Mit Demut ins neue Amt

von Redaktion

Bastian Wernthaler ist neuer Bürgermeister – Am 12. Mai konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats

Wasserburg – Er wirkt gelassen und unaufgeregt, doch Bastian Wernthaler, neuer Bürgermeister von Wasserburg, gibt offen zu: „Meine Gemütslage heute Morgen ist schwer zu beschreiben. Am besten fasst der Begriff ‚freudige Anspannung‘ es zusammen.“ Schließlich wisse er nicht ganz genau, was ihn die nächsten sechs Jahre erwarte. Seit dem Wahlerfolg am 8. März, als sich Wernthaler gegen drei Mitbewerber klar durchsetzte, ist er zwar mit seinem Vorgänger Michael Kölbl „mitgelaufen“, wie er es nennt.

Gute Stimmung
zum Start

Wernthaler hat viele Einblicke in die Arbeit eines Rathauschefs gewonnen, doch jetzt selbst an dem Schreibtisch im Bürgermeisterzimmer Platz zu nehmen, ist dann doch noch eine ganz andere Nummer.

Die Verwaltung hat es ihm leicht gemacht: Eine Willkommensgirlande hängt über dem Arbeitsplatz, ein Blumenstrauß steht ebenfalls da, die Kita Reitmehring hat eine nette Karte zum Start geschrieben. Die Amtsleiter kommen mit fröhlichen Gesichtern zur Begrüßung und zur ersten Arbeitsbesprechung. Wernthaler wird gefühlt mit offenen Armen empfangen.

Tag ist gefüllt
mit Besprechungen

Er hat an diesem ersten Arbeitsmorgen seine Kinder noch zur Schule gebracht und ist dann um 7.45 Uhr im Rathaus angekommen. Der Tag ist gefüllt mit Besprechungen: mit den Vorzimmerdamen und Amtsleitern. Im Büro wird außerdem die IT-Ausstattung erweitert: Wernthaler möchte mit weiteren Bildschirmen arbeiten. Er behauptet zwar von sich, technisch nicht sehr versiert zu sein, setzt aber klar auf die Digitalisierung. Hier sieht er durchaus noch Potenzial.

Doch zuerst heißt es, sich zurechtzufinden: Abläufe, Prozesse, Abteilungen und ihre Menschen näher kennenzulernen. Und am 12. Mai steht die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates an: mit neuer Geschäftsordnung sowie den wichtigen Wahlen für seine Stellvertreter und die Referentenposten. Die letzten Besprechungen laufen im Hintergrund, berichtet Wernthaler. „Wir haben bereits einen guten Grundkonsens gefunden“, sagt er, es zeichne sich bei der Besetzung der Posten des Zweiten und Dritten Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin ein mehrheitlich passender Weg ab. „Doch natürlich gibt es noch ein paar Begehrlichkeiten.“ Die finalen Entscheidungen fallen am 12. Mai in den Wahlen im Gremium. „So ist Demokratie.“

Der erste
Spatenstich steht an

Bis dahin hat Wernthaler außerdem einen vollen abendlichen Terminkalender: Seine Anwesenheit bei Jahreshauptversammlungen ist gefragt, der erste Spatenstich (für die Padel-Sportanlage am „Wasserburg-Hotel“) steht in dieser Woche an. Außerdem hat er eine besondere Einladung erhalten: zum Bieranstich-Üben. Schließlich muss beziehungsweise darf er am Mittwoch, 13. Mai, das erste Fass beim Frühlingsfest Wasserburg anstechen. Brauereichef Georg Lettl hat Wernthaler angeboten, in Gut Forsting an Wasserfässern zu trainieren. „Wichtiger Termin“, sagt der Bürgermeister lachend, „ ich will mich beim ersten Mal nicht blamieren.“

Siegerehrung beim
Altstadtspringen

Auch die erste Großveranstaltung steht an: das Altstadtspringen am 9. Mai. Hier darf Wernthaler die Siegerehrung vornehmen. Außerdem ist er Ehrengast beim Konzert der Stadtkapelle Wasserburg, ebenfalls am 9. Mai.

Große Herausforderung: all dies mit dem Familienleben zu verbinden. Ehefrau und Kinder sind es zwar gewöhnt, dass er viel unterwegs ist, aus seiner Zeit als Basketball-Sportfunktionär, doch jetzt wird der Terminkalender noch voller. Wernthaler hat sich vorgenommen, seine Kinder wenn möglich täglich wenigstens kurz zu sehen.

Für die ersten 100 Tage hat er sich keine konkreten Vorhaben auf die Agenda geschrieben. Wertstoffhof, Feuerwehrhaus, Essigfabrik-Wohnungsbau: All diese Mega-Vorhaben sind schließlich schon beschlossen und Teil der laufenden Geschäfte. Er will jetzt erst einmal möglichst viele Mitarbeitende der Stadt (insgesamt 300) kennenlernen, die Abläufe und Prozesse verinnerlichen. „Es wäre schön, wenn ich nach 100 Tagen sagen könnte: Ich bin in den Themen, die aktuell anstehen, voll drin, das Tagesgeschäft läuft, einige Abläufe sind vielleicht etwas digitaler geworden.“

Sprechstunde
wird fortgeführt

Er gehe mit großer Demut in seine Amtszeit, nach seiner Zeit als Begleiter seines Vorgängers sei der Respekt gegenüber den neuen Aufgaben noch einmal gewachsen. „Ich habe enorm viel gelernt. Dass ich eine solch erfahrene Verwaltung hinter mir weiß, ist Gold wert“, findet er.

Kölbl habe außerdem angeboten, ihn bei Fragen zu kontaktieren. „Wir haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis, doch mein Vorgänger soll jetzt seinen Ruhestand genießen, ich werde ihn, wenn möglich, nicht behelligen, bin jedoch froh, dass es die Chance gibt.“

Die Bürgermeister-Sprechstunden will Wernthaler beibehalten, vielleicht auch eine digitale Version einführen. Auch die wöchentlichen Dienstbesprechungen mit den Fachbereichsleitern und Fraktionsvertretern soll es weiterhin geben. Seinen Instagram-Account will Wernthaler weiter pflegen, gerne würde er auch die sozialen Netzwerke als Informationsplattform über die Arbeit der Verwaltung intensiver nutzen.

Dackel-Skulptur
und Meisterschaftsball

Doch jetzt steht erst einmal die Einarbeitung an. Das Bürgermeisterbüro wird in den nächsten Wochen neu gestaltet. Der Familienhund ist als Dackel-Skulptur bereits eingezogen, steht auf der Fensterbank neben dem Meisterschaftsball der Basketballerinnen. Ein wenig ist er schon angekommen, der neue Rathauschef.

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