Gabersee – Eigentlich war auf dem riesigen Dach des gemeinsamen Neubaus von Romed-Klinik und kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg nichts Besonderes geplant. Doch dann kam Karsten Adamski und mit ihm ein radikaler Wandel in Richtung Nachhaltigkeit. Seit fünf Jahren leitet er das kbo-Inn-Salzach-Klinikum, und ihm war sofort klar: Dieses Dach muss genutzt werden. „Ich wollte unbedingt Photovoltaik installieren“, erinnert sich der Klinikdirektor.
Eine komplexe, aber
lohnende Investition
Heute produziert die neue Solaranlage fast den gesamten Strom, den die Kliniken in Gabersee benötigen. Die Module sind nach Süden ausgerichtet und lieferten bereits seit der Inbetriebnahme Mitte April 31,64 Megawattstunden. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch CO2 – so viel, wie 115 Laubbäume in zehn Jahren binden könnten. Die Gesamtleistung der Anlage dieses Bauabschnitts beträgt 180 Kilowatt-Peak. Wenn die Anlage komplett sein wird, realisiert sie laut den ISK-Vertretern über 800 Kilowatt-Peak, das ist eine Leistung, mit der 250 Einfamilienhäuser versorgt werden könnten.
Ein Stromspeicher ist gar nicht nötig: Die Kliniken verbrauchen den erzeugten Strom sofort – von medizinischen Geräten bis zur Haustechnik. Damit das funktioniert, mussten die Duschl-Ingenieure aus Rosenheim allerdings kreativ werden. Eine nachträgliche Kernbohrung brachte den Solarstrom vom Dach dorthin, wo er gebraucht wird. „Eine Klinik ist deutlich komplexer als ein Einfamilienhaus“, erklärt Ingenieur Alexander von Schneyder. Der Aufwand hat sich gelohnt: 85 Prozent der Investition wurden gefördert – ein Spitzenwert, der zeigt, wie effizient die Anlage arbeitet. Auch Margitta Borrmann-Hassenbach, Vorstand der Kliniken des Bezirks Oberbayern, ist stolz auf das Ergebnis. Sie hat bereits alle Träger psychiatrischer Kliniken eingeladen, sich das Projekt vor Ort anzusehen. Im Eingangsbereich des Großklinikums enthüllt sie einen Monitor, der den Ertrag der Anlage zeigt. Schon im Testbetrieb seit Ende April wurde so viel Strom erzeugt, dass ein E-Auto damit zweimal um die Welt fahren könnte. Und tatsächlich fließt ein Teil der Energie in die Dienstwagenflotte – die Adamski bereits auf Elektroantrieb umgestellt hat.
Gabersee wächst weiter: Das Klinikgelände gehört zu den größten Neubauprojekten Bayerns und mit jedem Bauabschnitt kommen neue Photovoltaikanlagen hinzu. Gleichzeitig verbessert sich der Komfort für die Patienten. Neben verwinkelten Backsteinbauten und Gemeinschaftsduschen gibt es nun helle, moderne Zimmer mit eigenen Bädern.
Doch Adamski denkt weiter. Für Mitarbeiter plant er ein Passivhaus, um auch beim Wohnen Energie zu sparen.
Und selbst in der Küche wird Nachhaltigkeit ernst genommen: „An heißen Tagen esse ich keine Suppe“, sagt Adamski. Und weil es vielen so geht, können Mitarbeiter und Patienten inzwischen vorab wählen, welche Menübestandteile sie wirklich möchten. Das Ergebnis: 50 Liter Suppe weniger – jeden Tag. „Wir kochen nur noch das, was auch gegessen wird“, freut sich der Klinikchef.
Ein Signal
für die Zukunft
Das Klinikum in Gabersee beweist, dass moderne Medizin und Klimaschutz kein Widerspruch sind. Mit Sonnenstrom, intelligenten Gebäuden und weniger Lebensmittelverschwendung wird hier ein Weg eingeschlagen, der weit über Wasserburg hinausstrahlt. Die Sonne über dem Klinikdach liefert nicht nur Energie – sie liefert ein Signal: So sieht nachhaltige Gesundheitsversorgung aus.