Servus, Bürgermeister Michael Kölbl!

Michael Kölbl und Bastian Wernthaler bei der symbolischen Übergabe des Rathausschlüssels.

Michael Kölbl und Bastian Wernthaler bei der symbolischen Übergabe des Rathausschlüssels.

Emotionsgeladener Abschied nach 24 Dienstjahren – 200 Ehrengäste im Rathaus

von Marina Birkhof

Wasserburg – Rund 200 Ehrengäste kamen am Donnerstagnachmittag im historischen Rathaussaal zusammen, um den scheidenden Bürgermeister Michael Kölbl gebührend zu verabschieden. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von der Wasserburger Stadtkapelle.

Den ersten großen Auftritt an diesem denkwürdigen Tag aber hatten die Kleinsten: Die Kinder des Altstadtkindergartens versammelten sich zahlreich auf der Bühne, sangen dem Bürgermeister ein Lied zum Abschied und winkten eifrig dazu. Sichtlich berührt übergab Kölbl den Kindern als Dankeschön einen Korb voller Süßigkeiten.

Früh bereit, Verantwor-
tung zu übernehmen

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner begrüßte nach dem Gesang der Kleinen die Gäste, darunter Ulrich Bauer, den Ehrenbürger der Stadt Wasserburg, mit Frau Edith. Ebenso fanden sich Vertreter aus Schulen, der Wirtschaft und der Lokalpolitik sowie die geistlichen Vertreter der evangelischen Kirche, Pfarrerin Cordula Zellfercher, und ihr katholisches Pendant, Pfarrer Bruno Bibinger, im Rathaussaal ein.

Die wohl weiteste Anreise hatte der Bürgermeister der rumänischen Partnerstadt Cugir, Adrian Teban. Zusammen mit seiner Tochter ließ er es sich nicht nehmen, Kölbl persönlich ein paar Worte zum wohlverdienten Ruhestand zu widmen.

Landrat Otto Lederer fand in seinem Grußwort dankende Worte im Namen des gesamten Kreises Rosenheim: Michael Kölbl habe seine Heimatstadt Wasserburg „aktiv mitgestaltet und damit auch den Landkreis“. Ein „Win-win-Effekt für alle“. Kommunalpolitik bedeute, langfristig zu denken und zu strukturieren. „Und so manches gilt es auch auszuhalten“, räumte Lederer mit einem verschmitzten Lächeln in Richtung des scheidenden Stadtoberhaupts ein. Michael Kölbl sei schon sehr früh bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen: Im zarten Alter von 22 Jahren zog er in den Stadtrat ein, 2002 ins Bürgermeisteramt, und auch aus dem Kreistag sei er seit 30 Jahren nicht mehr wegzudenken.

Mit Weitsicht und
Engagement

„In Wasserburg wurde eine ganze Generation groß, die sich nur an einen Bürgermeister erinnern kann: an Michael Kölbl. Mit Weitsicht und Engagement stieß er Projekte an, die weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlen“, sagte Lederer und verwies mitunter auf die Erweiterung der FOS/BOS oder die Modernisierungspläne der Grundschule. Ihm als „gelernter Lehrer“ lägen Bildungsprojekte besonders am Herzen, aber auch die Kultur um Theaterkreis, bunte Rathauskonzerte oder diverse Veranstaltungen im Theater Wasserburg käme in der Innstadt nicht zu kurz. „Und wer kann schon sagen, dass ein ganzer Dokumentarfilm über seine Wirkungszeit in 24 Amtsjahren gedreht wurde? Bürgermeister Michael Kölbl kann das.“

Die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus sei dem Landrat zufolge immer „kollegial und fair“ gewesen. „Jetzt kann sich Michael Kölbl entspannt zurücklehnen, denn der fließende Übergang zum neuen Bürgermeister Bastian Wernthaler war vorbildlich. Somit bleibt mir nur, alles Gute für den Ruhestand zu wünschen, Gesundheit und selbstverständlich ab sofort mehr Zeit für die Familie. Bestimmt kann er die entdeckungsfreudigen Enkel bei so manchem Abenteuer rund um Wasserburg begleiten. Oder vielleicht lässt sich Michael Kölbl auch einfach mal gemütlich in der Altstadt treiben.“

Der Zweite Bürgermeister Werner Gartner erinnerte in seiner Laudatio an die Geschichte Michael Kölbls, soweit er sich erinnern könne. Die habe vor 64 Jahren am 19. Mai 1962 begonnen, als Kölbl in der Schopperstatt geboren wurde. Michael zählte damals neben Thomas und Andreas zu den beliebtesten Vornamen.

Im Jahr 1984 zog Kölbl als jüngstes Mitglied in den Wasserburger Stadtrat ein, mit gerade einmal 22 Jahren „absolut nicht selbstverständlich“. Nach seiner Studienzeit zum Volljuristen waren die Posten Richter und Staatsanwalt in Traunstein seine Steckenpferde, zuletzt Vorsitzender einer Zivilkammer. „Seine Karriere war also vorgegeben, dennoch hat er sich anders entschieden: Es folgte jahrzehntelange Arbeit für seine Stadt“, betonte Gartner.

