Mühldorf – Das Ampfinger Volksfest ist gerade zu Ende gegangen, da stehen für die beiden Festwirte Sebastian Mayerhofer und Carina Häring von der Almrausch Festzelte GmbH schon die Planungen für die nächsten im Raum. Zunächst in Garching bei München (3. bis 7. Juli) und dann erneut im Landkreis Mühldorf, wenn in Waldkraiburg (11. bis 21. Juli) gefeiert werden soll. Natürlich darf zu einer Mass Bier das obligatorische Hendl nicht fehlen.
Festwirte haben
ausreichend Kontingente
Dass es jedoch durch die tausendfache Keulung infizierter Masthühner zu Engpässen kommen könnte, da Volksfeste jetzt Hochkonjunktur haben, bezweifelt Festwirt Mayerhofer. „Ich hab‘ zumindest aktuell noch nichts darüber gehört oder mitbekommen“, sagt Mayerhofer nur wenige Tage, nachdem das Ampfinger Volksfest tadellos über die Bühne gegangen ist. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass die Gickerlgrills verwaist bleiben könnten, weil man als Festwirt ja rechtzeitig gewisse Kontingente bestellt, er zum Beispiel bei einem größeren Händler aus dem Bereich Landshut.
Dass erst in der vergangenen Woche in einem einzigen Betrieb knapp 80.000 Masthühner wegen Newcastle getötet werden mussten, klingt zunächst nach sehr viel. Doch es gebe genug Betriebe. Mayerhofer verweist auf das Oktoberfest, wo täglich einige Tausend Gickerl verzehrt würden. Laut Oktoberfestportal werden dort während der Veranstaltungszeit insgesamt bis zu 500.000 Hendl (ganze Brathähnchen) verspeist. Pro Tag entspricht das rein rechnerisch einem Verkauf von etwa 25.000 bis 31.000 Hendl.
Bis nach München fährt Christian Leserer, der in Erharting eine Geflügelschlächerei führt, nicht. Er beliefert mit seinem Unternehmen das Mühldorfer Volksfest. Dass man wegen der „atypischen Geflügelpest“, wie die Newcastle-Krankheit auch genannt wird, plötzlich keine Hendl mehr bekommt, befürchtet er nicht. Aber natürlich sorgt auch das gegenwärtige Ausbruchsgeschehen. Das könne seiner Ansicht nach lediglich Auswirkungen darauf haben, ob der Volksfestschmaus aus regionaler Mast stammt. „Aber die Hendl, die auf dem Mühldorfer Volksfest verzehrt werden, die sind noch gar nicht geboren!“ Sechs bis acht Wochen werden nämlich Masthühner, nachdem sie geschlüpft sind, gemästet, bevor sie auf den Volksfesttellern landen.
Leserer ist verwundert darüber, dass sich das Ausbruchsgeschehen von Newcastle derzeit noch auf eine begrenzte Region konzentriert – zwischen Massing in Rottal/Inn über den nördlichen Landkreis Mühldorf weitestgehend auf einer Linie bis nach Oberding im westlichen Landkreis Erding, wo jetzt auch ein Betrieb (500 Stück Geflügel) betroffen war. In der Branche werde schon offen darüber gesprochen, dass wohl ausländische Fangtrupps für die Verbreitung des Virus verantwortlich sein könnten. Dieser Verdacht war bereits beim ersten Newcastle-Fall im Landkreis Mühldorf vor mehr als zehn Wochen unter Insidern geäußert worden.
Überwachungszone
fällt weg
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Seit Donnerstag, 21. Mai, ist die Überwachungszone im Norden des Landkreises, die von einem früheren Ausbruch im Landkreis Rottal-Inn herrührt, weggefallen. Die Schutz- und Überwachungszone zu den Ausbrüchen in den Gemeinden Oberbergkirchen und Buchbach bleibt unverändert bestehen. Eine Aufstallpflicht gilt sowohl in der Schutz- als auch in der Überwachungszone.
Die Mitarbeiter des Veterinäramts im Landratsamt Mühldorf stehen – insbesondere für Fragen zu den angeordneten Schutzmaßnahmen – per E-Mail unter vetamt@lra-mue.de zur Verfügung.
Aktuelle Informationen zur Newcastle-Krankheit in Bayern sind auf der Seite des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (www.lgl.bayern.de) unter dem Stichwort „Newcastle-Krankheit“ verfügbar.