Schutzschirm, Anmerkung der Redaktion) nicht ausreichen werden, um die entstandenen Belastungen vollständig auszugleichen“, schreibt RSA-Sprecher Sieber. „Auf Basis aller vorliegenden Analysen besteht keine eigenständige, dauerhaft tragfähige Zukunftsperspektive für die Bank.“ Eine Fusion mit den Rosenheimern stelle die „einzige wirtschaftlich tragfähige Lösung dar, um das Bankgeschäft in der Region nachhaltig zu sichern“.
Bankkreise, die namentlich nicht genannt werden wollen, verweisen auf ein „nicht branchenübliches Wachstum“ der RSA von rund 400 Millionen Euro Bilanzsumme 2018 auf inzwischen über eine Milliarde Euro. Dafür machen sie eine Kreditvergabe verantwortlich, die Grundsätze nicht beachtet hätte, zu aggressiv gewesen sei.
„Dass Kredite lax vergeben wurden, möchte ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen“, schreibt dazu der ehemalige Aufsichtsrat Fischberger. Die Bank sei überdurchschnittlich gewachsen. Das hätten der Genossenschaftsverband und die BaFin gewusst und „in keinem Prüfungsbericht der vergangenen Jahre als negativ beurteilt“.
Die Prüfungsberichte hätten „bis auf den mängelfreien Bericht zur Prüfung 2023“ Hinweise für die Geschäftsführung, Organisation und IT-Sicherheit beinhaltet, so Fischberger: „All diese Feststellungen wurden vom Vorstand und Aufsichtsrat jährlich in den folgenden Sitzungen überarbeitet, wenn nötig geändert und protokolliert.“
Nach RSA-Angaben haben rund 500 Mitglieder an den vier Abenden teilgenommen. Laut der RSA-Homepage hat sie über 5.200 Mitglieder. „Die Veranstaltungen waren geprägt von einem sehr hohen Informationsbedarf und einer intensiven, teilweise auch emotional geführten Diskussion“, schreibt RSA-Pressesprecher Sieber.
„Kernstandorte“ bleiben
nach der Fusion erhalten – zumindest Stand jetzt
„Die aktuelle Situation ist nicht das Ergebnis einzelner Bewertungen oder externer Gutachten, sondern Folge einer über Jahre entstandenen Entwicklung“, erklärt Vorstand Klaus Hatzel.
Das weist Fischberger zurück: „Dieses Argument wird seit Mitte 2025 immer wieder in den Raum gestellt, um damit die Verantwortung auf Vorstand und Aufsichtsrat als alleinige Schuldige abzuwälzen.“
Die RSA-Bank sieht alleine in einer Fusion mit den Rosenheimern die Lösung. Die mVR sei als einzige in der Lage, ein Haus wie die RSA aufzunehmen, ohne sich selbst zu gefährden. Aber auch dann dauere die Sanierung der RSA rund drei bis fünf Jahre.
Laut RSA-Mitteilung sollen „nach aktuellem Stand“ nach der Fusion „alle Kernstandorte“ erhalten bleiben. „Eine Arbeitsplatzgarantie stellt sicher, dass alle Mitarbeiter eine Perspektive behalten und die persönliche Betreuung der Kunden weiterhin vor Ort gewährleistet bleibt.“ Die Bank würde künftig als eigenständige Vertriebsregion innerhalb der mVR fortgeführt.
Am 17. Juni findet die Generalversammlung der RSA statt. In ihr wird über eine Fusion abgestimmt. Dazu braucht es eine Mehrheit von 75 Prozent. „Vorstand und Aufsichtsrat werden hierzu einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen und die Mitglieder im Vorfeld umfassend über die Entscheidungsgrundlagen informieren“, schließt die RSA-Bank ihre Pressemitteilung.