1996 kandidierte Kölbl erstmals gegen den amtierenden Bürgermeister Dr. Martin Geiger, verlor allerdings knapp. Sechs Jahre später, 2002, schaffte Kölbl den Sprung in den Bürgermeistersessel und beendete so die Ära Dr. Geiger in Wasserburg nach 30 Jahren.

„24 Jahre, das ist keine Zahl, die man einfach mal so in den Raum stellt, es ist ein Leben in Verantwortung“, unterstrich Gartner. „Es gibt Menschen, die eine Stadt nicht nur gestalten, sondern auch Spuren hinterlassen. Die Antwort auf die Frage, was unser Bürgermeister alles bewegt hat, lautet in einem Wort: ‚Vieles‘. Darunter waren herausfordernde wie lehrreiche und natürlich auch gute Zeiten. Er ist nicht nur Bürgermeister, er ist auch Mensch“, sagt Gartner und verweist auf die Friedensflotte „Mirno More Bayern“, die Kölbl seit 2018 unterstützt. „Dass er in seiner knapp bemessenen Freizeit zum Segeln mit jungen Menschen mit Beeinträchtigungen geht, zeigt, dass Michael Kölbl verstanden hat, worum es geht. Das sagt mehr aus als jede Vita. Er legt eine zutiefst sozialdemokratische Haltung an den Tag. 24 Jahre lang hat er diese Gedanken verfolgt. Er hat nicht polarisiert, nicht gespalten, er hat verbunden. Viele Stadtratsentscheidungen gingen mehrheitlich und einstimmig über die Bühne. Mit dem Anstoß des neuen Wohnbauprojekts im Schopperstadtweg als eines seiner letzten Projekte schließt sich der Kreis zurück zu seinem Ort der Kindheit“, sagte Gartner.

Konrad Doser, Geschäftsleiter des Rathauses, ließ 24 Jahre Michael Kölbl mit einer Fotoserie Revue passieren, von einem Kinderfoto in Lederhosen bis zum Beginn seiner Karriere mit einem schwarz-weißen Wahlplakat Kölbls im Jahr 2002 und dem darauffolgenden Amtsantritt im Rathaus.

„Arbeit ging dem Bürgermeister in all den Jahren nicht aus“, erläuterte Doser und nannte nur einige der vielen Handlungen des Stadtoberhaupts. Dazu gehörten die wichtige Deicherhöhung an der Altstadt nach dem Hochwasser 2005, die Stabilisierung des Hangs an der Schanz 2013 zum Schutz der darunter liegenden Häuser als eines der kleineren Projekte, die Sanierung der Mittelschule wiederum als eine der kostspieligeren Baumaßnahmen.

Stichwort Denkmalschutz: Eines der im wahrsten Sinne denkwürdigsten Ereignisse war gewiss die Sanierung des denkmalgeschützten Brucktors in den ersten Jahren seiner Amtszeit. Vielen im Gedächtnis verankert bleibt überdies zweifellos der Fund des Skeletts Fletzi in der Baustelle neben dem Hotel Fletzinger.

Auch prominente Gäste waren über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder in Wasserburg zu Gast, Politiker wie Cem Özdemir am Nationenfest oder Oliver Pocher bei McDonald’s.

Seinem Nachfolger hinterlasse er Doser zufolge in jedem Fall eine „prall gefüllte Kasse“ und viele bereits angestoßene Projekte, die unter der neuen Leitung Bastian Wernthalers in Zukunft fertiggestellt werden wollen.

Eine Überraschung gab es von Norbert Buortesch (Stadtrat Bürgerforum) und Lorenz Huber (ehemaliger Stadtrat Bürgerforum). Sie übergaben symbolisch in Form einer kleinen Rinde ein ganz natürliches Geschenk an den scheidenden Bürgermeister: Im Stadtzentrum der historischen Altstadt steht nun eine zweite Winterlinde, die stolz den Namen „Kölbl-Linde“ trägt.

Eine Bank an der
Sankt-Jakobs-Kirche

In Zukunft soll sich an der Stelle in direkter Umgebung der Sankt-Jakobs-Kirche auch eine Bank dazugesellen. Sollte Michael Kölbl das Bedürfnis haben, auch nach seiner Amtszeit eine Bürgersprechstunde abhalten zu wollen, wäre dies ein geeigneter Platz am Kirchhofplatz, witzelten die beiden mit einem verschmitzten Grinsen.

Zum Abschluss gehörte das Rednerpult einzig und allein Kölbl selbst. Und auch, wenn er nicht viele Worte verlieren wollte, so fiel seine letzte Rede als Bürgermeister der Stadt Wasserburg spontan etwas ausführlicher und emotionsgeladener aus, als es ursprünglich geplant war.

