Dialekt als Seele der Sprache

von Redaktion

Ludwig Meindl zu den philosophischen Hintergründen des Boarischen

Haag – „Philosophie auf boarisch“ bildete das Thema für ein Interview beim Regional Fernsehen Oberbayern (RFO). Dazu kam Moderatorin Corinna Blädel mit ihrem Reporter und Kameramann nach Haag zu Ludwig Meindl. Inhalte waren die Bedeutung des Dialekts als „Seele der Sprache“, die jeder Schriftsprache überlegene Qualität in Grammatik und Stil sowie die Tiefgründigkeit der bayerischen Idiome in ihrer philosophischen Dimension mit Werten und Lebensweisheiten.

Dies alles wird nach Ludwig Meindl meist verkannt. „Die meisten Bayern leben ihre Sprache und Kultur nur im Nostalgiemodus, ohne zu wissen, was dahintersteckt.“ Die gebührende Anerkennung des „Boarischen“ im gesellschaftlichen Alltag sei längst überfällig. Die philosophische Dimension erläuterte der Philosoph und Autor des Buches „Philosophie auf boarisch“ neben anderem mit dem bayerischen Bonmot „Sei duad’s wos“. Dies besage, dass es das Sein gibt, das hinter allem, auch dem vordergründigen Dasein, stehe. Schon Martin Heidegger habe die Seinsvergessenheit kritisiert. Das bayerische Selbstverständnis früherer Jahrhunderte habe damit gelebt und die Gewissheit einer sinnvollen Einbettung in Kosmos und Schöpfung gespürt.

Ein weiterer Aspekt galt der weisen Erkenntnis „Vo Nix kimmt Nix“. Sie bildete das Fundament für philosophische Grundwahrheiten, religiöses Karma und seit Newton für die mechanische Physik. Krasse Gegensätze bildeten die These der Schöpfung aus dem Nichts und des Urknalls. Heute sei die Wissenschaft allein schon durch die Quantenmechanik ausgehebelt und von der Dogmatik in den Wahrscheinlichkeitsstatus gedrängt. Daraus resultierten viele Ungewissheiten und Ängste der Moderne, die dem bayerischen Wesen ursprünglich fremd sind, da es auf der Gewissheit gründete „Vo Nix kimmt Nix“. Heute müsse man wieder lernen, dass hinter allen Vorgängen der Welt eine höhere Gesetzmäßigkeit atme. Von der Moderatorin Corinna Blädel abschließend nach den bayerischen Begrüßungsmodalitäten gefragt, erläuterte Ludwig Meindl das traditionelle „Habe d’Ehre“ und „Pfiate“ als gehaltvolle Alternativen zum nichtssagenden „Tschüss“ und „Hallo“. Die Ausstrahlung des Interviews erfolgt im Regional Fernsehen Oberbayern (RFO) am heutigen Dienstag und morgen, Mittwoch, jeweils um Dreiviertel.xy

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