Kölbl zeigte sich überwältigt von der „wunderschönen und gigantischen Abschiedsfeier“. Er betonte, wie „furchtbar dankbar“ er sei für 24 Jahre Bürgermeisteramt: „Zieht man einen Strich darunter und zählt das alles zusammen, lautet das Ergebnis: ‚Eine gute Zeit war’s!‘ Ich bin sehr dankbar, dass ich keine schrecklichen Katastrophen in und um Wasserburg erleben musste, das hätte anders ausgehen können. Denn derart schicksalshafte Dramen vergisst man sein Lebtag nicht.“

Umso mehr freut er sich, auf eine „wirklich gute Zeit mit gewissen Höhen und Tiefen“ zurückblicken zu dürfen. Aus den wenigen Worten wurden doch ein paar mehr. Darunter fielen Würdigungen der Vereine, des Ehrenamts, der vielen Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie des Zusammenschlusses Inn-Salzach-Klinikums mit den Romed-Kliniken in Gabersee und natürlich die Kirchen.

Ein gesonderter Dank galt dem Stadtrat sowie den beiden stellvertretenden Bürgermeistern Werner Gartner und Edith Stürmlinger. Vom Stadtrat höchstpersönlich erhielt Kölbl als Abschiedsgeschenk ein E-Bike im Retro-Design – der SPD-Parteifarbe passend in Knallrot.

Ein riesiger Vorteil
für die Stadt

Für Nachfolger Bastian Wernthaler gab es offiziell den symbolischen goldenen Schlüssel der Stadt Wasserburg. „Es ist nicht nur der Zugang zum Rathaus, sondern auch im doppelten Sinne der Zugang zu den Menschen“, bekräftigte der scheidende Bürgermeister und bekam prompt wohlgesonnene Worte von Wernthaler zurück. „Es ist nicht üblich, dass ich, wie es hier der Fall war, seit Langem schon an die Hand genommen wurde und in den letzten Wochen der Wahl mitlaufen durfte. Dass wir uns so vertrauensvoll zusammengefunden haben, ist ein riesiger Vorteil für die Stadt“, ist sich Wernthaler sicher. Ausdrücklicher Dank – und das war der Zeitpunkt, an dem Kölbl zum wohl ersten Mal in seiner Amtszeit die Stimme ins Stocken geriet und er plötzlich mit dem ein oder anderen Tränchen zu kämpfen hatte – galt seinen „besten Vorzimmerdamen der Welt“. Sie hätten so vieles von ihm abgehalten und ihn „nie im Regen stehen lassen“. Auch Freunde und Verwandte hätten in all der Zeit ihren Terminkalender nach seinem gerichtet. „Keine Selbstverständlichkeit.“ Drum floss bei der Danksagung an seine Frau Margarete sowie seine Kinder mit Partnern das ein oder andere Tränchen. Schließlich seien sie nicht umsonst sein „Kraftort“ und seine „Tankstelle“. „Ohne euch wäre es nicht gegangen. Ich glaube, das ist mir in 24 Jahren noch nie passiert, aber ich habe gewusst, dass es mir an diesem Tag passiert“, erklärte Kölbl seinen spontanen Gefühlsausbruch, bevor seine Stimme kurzzeitig ganz versagte und er sich am Rednerpult wenige Sekunden erneut sammeln musste.

Ein Strauß Ranunkeln
zum Hochzeitstag

Seine erste „Nicht-mehr-Amts-Handlung“ zum langen ersten Mai-Wochenende galt dann ausschließlich seiner Familie: Denn für den Hochzeitstag am 1. Mai übergab Kölbl seiner Frau vorab einen Strauß Ranunkeln – vor den Augen der Festgäste. Denn Ranunkeln hätten damals den Hochzeitsstrauß gebildet, „und ich bin froh, wenn ich Ranunkeln erkenne“, ließ er seine Rede humorvoll ausklingen. Er freue sich nun darauf, eine „Chefin“ zu haben. Mit diesen Worten und „Standing Ovations“ verabschiedete sich Michael Kölbl in den wohlverdienten Ruhestand.

<p>Michael Kölbl im Kreise seiner Familie mit Frau Margarete und zwei Enkelkindern.</p>

Michael Kölbl im Kreise seiner Familie mit Frau Margarete und zwei Enkelkindern.

<p>Landrat Otto Lederer bei seinem Grußwort.</p>

Landrat Otto Lederer bei seinem Grußwort.

<p>Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (rechts) hatte die Ehre, im Namen des Stadtrats Michael Kölbl und seiner Frau Margarete das Geschenk des Stadtrats zu übergeben.</p>

Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (rechts) hatte die Ehre, im Namen des Stadtrats Michael Kölbl und seiner Frau Margarete das Geschenk des Stadtrats zu übergeben.

<p>Michael Kölbl und Zweiter Bürgermeister Werner Gartner. Fotos Birkhof</p>

Michael Kölbl und Zweiter Bürgermeister Werner Gartner. Fotos Birkhof

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Samstag, 11. Juli 2026
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